10 Thesen zur Entwicklung der Medien und was an ihnen dran ist

  • Die Medienrezeption und Aufmerksamkeit der Mediennutzer wandelt sich drastisch
  • Medien schaffen Ihre eigene Medienrealität
  • Klassische Medienorgane werden das sinkende Interesse der Nutzer zurückerobern
  • Politik und Wirtschaft profitieren von der Entwicklung der Medien

Bereits vor knapp hunderttausend Jahren wurden die ersten bedeutungstragenden Symbole von menschlichen Vorfahren mit Hilfe von Faustkeilen in Steine und Hölzer geritzt, einige zehntausende Jahre später wiederum fanden sich die ersten Malereien an Höhlenwänden. Damit wurde auf mentaler Ebene ein Prozess ausgelöst: Bild und Schrift und deren Verbreitung wurden zur Triebkraft sozialer und kultureller Prozesse, die sich über den ganzen Planeten erstreckten.

Seit Anbeginn jener ersten Medien entwickeln diese sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt ständig weiter und scheinen gerade mit dem technischen Fortschritt, der immer rapider voranschreitet, ständig Evolutionssprünge zu machen. Wie diese genau aussehen und wie sich die Medienlandschaft in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln wird, ist ungewiss. Dennoch gibt es einige Thesen zur eventuellen Entwicklung der Medien, die man genauer unter die Lupe nehmen und hinsichtlich ihrer Haltbarkeit bewerten kann.

1. Evolutionäre Sprünge in der Medienentwicklung werden immer größer

Menschen haben soziale und kognitive Bedürfnisse, die wiederum die Voraussetzung für die spezifischen Möglichkeiten einer Entwicklung der Medien schaffen. Diese Entwicklungen vollziehen sich innerhalb des Ökosystems der menschlichen Kommunikation. Nehmen die technischen Möglichkeiten der Kommunikation zu, passen sich auch die Bedürfnisse der Menschen teilweise an.

Da die derzeitige Technik rapide Sprünge macht und fast täglich neue Kommunikationsplattformen in Form von sozialen Medien, Programmen und sonstiger Vernetzung entstehen und die Bedürfnisse der Nutzer sich stets wandeln, kommt die Analyse der Medien kaum noch hinterher. Alleine dies stützt die These, dass evolutionäre Sprünge in der Medienentwicklung zumindest in den kommenden Jahren immer größer werden.
Vor allem das Aufkommen des Internets ist für die rasante Medienentwicklung verantwortlich, denn es erschüttert im Grunde das Verständnis des bisherigen Medienbegriffs. Wer vorher nur gelesen, gehört und geschaut hat, kann nun beispielsweise von Unternehmen als aktiver Benutzer verstanden und so auch angesprochen werden.

Jeder Einzelne wird damit unter Umständen zum Ausbeuter seiner selbst, indem er an der Kreation seiner Bedürfnisse selbst teilhat. Diese Kehrseite der modernen Medien gilt nicht ohne Grund als eine der großen Gefahren für den Freiheitsbegriff in Zeiten des Neoliberalismus.

2. Die Medienrezeption und Aufmerksamkeit der Mediennutzer wandelt sich drastisch

Die Medienrezeption wandelt sich tatsächlich ständig und sie wandelt sich fast immer auch drastisch. Allerdings ist das kein Trend der Zukunft, sondern die allgemeine Dynamik der Medienwelt. Denn das Wechselspiel aus neuerer Technologie und sich damit verändernden Bedürfnissen der Mediennutzer schließt automatisch das Bedürfnis nach Benutzung neuer Medien mit ein.

So kommt es, dass heute Zwanzigjährige oder Jüngere schon kaum noch fernsehen oder bewusst und über längere Zeit hinweg Radio hören. Das Programm-Fernsehen, das vielleicht noch der Elterngeneration als vollkommen natürliche Informations- und Unterhaltungsquelle diente, verliert diesen Status zunehmend. Es kann nicht mehr die Zugehörigkeit und Identität vermitteln wie früher. Heute sind schnellere Medien gefragt, die sich in einem Wechselspiel mit der kürzer werdenden Aufmerksamkeitsspanne der „digital natives“ bewegen.

Für die Betrachtung und Bewertung der Medienrezeption heute sind verschiedene Nutzungssituationen entscheidend. Über sie lassen sich die konkreten Erwartungen der Mediennutzer an das Medium selbst, in dem Moment, in dem sie es benutzen, analysieren.

