Die Ostalb ist ein kreatives Fleckchen

Autoren Die Landschaft ist nicht nur für Maler und Fotografen eine Inspirationsquelle, sondern auch für Autoren. Romane und Krimis aus und über unsere Region erfreuen sich seit einiger Zeit immer größerer Beliebtheit.
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    Foto: kmü
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Marita Ruess skizziert „Tödliche Bilder“ in ihrem Ostalbkrimi. Jochen Bender ist auf der Suche nach dem Geld in „Die Millionen von Neresheim“. Junge Autoren messen sich mit ihren Kurzgeschichten in literarischen Wettbewerben an Schulen. Ellwangen lebt Integration mit dem Projekt „Eine Stadt schreibt ein Buch“. Carolin Hachtel bringt Kindern mit „Florentino Florian“ die Feuerwehrarbeit auf der Ostalb näher. Offensichtlich regt die Region die Fantasie der Schriftsteller kräftig an.

Romantische Geschichten

Karin Müller fing beispielsweise mit Kindergeschichten an. „Irgendwann wollte ich mal etwas ‘Gscheits’, sprich etwas Umfangreicheres“, erklärt die Westhausenerin. Inzwischen existieren von ihr fünf Romane und ein Sachbuch. „Es ist für mich spannend, die verschiedensten Themen zu recherchieren, dabei etwas zu lernen und dann in eine fiktive Handlung reinzubasteln“, erzählt sie.

Müller hat sich den romantischen Geschichten verschrieben. Diese verpackt sie gerne in Familienzwistigkeiten, Trauer und Leid, Freude, Humor und Liebe. Ihre Schauplätze sucht sie nach dem eigenen Gefallen aus und ergänzt sie dann mit regionalen Themen. Für die Reifung des Buches benötigt die Autorin von der allerersten Idee bis zum gedruckten Exemplar etwa vier Jahre. Sie arbeitet parallel an unterschiedlichen Projekten, jedes steckt dementsprechend in einer anderen Phase. Aktuell entstehen ein weiterer Roman mit dem Schauplatz des Biosphärenparks der Kärntner Nockberge und ein kleines Sachbuch über eine besondere, kostbare Pflanze. „Mehr wird nicht verraten“, lacht Müller.

„Ich glaube, jeder Autor wünscht sich einen großen Leserkreis und viele Rückmeldungen. Das macht Mut zum Weiterschreiben“, verspricht sich Karin Müller von ihren Büchern. Auf dem Weg dahin hält sie sich am liebsten an den Schauplätzen selbst auf, wenn sie recherchieren muss. „Ich fotografiere vieles, um mir ein Bild zu machen. Wenn dann die ersten Kapitel in Rohform stehen, kann ich überall schreiben“, sagt sie zur Vorgehensweise.

Doch dann schlägt sie tatsächlich einen eher klassischen Weg ein. „Meine Figuren schnipple ich aus Katalogen aus und klebe sie auf Plakate. Im Herbst werden die Sommerfiguren mit ausgeschnittenen Winterklamotten beklebt. Dann geht’s altbacken weiter mit Füller und Papier. Danach tippe ich alles bei ersten Korrekturen und Überarbeitungen ab“, sagt sie mit einem Lachen.

Zum Endspurt brauche ich aber richtig Ruhe.

Joy Valley Autorin

Zukünftigen Schreiberlingen rät Müller, einfach anzufangen. „Tut es, auch wenn anfänglich alles endlos und chaotisch erscheint. Probiert selbst aus, wie euch das Recherchieren und Schreiben am meisten Spaß bereitet“, ermuntert sie. Markus Hoffmann wünscht allen Neueinsteigern sehr viel Kraft und Disziplin für ihr Erstlingswerk. „Neben aller Freude am Schreiben, was ich persönlich für das Wichtigste halte, gehört es dazu, bei der Sache zu bleiben“, weiß er aus eigener Erfahrung. Die Fertigstellung seines ersten Krimis zog sich aufgrund eines Umzugs in die Länge. Doch kurz nach der Veröffentlichung von „Tödliche Triplette“ arbeitet er bereits an seinem nächsten Werk. „Es ist wie ein Sog, der mich an den Schreibtisch zieht. Ich denke, dass ich in circa zwei Jahren mit dem neuen Krimi fertig sein werde“, rechtfertigt er seine Sucht nach dem Schreiben. Der gebürtige Ellwanger freut sich, wenn das fertige Produkt auch noch positive Resonanz erfährt und der Leserschaft gefällt, was er zu Papier gebracht hat. „Dann bin ich schon sehr zufrieden“, bestätigt auch er im Hinblick auf die Motivation hinter dem Schreiben.

