Dem Unterwasserzauber erliegen

Florida Sieht elegant aus, ist aber harte Arbeit: Um für Unterwasser-Shows der Meerjungfrauen fit zu sein, ist für die Darstellerinnen im Vorfeld viel Training nötig.
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    Foto: John Athanason/Weeki Wachee Springs State Park/dpa-mag
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    Katy Wagner arbeitet seit zwei Jahren als Meerjungfrau in Weeki Wachee. Foto: Verena Wolff/dpa
Katy Wagner ist eine Meerjungfrau. Ihr Lächeln sitzt perfekt. Geduldig beantwortet die blonde Frau mit der türkisfarbenen Flosse und dem passenden Bikinioberteil die Fragen der Kinder. Die sind begeistert, dass es die fabelhaften Wesen nicht nur in ihren Märchenbüchern gibt. Doch Meerjungfrau ist kein leichter Job.

Minutenlanges Schwimmen, Schauspielen und Tanzen unter Wasser: Dafür braucht es viel Übung. Wagner arbeitet bereits seit zwei Jahren als Meerjungfrau in Weeki Wachee nördlich von Tampa in Florida. Die Damen haben verschiedene Vorführungen einstudiert. Alle werden unweit der Quelle des Weeki-Wachee-Flusses geschwommen. Das natürliche Becken hat einen Durchmesser von etwa 30 Metern, die Mermaids (Meerjungfrauen) bewegen sich in etwa fünf bis sechs Metern Tiefe. Das Wasser ist kristallklar, die Quelle bleibt bis heute ein Rätsel.

„Taucher haben schon mehrfach versucht, sie zu ergründen“, sagt John Athanason, Sprecher des umliegenden State Parks. „Aber in etwa 150 Metern Tiefe mussten sie ihre Tauchgänge immer abbrechen, weil es zu gefährlich wurde, tiefer nach unten zu gehen.“

Die Mermaids schwimmen schon seit 1947 in dem Wasser. Damals hatte Newt Perry die Idee, in der klaren Quelle, die damals voller rostiger Kühlschränke und Autowracks war, eine Show ins Leben zu rufen. „Einst gab es hier mehr Alligatoren und Bären als Menschen“, sagt Athanason.

Doch Perry, ein bekannter Schwimmer und Taucher, hatte eine Idee: Er experimentierte mit Sauerstoffschläuchen unter Wasser, an die die Meerjungfrauen zum Atmen schwammen. „So mussten sie keine Flaschen auf dem Rücken haben.“ Die Zuschauer hatten den Eindruck, die Damen tauchten, ohne atmen zu müssen. Das Marketing übernahmen die Mermaids gleich selbst: Immer, wenn sich ein Auto nach Weeki Wachee verirrte, eilten die Damen in knapper Badebekleidung auf die Straße und winkten die Gäste heran. Dann sprangen sie in ihren Pool und zeigten die Show.

Früher bis zu acht Shows am Tag

Einst gab es hier mehr Alligatoren und Bären als Menschen.

John Athanason

Der kleine Ort entwickelte sich zum Publikumsmagneten. Ende der 1950er Jahre kaufte ein Fernsehsender den Park und baute einen Unterwasser-Zuschauerraum für 500 Menschen. 35 Meerjungfrauen gaben bis zu acht Shows am Tag. In den besten Jahren kamen mehr als 500 000 Besucher.

Seither hat sich in dem Park nicht viel verändert. Es kommen bloß deutlich weniger Menschen, denn Disneyworld und Seaworld haben dem kleinen Ort längst den Rang abgelaufen. Das Gelände um die Quelle ist als State Park vor weiterer Bebauung geschützt.

Es gibt noch eine Attraktion in der Region: Das ganze Jahr über können Schwimmer in den zahlreichen Quellen und Flüssen in Weeki Wachee und der Umgebung mit den Manatees tauchen und sich die bis zu vier Meter langen, wuchtigen Seekühe aus der Nähe anschauen. Sie erreichen unter Wasser eine Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde.

So schnell sind die Mermaids in Weeki Wachee nicht. Dafür sind sie deutlich hübscher anzuschauen, viel beweglicher, und sie haben immer wieder neue Choreographien parat. dpa

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© Schwäbische Post 17.02.2017 16:42
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