Zu beobachten sind beispielsweise:

Eine Diffusion der Aufmerksamkeit: Mediennutzer erwarten heute Zerstreuung. Inhalte werden gerne einfach registriert, eine Art mediales Hintergrundrauschen im Alltag ist gewünscht. Dazu zählt im Grunde auch der digitale Schaufensterbummel – es wird einfach geschaut, was im Angebot ist und vielleicht findet sich ja etwas Schönes. Medien, die eine solche Berieslung erzeugen können, lassen sich unter dem Begriff Diffusionsmedien zusammenfassen. Da auch der intellektuelle Akademiker von Zeit zu Zeit eine solche Zerstreuung als Entspannung wünscht, lassen sich die Diffusionsmedien auch keiner bestimmten Zielgruppe zuordnen.

Eine Renaissance der Konzentration: Gleichzeitig zu all der gewünschten Diffusion entsteht bei vielen Menschen heute doch auch das Bedürfnis nach ruhiger Konzentration als Ausgleich zur Reizüberflutung und dem informativen Overload. Nutzer der so benennbaren Fokusmedien wissen im Gegensatz zu den Diffusionsmedien ganz genau, was sie erwartet und was sie suchen. Es ist das Ziel, den Alltag auszublenden und ganz in die mediale Erfahrung hineingesogen zu werden und das Medium als Event zu begreifen. Kinos sind das beste Beispiel, die trotz hoher Konkurrenz etwa durch Streamingdienste noch immer eine Menge Besucher anziehen. Die Immersion, die Flucht aus dem Alltag, gelingt im großen Saal einfach besser.

3. Neue Medien schaffen alte Medien ab

Die Zukunft der Medien und generell die Entwicklung der Medien seit jeher lässt sich nur verstehen, wenn man weiß, dass ein neues Medium ein altes nie vollkommen abschafft. Vielmehr verändern neue Medien immer nur die vorhergehenden und bauen auf ihnen auf. Wer dem Fernsehen beispielsweise aufgrund der enormen Relevanz des Internets sofort ein Endfälligkeitsdatum zuweist, unterschätzt das Potenzial einzelner renommierter Medien. Gerade auch was Bücher und Schallplatten angeht, ignorieren Zweifler an alten Medienformen deren rekursiven Aspekt:

• So erleben zum einen fast alle Medien irgendwann ihr eigenes Retro. Zurzeit lässt dieses sich am Schallplattentrend wieder gut beobachten. Der physische Tonträger scheint wieder schick zu sein, viele junge Menschen verspüren das Bedürfnis sich wieder Zeit zu nehmen und ein Album in Ruhe und am Stück anzuhören, was beim Streaming aufgrund der großen Auswahl schwerer zu fallen scheint. 2016 kletterte der Umsatz mit Schallplatten in Großbritannien im Zuge dieses Trends sogar über den von digitalen Downloads. Knapp ein Fünftel aller Musikträger wird aktuell wieder auf Vinyl gepresst, wer hätte das bei Einführung der CD schon gedacht?

• Zum anderen verschieben sich die Gebrauchs-Kontexte jedes Mediums bei großer Konkurrenz durch neuere Medien in spezifischere Nischen. Werden schnell lesbare und einfache Bücher durch E-Books abgelöst, gewinnen im gleichen Zug etwa große Kunstbücher, Klassiker und alle Bücher, die einen „haptischen Wert“ haben an Bedeutung. Medien wandeln sich durch den Einfluss neuerer Medien, verschwinden werden sie aber voraussichtlich entweder gar nicht oder nur zeitweise.

4. Das Fernsehen unterhält nur noch, aber verändert die Gesellschaft nicht

Eine Tendenz, die sich im Fernsehen zumindest subtil beobachten lässt ist Folgende: Die öffentlich-rechtlichen entwickeln sich zu einer Art „Parteienfunk“ und das Privatfernsehen wird zur „Klatschmaschine“, bei der es nur noch um Freaks, Blaulicht, Skandale und Prominente geht. Die These davon abzuleiten, dass das Fernsehen aber nur noch unterhalte und die Gesellschaft nicht mehr verändere ist nicht nur problematisch, sondern mitunter auch gefährlich. Denn sie spricht dem Fernsehen, wie es heute stattfindet, seine Macht und seinen Einfluss ab.

