Leserbeiträge

Steuererhöhung gegen Übergewicht?

VON LESER ANDREAS BICKEL

In ihrem Artikel vom 14.11. über die Forderung der "Deutschen Adipositas" und der "Deutschen Diabetes - Gesellschaft", eine Staffelung der MwSt. von "ungesunden" und "gesunden" Lebensmittel abhängig zu machen, finde ich absurd. Auf fast allen Packungen sind ausführliche Nährwertangaben beschrieben. Jeder Konsument kann sich auch daran orientieren. Und sehr viele nehmen dies sicherlich auch in Anspruch und machen auch den Kauf davon abhängig. Diejenigen Verbraucher, die keinen Blick auf diese wichtige Deklaration werfen oder werfen wollen, werden sich auch weiterhin, trotz höherem Preis, vom Kauf eines sogenannten "ungesunden" Lebensmittels nicht abhalten lassen. Jeder, der sich ein bisschen mit Ernährung befasst oder auch befassen muss, sollte wissen woran es bei ihm selbst ankommt und von welchen Produkten man eher Abstand halten sollte. Im Grunde kommt es eben auch auf die Dosis an, die das Gift macht. Wenn man dies beherzigt, soll auch ein "ungesunder" Genuss ruhig mal drin sein. Oft sind eben die Produkte, die die Geschmacksträger Zucker und Fett beeinhalten eben auch schmackhafter als andere. Das weiß auch die Lebensmittel-Industrie. Doch das Problem ist auch, das auf Armeslänge überall Fastfood u.ä. verfügbar ist. Überall duftes es und die Menschen werden zum ungesunden Essen verleitet. Ich selbst bin Diabetiker und übergewichtig. Ich hatte/habe immer zu kämpfen. Jedoch bin ich der Meinung das aufgrund einer 0%- Besteuerung von Obst  sicherlich nicht mehr Äpfel konsumiert werden als seither. Wichtig ist es, Gesundheitsangebote und Ernährungsaufklärungen durch die Krankenkassen weiterhin beizubehalten bzw. noch zu vestärken. Hier wird, denke ich, immer mehr gemacht. Es wird aus dieser Richtung schon viel angeboten. 

Sollen jetzt z.B eine Coca Cola mit 29% besteuert werden und Coke light mit Süßstoffen in der gleichen Packung nicht? Das gibt schon bei den Herstellern und in den Märkten bei den Kalkulationen und Bepreisung ein Durcheinander. Werden dann z.B. Apfel,-oder Orangensaft niedriger besteuert, obwohl das Getränk mehr Zucker bzw. Kcal. aufweist als Limonaden? Wo sollen hier die Grenzen gezogen werden? Ein riesiger Besteuerungs-Aufwand im Hintergrund wäre zu erwarten.

Und das Ökonomen ausgerechnet haben, dass die Fettleibigkeit durch diese Maßnahmen um bis zu 12,5% zurückgehen würde, ist zu bezweifeln. Die in Ihrem Artikel angegebenen 8 Mrd.  Mehr-Steuermehreinnahmen/ Jahr für den Staat ist ja wohl der beste Beweis dafür, das man davon ausgeht, das der Konsument weiterhin in Massen die "ungesunde" Produkte kauft. Ich kann mir denken, dass das Gesundheits,- bzw. Finanzministerium nach diesem Steuervorschlag große Ohren bekommt. Fokusieren wir uns lieber auf Prävension, Aufklärung und motivierende Maßnahmen der Krankenkasen, anstatt dem Staat noch mehr Geld in den Rachen zu schmeißen.

Andreas Bickel, Hüttlingen

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© Andreas Bickel 14.11.2017 14:24
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