Treue Begleiter auf vier Pfoten

Interview Angelika Prinz möchte, dass ein Hund das Leben bereichert. Sie leitet die Welpenschule der Aalener Hundefreunde und gibt Kurse, damit die künftigen Halter wissen, was auf sie zukommt. Von Anja Robisch
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    Fotos: Andreas Wegelin
Die 48-Jährige hatte 2013 einen Großpudelwurf: Rechts auf dem Foto ist sie mit ihren Pudeldamen Ninja und Anqiue zu sehen – Ninja ist die Mutter, Anique, die Tochter. Mit diesen beiden freundlichen Hunden besucht die gelernte Diplom-Verwaltungswirtin regelmäßig Altenheime, um therapeutische Besuchsdienste zu machen. lm November hat sie ihre Firma „rundumhund“ gegründet. „Meine Kenntnisse aus Hundesport, -erziehung und -zucht möchte ich weitergeben, damit die Haltung von Anfang an gelingt“, sagt sie. Im Interview gibt sie Tipps aus ihrer jahrelangen Erfahrung mit den Vierbeinern:

Anja Robisch: Kann jeder einen Hund haben?
Angelika Prinz: Nein, natürlich nicht. Die größte Hürde ist heutzutage die Zeit, die einem neben der Berufstätigkeit noch bleibt. Ein Hund, der mehr als sechs Stunden am Stück täglich allein sein muss – das ist nicht mehr artgerecht.
Ist es artgerecht, den Hund mit ins Büro zu nehmen?
Mit meinen zwei Großpudeln wäre das kein Problem. Die würden sich brav und ruhig hinlegen. Hunde als soziale Tiere wollen vor allem bei ihren Menschen sein. Hunde bis zu einem Jahr allerdings sind anstrengend wie kleine Kinder. Hier stelle ich es mir schwierig vor – man käme wohl kaum zum Arbeiten.
Ist ein Hund wie ein Kind – was den Aufwand betrifft?
Meine eigenen Hunde habe ich als einfacher empfunden als meine Kinder. Der Stellenwert von Kindern ist natürlich ein anderer. Ein Hund wird schneller groß. Die Anfangsphase, die sehr anstrengend ist, geht schneller vorbei. Das Thema Durchschlafen war bei meinen jungen Hunden nie ein Thema. Bei meinen Kindern haben alle drei die ersten drei Jahre nicht durchgeschlafen, das war belastend.
Im Schnitt benötigt man etwa zwei Stunden Bewegung und Beschäftigung für einen Hund.
Wie aufwändig ist ein Hund zeitlich?
Ich bin im Verein der Hundefreunde mit meinen eigenen Hunden aktiv tätig und leite dort auch die Welpengruppe. Die Leute, die einmal in der Woche etwa zwei Stunden zu uns kommen und dann zu Hause möglichst täglich noch an der Erziehung weiterarbeiten, die sind ganz gut gestellt. In die Hundeschule kann man mit seinem Hund lebenslang gehen, man kann natürlich auch nach der Grunderziehung, also circa mit anderthalb Jahren, damit aufhören.
Wie sieht es mit dem Gassi-Gehen aus?
Durchschnittlich benötigt man etwa zwei Stunden Bewegung und Beschäftigung für einen Hund. Ob man das auf zwei- oder dreimal täglich aufteilt, ist jedem selbst überlassen, solange der Hund auch noch Möglichkeit hat, sich zum Bespiel im Garten zu lösen. Es gibt auch Rassen, die fordern deutlich mehr, brauchen eine richtige Aufgabe, andere wieder eher weniger. Denen reicht es, möglichst viel bei ihrem Menschen zu sein. Dabei darf man sich nicht von der Größe täuschen lassen. Manche kleine Hunde, wie Jack-Russel-Terrier können anstrengender sein als ein Neufundländer.
Wie findet man einen Hund, der zu einem passt?
Es gibt definitiv sehr rassespezifische Eigenschaften, also ist gründliche Vorabinformation wichtig. Man muss aber auch bedenken, dass jeder Hund seinen eigenen Charakter hat. Ich kann einen verschlafenen Border-Collie haben und einen durchgeknallten Berner Sennenhund. Oft wenig sinnvoll ist es, sich auf den Homepages der Züchter zu informieren, da hier meist nur Positives beschrieben wird und alle Rassen als ideale Familienhunde dargestellt werden.
Was ist ein guter Familienhund?
Das hängt von den Ansprüchen der Familie ab. Viele unkomplizierte, kleinere Hunde finden sich in der Gruppe der Gesellschafts- und Begleithunde, zum Beispiel Malteser, Kromfohrländer, Pudel. Auch die Retrieverrassen und Hütehunde sind für sportliche Familien klasse. Zudem können neuere Rassen wie Elo oder Eurasier gut passen.
Angelika Prinz
Was sagt es über Sie aus, dass Sie Großpudel haben?
(lacht) Dass ich nicht so gerne zu Hause sauge. Pudel haaren nicht. Ich hatte davor immer Schäferhundmischlinge. Das waren ganz tolle Hunde, sehr leichtführig, einfach auszubilden. Ich hatte aber mit der letzten Hündin gesundheitlich Pech, weil sie schwer hüftgelenkskrank war. Deshalb entschied ich: Kein Mischling mehr. Ich möchte künftig wissen, welche Gene die Eltern mitbringen. Man hat natürlich nie hundertprozentige Gewähr, dass alles gut ist, aber ein bisschen mehr Sicherheit. Meine Mischlinge waren aber die reinsten Haarschleudern, ich habe mich deshalb bewusst nach Rassen umgeschaut, die nicht oder wenig haaren und mit denen man trotzdem sportlich unterwegs sein kann. Sie sollten leicht auszubilden sein, freundliche Hunde, die mir aber auch optisch gut gefallen.
Wo sehen Sie Schwierigkeiten in der Halter-Hunde-Beziehung?
Das größte Problem heute, meiner Meinung nach, sind falsche Erwartungen und zu wenig Kenntnisse über Entwicklungsschritte, Prägung, Sozialisation junger Hunde. Ein Hund unbekannter Vorgeschichte, vielleicht aufgewachsen in einem dunklen Kellerverschlag, oder in seinem bisherigen Leben von Menschen verfolgt und gequält, kann das nicht einfach bei Ankunft in der „optimalen Familie“ abstreifen. Der wird eben nicht mit Dankbarkeit auf das neue Zuhause reagieren, sondern hat an diesen Altlasten zu knabbern. Man kann nicht erwarten, dass er sich problemlos in den Alltag einfügt und plötzlich alle Menschen liebt.
Sie geben einen Kurs „Wir wollen einen Hund“.
Das Thema liegt mir sehr am Herzen. In der Welpengruppe erlebe ich oft, dass Menschen mit einem Hund kommen, der nicht zu ihnen passt – etwa ein älteres, womöglich motorisch eingeschränktes Ehepaar mit einem lebhaften Labrador. Viele wissen zu wenig über pubertierende Hunde, also wenn sie neun, zehn Monate alt sind. Da wird es oft kernig und viele geben ihren Hund in diesem Alter ab. Es ist aber wie bei Kindern nur eine Phase. In meinen Kursen gebe ich dieses Wissen weiter und mache Hundehaltung einfacher.
Mehr Infos über Angelika Prinz und ihre Dienstleistungen rund um den Hund gibt es unter www.rundumhund-ostalb.de.