Diesen Einfluss allerdings hat das Fernsehen schon seit jeher und wird ihn wohl auch zukünftig noch behalten. Gerade das Privatfernsehen war schon in der Vergangenheit in der Lage, etwa die gesamte Sportwelt zu verändern und die Kommerzialisierung des Sports mit voranzutreiben.

Mit einem innovativen Format begann 1988 eine völlig neue Ära der Sportberichterstattung, welche zuerst den Fußball und schließlich auch andere Disziplinen nachhaltig beeinflusst hat. Der Unterhaltungsfaktor, der zur neutralen Berichterstattung hinzukam, machte das Sportfernsehen zum Event und sorgte schließlich für neue Kommerzialisierungsmöglichkeiten. Im Zuge der Mediatisierung des Sports gewannen Einschaltquoten, Sponsoren oder Übertragungsrechte immer mehr an Bedeutung.

Während ARD und ZDF zwar kommerziell unabhängig fungieren, lässt sich ein Einfluss der Parteien und eine gewisse Staatsnähe wohl kaum bestreiten. Die Kritik von Medienkritikern und Philosophen kann daran kaum etwas ändern.

Das Privatfernsehen wiederum besitzt noch immer die Macht, eine große Zielgruppe zu erreichen und wirkt dabei mitunter auch meinungsbildend. Veränderungen in der Gesellschaft durch das Fernsehen sind also noch immer im Gange, inwieweit sie den Betroffenen immer zugutekommen allerdings bleibt fragwürdig. Experimentiert wird dabei inzwischen mit neuen Medien- oder Erzählformaten.

5. Medien schaffen ihre eigene Medienrealität

Man könnte die Forderung an gerade die berichterstattenden Medien stellen, dass sie ein möglichst genaues Abbild der Wirklichkeit, der vergangenen und gegenwärtigen Ereignisse liefern und nüchtern und sachlich informieren. Dass sie ein echter „Spiegel“ der Gesellschaft sind, wäre begrüßenswert.
Allerdings kann kein Medium die genaue Wirklichkeit abbilden, weil zum einen keine vollkommen objektive Berichterstattung vorstellbar ist und weil zum anderen Medien abhängig von Politikern oder Geldgebern sind, die wiederum eigene Interessen vertreten (sehen wollen).

Dass Medien somit bei Berichterstattungen oftmals Alltägliches aussparen, auf das aufmerksam zu machen im Grunde einer Notwendigkeit entspräche (wie etwa der Fakt, dass täglich noch immer Tausende Menschen an Hunger sterben, während acht Männer so viel besitzen, wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung) und stattdessen ihre eigene Realität schaffen, die sich wiederum im Netz bestimmter Normen zu entfalten hat, ist nicht verwunderlich.

Der Medienwelt hierbei einen Vorwurf zu machen dagegen ist einfach und doch nicht wirklich zielführend. Schließlich muss auch für die Dynamik des komplexen Medienapparates Verständnis aufgebracht werden, auch wenn das nicht immer leichtfällt.

Problematisch wird es, wenn Medienrezipienten die Medienrealität als die eine gegebene Realität betrachten und ihren Alltag abhängig von Berichterstattungen und eingebunden in Klatsch und Skandale gestalten. Dann nämlich entfaltet sich das Gefahrenpotenzial der Beeinflussung, das viele Medien noch immer haben und Hysterisierungen und Ängste breiten sich aus.

6. Internet-Journalismus gefährdet den klassischen Journalismus

Der klassische Journalismus, der vor allem in Zeitungen, im Fernsehen und Radio stattfand, verschiebt sich in Zeiten des Internets in eben genau dieses Medium. Er verschwindet nicht, hat aber längst unbestreitbare Konkurrenz. Interessant ist hierbei, dass jeder Einzelne im demokratischen Netz zum Journalisten werden und – sobald er sich öffentlich äußert – auch gehört werden kann.

Die Gefahr, dass der Internet-Journalismus den klassischen Journalismus verdrängen könnte, ist nur ansatzweise gegeben. Viel größer jedoch ist die Gefahr, dass die heterogene Informationsfülle im Internet zu einer immensen Aufsplitterung der Rezipienten und somit vielleicht auch der Gesellschaft aufgrund der spezifischen Ansichten, Interessen und Vorzüge führen könnte.

