Kelten in 3D

Alamannenmuseum Ellwangen eröffnet Hightech-Ausstellung

Archäologie ist mehr als Spaten und Pinsel. Das zeigt die neue Sonderausstellung in Ellwangen mithilfe neuester Techniken, wie 3-D-Modellen und VR-Brillen.

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    Eine Sonderaustellung im Alamannenmuseum Ellwangen zeigt unter anderem, was für Technik heute in der Archäologie eingesetzt wird: zum Beispiel einen 3-D-Scanner, der auf dem Bild gerade zur lasergestützten Vermessung an einer Ausgrabungsstelle genutzt wird. Foto: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart
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    Andreas Gut (55) leitet das Alamannenmuseum in Ellwangen. Foto: Eva-Marie Mihai
Die Wände der Ausgrabungsstätte auf dem Ellwanger Marktplatz sind meterhoch. In der Grube sind keine anderen Menschen, kein Werkzeug, überall nur Erde. Ein Weg nach oben ist nicht zu erkennen; keine Treppe, keine Leiter – nichts. Das ist dann unangenehm, wenn man selbst mitten in der Grube steht. Der einzige Ausweg ist ein knallpinker Knopf, der am Boden zu sehen ist. Hält man den Blick lange genug darauf gerichtet, lädt er sich auf. Plötzlich wechselt die Perspektive und der Betrachter schwebt etwa zehn Meter über der Grube.

Diese Ansichten tun sich den künftigen Besuchern der Sonderausstellung „Mit Hightech auf den Spuren der Kelten“ im Alamannenmuseum Ellwangen auf. Mit VR-Brillen können die Besucher die Mittelaltergrabung auf dem Ellwanger Marktplatz virtuell aber realitätsnah nachempfinden. In 360-Grad-Kugelpanoramen ist ein dreidimensionaler Raum zu sehen; durch Kopfbewegungen ändert sich auch der Blickwinkel in der Brille. Neben der neu eingerichteten Station steht Museumsleiter Andreas Gut, er hat die Einrichtung der Wanderausstellung in Ellwangen hauptverantwortlich begleitet. „So eine moderne Ausstellung hatten wir noch nie“, sagt Gut.

Die Ausstellung räumt mit dem verstaubtem Image der Archäologie auf: Themenstationen zeigen Lasertechniken, 3-D-Modelle und Scanner – alles Methoden, die heute in der Archäologie benutzt werden. Vor allem in jüngerer Zeit finden lasergestützte Methoden zur Vermessung und Dokumentation vermehrt Anwendung. 3-D-Laserscanner können beispielsweise Funde abscannen und dann im Modell eins zu eins nachbilden. Andreas Gut zeigt auf den Abguss eines Totenbetts aus Lauchheim-Mittelhofen. Als von dem Fundstück ein Latex-Abzug erstellt wurde, zerfiel das Original in seine Einzelteile. „Heute könnte man das mit einem 3-D-Laserscanner berührungslos abscannen.“

Ebenso modern wie die Thematik der Ausstellung ist die  Darstellung im Museum: Statt ausgestellter Funde gibt es Leuchtbilder, Schubladen, Klapptexte und 3-D-Modelle. „Mit der Hightech wollen wir Technikbegeisterte und Jüngere anlocken“, sagt Gut, der es bedauert, mit seinen 55 Jahren einer der Jüngsten im Museumsverein zu sein.

Im Ausstellungsraum stehen altmodische Messgeräte in krassem Gegensatz zu den modernen Techniken, die an der nächsten Station gezeigt werden. Eine faszinierende Wirkung – der  Einsatz von hochmoderner Technik, um archaische Lebensformen darzustellen.

Die Wanderausstellung, die vor Ellwangen schon zehn Stationen durchlaufen hat, wurde vom Keltenmuseum Hochdorf und dem Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart konzipiert. Etwa 30 000 Euro und drei Monate Vorbereitungszeit wurden in Ellwangen investiert, unter anderem auch vom Museumsverein.

„Ich hatte erst etwas Angst wegen der Technik, ob wir alles richtig angeschlossen bekommen“, sagt Gut. Ein Museumsgestalter aus Stuttgart habe aber zu jedem Käbelchen ein Steckerchen gefunden. Kurz vor der Eröffnung erstrahlen alle Leuchtbilder und die 3-D-Modelle vermitteln einen räumlichen Eindruck.

Zu der Station mit den VR-Brillen im Erdgeschoss hat Gut eigens eine Schulung mit den Museumsführern abgehalten. Einige von ihnen befinden sich jenseits des Alters des intuitiven Smartphone-Gebrauchs. „Wenn man das alles vorsichtig genug macht, ist das aber kein Problem“, sagt Gut und geht noch einmal durch seine Ausstellung. Er ist gespannt, wie die Ausstellung beim Publikum ankommt. „Es ist dieses Mal nicht das Übliche.“
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© EVA-MARIE MIHAI 21.05.2016 07:45
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