Krimi-Autor durch Zufall

Bezüglich einer Veröffentlichung hat er erst ernsthaft nachgedacht, als das Buch schon fast fertig war. „Eine Agentur oder einen Verlag zu finden, ist heute nicht mehr ganz so einfach. Da heißt es, nicht entmutigen lassen, dran bleiben.“ Krimiautor war Markus Hoffmann nicht von Anfang an. „Bei mir kamen mehrere Impulse zusammen. Während eines Urlaubs hatte ich das Bedürfnis, die Landschaft zu beschreiben, in der wir uns aufhielten. Ich schnappte mir Block und Stift und schrieb einfach drauf los. Plötzlich schwamm im Fluss eine Leiche. Obwohl ich kein ausgesprochener Krimileser bin, nahm mein Buch doch schnell den Weg in Richtung dieses Genres“, erinnert sich Hoffmann an die Anfänge. Er spürte sofort, dass ihm diese Form, seinen Eindrücken, Vorstellungen und Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sehr viel Spaß machte. Hinzu kam, dass Außenstehende das Getextete als lesbar und interessant bewerteten.

Schreiben wird zum Muss

Doch Hoffmann war auch auf der Suche nach einem Ersatz für das entstandene Loch in seinem kreativen Dasein. „Nach meinem Wegzug aus Aalen hatte ich meinen Bass in die Ecke gestellt und holte ihn nur noch gelegentlich hervor, um mit Bekannten zu musizieren“, bedauert er. Bald wurde das Schreiben zu einem persönlichen Muss. „Es drängte mich fast täglich an den Schreibtisch. Hatte ich keine Zeit, entwickelte ich meine Geschichte trotzdem weiter und nutzte natürlich die nächstbeste Gelegenheit, um meine Konstruktion in Worte zu fassen“, sagt er schmunzelnd.

Entgegen Karin Müller zieht sich Markus Hoffmann lieber in sein stilles Kämmerlein zurück, um in Ruhe seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können. „Mein Arbeitstisch ist 2,40 Meter lang, ich kann mich also richtig ausbreiten und es sieht manchmal verheerend aus“, sagt der Lehrer. Nur dann kann er detailliert soziale und gesellschaftsrelevante Aspekte beleuchten. „Der Kriminalroman ist ein hervorragendes Medium dafür. Allerdings kam bei mir noch die neuere Historie dazu. Biografische Elemente aus dem Leben meines Onkels, der nach dem Zweiten Weltkrieg einen ähnlichen Weg gegangen war, wie der Hauptprotagonist meiner Parallelgeschichte, waren für mich sehr inspirierend“, beschreibt Hoffmann den Spagat, eine geschichtlich interessante Zeit mit dem Jetzt und Heute zu verflechten. Südfrankreich, die dortige Lebensart und sein geliebtes Boule-Spiel seien für ihn Ideengeber gewesen.

Einfach ausprobieren und machen.

Karin Müller Autorin

Die Autorin Joy Valley bezieht die Ideen für ihre Reiseberichte spontan aus ihren verrückten Reisen. „Nach meiner ersten Tour dachte ich irgendwann, so bekloppt sind nur wenige, das müsste man mal aufschreiben. Bei der zweiten Tour führte ich bereits Tagebuch und wusste von Anfang an, dass ich darüber berichten wollte“, erzählt die Mittdreißigerin. Das Geldverdienen mit den Büchern stand für sie nicht im Vordergrund. Sie wollte einfach nur schreiben und ihre Abenteuer für die Nachwelt und als eigene Erinnerung festhalten. Doch für ihr neues Buch hat sie das Genre gewechselt und reiht sich in die Riege der Lokal-Krimiautoren ein. „Die Ostalb bietet doch eine tolle Bühne für Krimis“, gibt die gebürtige Mainzerin gerne zu. Über die Geschichte möchte sie noch nichts verraten. Schließlich lebt ein Krimi von der Spannung. Die Handlung entstand nach und nach in ihrem Kopf. Immer wieder kamen neue Punkte hinzu, andere fielen weg. „Eines Tages setzte ich mich hin und schrieb die wirren Gedanken zusammen. Ansonsten wären sie im Alltag untergegangen. Denn dort entstanden sie auch, einfach nur durch Beobachtungen und Vorkommnisse in meinem Leben.“

