Unwetter fordert in Gmünd zwei Todesopfer

38-jähriger Gmünder Feuerwehrmann verliert bei Rettungsversuch sein Leben

Bei dem Unwetter am Sonntagabend in Gmünd sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Unter ihnen ein Gmünder Feuerwehrmann. Diese traurige Mitteilung machten OB Richard Arnold, Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, Feuerwehrkommandant Ralf Schamberger und Polizeichef Helmut Argauer nach Mitternacht.

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    Feuerwehrleute versuchten an der Taubentalunterführung, zwei Menschen zu retten. (Foto: jps)
Michael Länge



Schwäbisch Gmünd. „Bis 21.45 Uhr war es eine Sintflut, danach ein Albtraum“, sagte ein sichtlich geschockter Joachim Bläse. Als sich die Ereignisse zu diesem Zeitpunkt am Sonntagabend dramatisch zuspitzten, hatten er, Arnold, Schamberger und Argauer gedacht, dass das Schlimmste überstanden sei, der Sachschaden zwar hoch ist, Menschen aber nicht zu Schaden gekommen waren. Zu diesem Zeitpunkt jedoch hatten gerade Passanten Feuerwehrleute informiert, dass in der Taubentalunterführung eine Person vermisst wird. Die Feuerwehrleute, die im Taubental einen Keller auspumpten, waren schnell vor Ort. Und erfuhren: Eine Person war in der Unterführung in einen Schacht gestürzt. Wie diese in den Schacht gelangte, konnte zum Zeitpunkt der Pressekonferenz niemand genau sagen. Die Rettungskräfte versuchten, die Person zu retten. Dabei kam eine zweite Person, ein 38-jähriger Gmünder Feuerwehrmann und Familienvater, ums Leben. Er wurde wohl im Sog des abfließenden Wassers auch in den Schacht gezogen. Hinzugerufen wurde die Stuttgarter Berufsfeuerwehr mit Tauchern, die zuvor im Hölltal im Einsatz waren, und Vertreter der DLRG. Mit der Gmünder Feuerwehr versuchten sie, Wasser abzusaugen. Ohne Erfolg. Deshalb beschlossen sie nach Mitternacht, die Bergung der beiden Opfer abzubrechen, um nicht weitere Personen zu gefährden. Die Bergung wird an diesem Montag fortgesetzt. Für die beiden Vermissten jedoch besteht keine Hoffnung mehr. Die Rettungskräfte und die Stadtverwaltung haben die Unglücksstelle gegen 0.50 Uhr an die Kriminalpolizei übergeben.
Zur Zeit des Bergungsversuchs waren Angehörige des ersten Vermissten, eine Person mit türkischem Hintergrund, vor Ort. Sie wurden von Feuerwehrseelsorger Michael Gseller und dem Vorsitzenden der Ditib-Gemeinde, Emin Cakmak, betreut.
Gegen 21.45 Uhr zählte die Feuerwehr etwa 250 Einsätze, kurz nach Mitternacht waren noch 185 Einsätze offen. Kreisweit gab und gibt es insgesamt mehr als 600 Einsätze. Die Zahl werde, sagte Schamberger, am Vormittag weiter ansteigen. Oberbürgermeister Richard Arnold kündigte für diesen Montag einen größeren Überblick an. Er verwies darauf, dass Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer Gmünd Hilfe angeboten habe und dass er auch mit Landrat Klaus Pavel und Regierungspräsident Johannes Schmalzl in Verbindung stand und stehe. Arnold dankte allen Feuerwehrleuten. Dies sei kein alltägliches Gewitter gewesen. Ein solches Unwetter habe es in Schwäbisch Gmünd über Jahrzehnte nicht gegeben. Die Feuerwehrleute hätten alles gegeben, ein schwerer Schatten seien jedoch die Todesfälle.

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© Schwäbische Post 30.05.2016 02:41
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