Lesermeinung

Zum Thema „Neue Mitte“ in Mutlangen:

„Wer kennt sie nicht die Bausünden der 60er- und 70er-Jahre? Die vermehrte Nachfrage nach Wohnraum ließ die seelen- und gesichtslosen zumeist mehrgeschossigen Bauten wie Pilze aus dem Boden schießen. (...) Die Monotonie derartiger Bauwerke war auf der einen Seite dem Renditeaspekt geschuldet und zum geringeren Teil dem Druck der Kommunen Wohnraum zu schaffen. Der Aspekt der dabei entstehenden dauerhaft nachteiligen Mikrolage wurde leider übersehen. Auch die Stadt Schwäbisch Gmünd kann davon ein Lied singen.

Jüngstes Beispiel, dass aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt wurde, stellt für mich die ‘Neue Mitte’ in Mutlangen dar. Diese in Beton gegossene Langeweile der zwei Baukörper ist für das Auge kaum zu ertragen. Dabei hätten sich die Verantwortlichen aus Mutlangen bereits in Lorch davon überzeugen können, welchen ‘Charme’ diese Bauten versprühen. In Lorch stehen sie allerdings nicht an so zentraler Stelle wie in Mutlangen. Die Stadt hätte an so markanter Stelle Besseres verdient. Es schwant einem Böses bei dem Gedanken, dass derselbe Bauträger nun u.a. ein achtstöckiges Gebäude am Ortseingang plant, sozusagen als Eingangs-Visitenkarte für Mutlangen. (...) Hier wiederholen sich die Fehler vieler Kommunen: Zu wenig Transparenz im Vorfeld, Ad-hoc-Entscheidungen des Gemeinderats, die Bürgerschaft fühlt sich übergangen. Wie lassen sich diese Fehler vermeiden? Hier einige Vorschläge: konkrete Gestaltungssatzungen für Neubaugebiete, detaillierte Bebauungspläne (...), Durchführung von Gestaltungswettbewerben, frühzeitige Information und Beteiligung der Bürger.

Immobilien sind langlebige Wirtschaftsgüter – und wollen wir nicht alle den nachfolgenden Generationen eine möglichst erhaltenswerte Bausubstanz vererben? Rendite hin oder her!“

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© Schwäbische Post 26.12.2017 19:01
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Kommentare

In my humble opinion

>Immobilien sind langlebige Wirtschaftsgüter – und wollen wir nicht alle den nachfolgenden Generationen eine möglichst erhaltenswerte Bausubstanz vererben? Rendite hin oder her!<

Zustimmung - und dann schaue man sich mal die "möglichst erhaltenswerte Bausubstanz" der Neubauten der letzten 25 Jahre in Gmünd selbst an ...

Jede Zeit hat ihren eigenen Geschmack, bisher hat man in jeder Zeit das "alte Glomp" abgerissen und nach Zeitgeschmack neu gebaut - wenn man denn Geld dafür hatte. Was wir heute häufig als "historisch erhaltenswert" und "Ensemble" betrachten, markiert im Grund nur den Zeitpunkt, als unseren Vorfahren das Geld für Abriss und Neubauten ausging.

Lasst die kommenden Generationen ruhig über unseren verbogenen Geschmack lästern, irgendwann wird auch das heute Gebaute zum Kulturdenkmal.

Und "Rendite hin oder her" - nur von "schööööön" kann man auch nicht leben.