Der Entstehungsprozess von Reiseberichten und Krimis könnte unterschiedlicher nicht sein. Die ersten beiden Bücher schrieb Joy Valley zeitnah zu den Reisen und innerhalb weniger Wochen, um die Eindrücke nicht verblassen zu lassen. Zudem ergab es sich in beiden Fällen, dass sie ihre Projekte ohne große Ablenkungen verfolgen konnte. „Der Lokalkrimi schreibt sich ganz anders. Die Idee reifte lange, entwickelte sich schrittweise. Jetzt sitze ich blockweise an der Realisierung.“ Mal könne sie mehrere Tage hintereinander investieren und sich um das Schreiben kümmern. Dann gebe es aber auch Wochen, in denen sie keine Zeit dazu finde. „Der Einstieg zurück in die Geschichte kostet dann jedes Mal Zeit. Man muss anknüpfen können und will ja auch wieder den richtigen Tonfall treffen.“

Doch sie lasse sich nicht entmutigen und folge ihrem eigenen Rhythmus. „An kalten Tagen kuschele ich mich auf dem Sofa ein, um in die richtige Stimmung zu kommen.“ Mit dem Laptop auf dem Schoß und einer Tasse heißer Schokolade in der Hand feilt sie dann weiter an Komplotten und der Jagd nach dem Täter. „Im Sommer verlagere ich meine Schreibwerkstatt gerne auf den Balkon, genieße dort die wärmende Sonne und lausche der Natur. Zum Endspurt brauche ich aber richtig Ruhe, da werde ich mich vermutlich ins Ausland zurückziehen“, sagt sie.

Kleine Ziele stecken

Einen Tipp möchte Joy Valley allen künftigen Schriftstellern weitergeben: „Ich würde nicht mit dem Ziel starten, einen Bestseller mit Millionenauflage schreiben zu wollen. Solch erfolgreiche Autoren kann man an einer Hand abzählen. Oft sind sie schon länger im Geschäft und feiern plötzlich ihren Durchbruch“, weiß sie durch diverse Besuche von Buchmessen und dem Netzwerken mit anderen Autoren. Auch Karin Müller und Markus Hoffmann leben nicht von ihren Büchern. Die Vermarktung nimmt nach der Veröffentlichung sehr viel Zeit in Anspruch. Denn die Erstellung einer Webseite, Lesungen, die Verbreitung in den Medien, Präsenz auf Buchmessen, das Kontaktieren von Kooperationspartnern und weitere Maßnahmen bedeuten großen Aufwand. af

Die besten Veröffentlichungsmethoden für Ihr erstes Buch

Um ihre Bücher zu veröffentlichen, haben Karin Müller, Markus Hoffmann und Joy Valley verschiedene Methoden gewählt. Man unterscheidet zwischen Agenturen, der Direktansprache eines Verlags oder dem Self-Publishing. Agenturen prüfen das Manuskript auf seine Marktchancen und nehmen bei positiver Bewertung den Autor unter Vertrag. Durch das vorhandene Netzwerk mit Verlagen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, veröffentlicht zu werden. Alternativ kann sich der Autor direkt an Verlage wenden. Dazu sollte man zuvor genau selektieren, welcher Verlag zum Buch passt. Massenmails bringen nichts, meist wird um Einsendung von Anschreiben, Exposé und Leseprobe per Post gebeten. Das Auswahlverfahren kann lange dauern, da bei den Verlagen täglich unzählige Manuskripte eingehen.

Experten warnen vor Druckkostenzuschussverlagen. Sie haben den Ruf, jedes Manuskript anzunehmen und ihr Geld mit den hohen Druckkostenzuschüssen für die Veröffentlichung von jedem Autor zu verdienen.

Dann wählt man besser das Self-Publishing. Hierfür gibt es zahlreiche Dienstleister, die eine ISBN zur Verfügung stellen und den Druck auf Abruf sowie die Präsentation in Online-Buchhandlungen übernehmen. Sie bieten zudem die Umwandlung des Manuskripts in ein eBook an, einer mittlerweile populären Darbietungsform von Büchern. Wer sich nicht auf einen Dienstleister verlassen möchte, kann die Organisation der Veröffentlichung selbst in die Hand nehmen. Im einfachsten Fall gibt man das Buch an eine Druckerei, lässt eine feste Anzahl Exemplare drucken und vermarktet diese persönlich in Buchhandlungen, im Internet oder bei Lesungen.

Auf alle Fälle sollten Familie, Freunde oder Lektoren vor Druck einen Blick in das Buch werfen, um etwa etwa Rechtschreibfehler aufzuspüren. af

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© Schwäbische Post 28.07.2017 14:50
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