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... gibt es im Magazin „Leben.Lieben.Lachen“ der Medienwerkstatt Ostalb. Das Magazin ist erstmals zur gleichnamigen Frauenmesse erschienen. Die Seiten sind pfiffig, verspielt, elegant und klug gestaltet – so wie sich das für ein Frauenmagazin gehört. Darin werden Frauen und ihre Berufungen vorgestellt. Es geht um Gelenkigkeit in diesem Magazin: den Spagat zwischen Beruf, Familie und Partnerschaft zu meistern. Das Magazin erscheint nun vierteljährlich unabhängig von der Messe. Die kommende Ausgabe ist für Ende Juni geplant.
Die aktuelle Ausgabe ist bereits vergriffen. Unter www.lelila.de steht online das gesamte Magazin kostenfrei zum Abruf bereit.

Wirbelwind-Familie mit zwei Hunden

Rocky (rechts) und Amigo sorgen neben drei Kindern bei Familie Lauk in Hüttlingen für Umtrieb. Ein Leben ohne Hunde ist für Rebecca Lauk unvorstellbar. Auch für ihren Mann Manuel. Er ist mit Yorkshire Terriern aufgewachsen, sie mit Dackeln.
Bei einem Besuch in einem Geschäft hat sich Manuel Lauk in den Ladenhund verliebt. Als der zum Scheidungshund wurde, zögerte das Paar nicht. Der damals elf Monate alte Rocky wurde Familienmitglied. Das war vor elf Jahren. Dann kamen die Kinder. Und vor eineinhalb Jahren schließlich Amigo. „Mein Mann hat mir ständig Bilder von süßen Welpen gezeigt“, erzählt Rebecca Lauk. „Das hat er nun davon“, scherzt sie. Malteser-Yorkie-Mischling Amigo ist ein Wirbelwind. Malteser Rocky ist mit seinen elf Jahren zwar ruhiger geworden, aber immer noch kein Sofahund.
„Diese beiden kleinen Hunde passen perfekt zu uns. Zu drei Kindern, in eine kleine Bude, in ein Auto. Wir müssen keine allzu langen Spaziergänge machen, die Hunde sind schnell verstaut und die Kinder lieben sie sehr“, sagt Rebecca Lauk.

Filia macht die Familie komplett

Sie ist der erste Hund von Familie Wegelin und hört auf den Namen Filia. Familie Wegelin, die in Neuler lebt, hat den Mischling, der zum größten Anteil ein rumänischer Hirtenhund ist, über den Tierschutzverein „Fellnasen“ aus Stuttgart bekommen.
Filia stammt aus Rumänien, wo das Leben vieler Straßenhunde in einer Tötungsstation endet. Mit drei Monaten kam die Hündin schon auf die Ostalb und hat somit keine schlimme Vergangenheit, wie viele Straßenhunde. „Sie ist vom Wesen sehr lieb. Sehr temperamentvoll und doch sensibel. Eine zauberhafte Maus. Sie merkt sofort, wenn eines der Kinder traurig ist. Sie hat auch schon Tränen weggeleckt. Sie macht unsere Familie komplett“, erzählt Claudia Wegelin.
„Die Erziehung hätte ich mir einfacher vorgestellt“, sagt die gelernte Jugend- und Heimerzieherin, die gerade ein Studium zu Paar- und Familientherapeutin macht. „Man muss wirklich immer konsequent sein. Aber wenn etwas sitzt, sitzt es. Das gibt einem ein gutes Gefühl“. Und als elf Monate alte Junghündin ist Filia schließlich in der Pubertät.
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© Schwäbische Post 13.05.2016 15:00
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