Lesermeinung

Zum FC Normannia:

Die Entscheidung der Normannia-Verantwortlichen, den Vertrag des Trainers nicht zu verlängern, ist der völlig falsche Schritt und vor allem eines: Es ist respektlos gegenüber Beniamino Molinari.

Auch der Zeitpunkt ist unprofessionell gewählt, hatte man sich mit dem Auftaktsieg in Laupheim doch gerade etwas Ruhe verschafft. Aufsichtsratsvorsitzender Alexander Stütz meinte, dass die Mannschaft nicht dort stehe, wo die Verstärkungen sie hätten hinbringen sollen. Herr Stütz übersieht dabei, dass auch die Ligakonkurrenten nicht tatenlos bleiben und sich teilweise noch stärker mit routinierten Spielern verstärkt haben. Die Normannia steht in einer extrem ausgeglichenen Verbandsliga, in der es für nahezu jede Mannschaft erst mal nur um den Klassenerhalt geht, alles andere als schlecht da. Die Hinrunde lief für diese junge Truppe sicherlich nicht optimal, doch mit nur zwei Siegen mehr auf dem Konto wäre man sogar mittendrin im Rennen um den Relegationsplatz zwei.

Das Problem beim FCN besteht nicht auf der Trainerposition, sondern in der Zielsetzung. Ununterbrochen wird von der Oberliga gesprochen (...). Erst in der Vorwoche hatte Teammanager Karl-Heinz Knab bezüglich des Essig-Wechsels betont, dass andere Vereine größere wirtschaftliche Möglichkeiten haben. Zugleich sieht man auch, dass die Oberliga-Aufsteiger der letzten Jahre (...) in der Breite professioneller aufgestellt sind als die Normannia. Es kann daher nicht der Weg sein, nur blind den Oberliga-Aufstieg zu fordern. Angesichts des (noch) schwachen Umfeldes und der vergleichsweise geringen finanziellen Möglichkeiten muss es das Ziel sein, junge Spieler aus der Region zu entwickeln – und das hat Molinari in den vergangenen dreieinhalb Jahren durchaus erfolgreich umgesetzt. (...)

Die Trennung von Molinari ist das traurige Ergebnis einer jahrelangen Selbstüberschätzung. Mehr als eine gute Rolle in der Verbandsliga ist dem FCN auf die kommenden paar Jahre nicht zuzutrauen. Für einen Aufstieg bräuchten Verein und Mannschaft Entwicklungszeit. Stattdessen wird nun eine jahrelange Leitfigur mit dem viel zitierten „Stallgeruch“ ohne Not vergrault. Dieser Vereinsführung kann man nur viel Glück dabei wünschen, einen Trainer zu finden, der ebenso zur Normannia passt, wie es bei Beni Molinari der Fall ist – einen solchen Trainer mit dermaßen viel Herzblut wird man schlichtweg nicht finden.

zurück
© Schwäbische Post 08.03.2017 17:49
Ist dieser Artikel lesenswert?
3125 Leser
Kommentar schreiben
nach oben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.