Optimal funktionierender „Bürgerjournalismus“, wie er in Formaten wie Facebook, YouTube, Weblogs, Podcasts, Wikis, Twitter und auf sonstigen privaten Websites stattfindet, meint eine vielfältige, zugangsoffene und unabhängige Nachrichtenproduktion. Diese findet durch engagierte Bürger und Laienangebote statt. Wird dadurch eine breite Partizipation der Bürger an öffentlicher Kommunikation ermöglicht und die Entscheidungsfindung in politischen Belangen durch die Beteiligung Betroffener an Diskussionen demokratischer, gelingt dem Internet-Journalismus mitunter eine revolutionäre Wende.

Das Problem ist jedoch vor allem, dass die Leistungen des „Bürgerjournalismus“ doch oftmals qualitativ intransparent bleiben, sehr heterogen ausfallen und der Austausch nicht-neutraler Meinungen gegenüber unabhängigen und vertieften Recherchen überwiegt. Wie sich der Bürgerjournalismus hinsichtlich seiner Qualität als Konkurrent zum klassischen Journalismus entwickelt, bleibt abzuwarten.

Eine weiterhin nicht zu ignorierende Tendenz ist der gesellschaftliche Wandel in Richtung verstärkter Individualisierung. Jener löst mitunter eine Art Politikverdrossenheit aus, die wiederum die Fragmentierung einer Gesellschaft in polarisierte Teilöffentlichkeiten begünstigt und der Integrationsfunktion der Medien Kraft nimmt.

Dagegen sprechen Hinweise, dass nicht nur etwa in traditionellen Medien, sondern auch im Internet ressourcenstarke Akteure, wie etwa Wirtschaftsverbände weiterhin mit ihrer Präsenz dominieren. Außerdem haben sich auch die traditionellen Medien längst auf Online-Plattformen etabliert und orientieren sich gegenseitig an sich selbst und am Bürgerjournalismus, auf den sie eingehen, den sie beeinflussen und mitgestalten.

7. Die journalistische Vielfalt nimmt ab

In den vergangenen zwanzig Jahren mussten viele überregionale Tageszeitungen einen nicht geringen Teil ihrer Leser einbüßen. Weiterhin teilen sich wenige große Verlage mehr als die Hälfte des Marktes, was eine ernstzunehmende Marktkonzentration darstellt. Dennoch sind die meisten kreisfreien Städte und Kreise in Deutschland „Einzeitungskreise“. Sie werden durch eine einzelne unabhängige Zeitung informiert, die klassischen Informationsstandards obliegt.

Jene Druckmedien bilden nach wie vor die hauptsächlichen Inhalte- und Nachrichtenlieferanten der Medienwelt. Sterben sie allerdings aus und mit ihnen auch diverse Nachrichtenagenturen, stirbt eine ganze Informationskultur, deren gleichwertiger und qualitativ ebenbürtiger Ersatz durch noch so viele themenspezifische Internetangebote doch anzuzweifeln bleibt. Es ist stattdessen zu erwarten, dass die journalistische Vielfalt im gleichen Zuge abnimmt.

Nicht ganz ohne Schuld sind bei der zunehmenden Ausrottung dieser klassischen und vielfältigen Druckmedien beispielsweise die Zeitungen selbst, indem sie der Faszination des Internets und der mit dessen Verbreitung einhergehenden „Modernisierungs- und Technologiezwang“ nicht widerstehen konnten.

Nachrichten und Lesegeschichten, die wertvollen Produkte der Zeitungen, wurden nach und nach kostenfrei ins Netz gestellt und standen nun jedem einfach und schnell zur Verfügung. Das klassische Geschäftsmodell „Geld gegen Information“ steht auf der Kippe.
Um das zu ändern, werden Möglichkeiten, wie öffentlich-rechtliche Zeitungsmodelle, staatliche Unterstützungen für Zeitungen sowie Aktien für die Leserschaft oder stiftungsfinanzierter Journalismus im Sinne von Non-Profit-Organisationen diskutiert.

8. Klassische Medienorgane werden das sinkende Interesse der Nutzer zurückerobern

Bei den meisten Mediennutzern lässt sich doch eine gewisse Faulheit erkennen. Nicht nur besteht der Wunsch nach einer Diffusion der Aufmerksamkeit, sondern auch der nach einer mühelosen Unterhaltung, die überrascht und doch auch gut informiert. Wer heute Inhalte vermitteln möchte und davon leben will, muss also eine Art Verbindung aus Zuspruch und Anspruch finden.

Möchten klassische Medienorgane das durchaus teilweise sinkende Interesse der Mediennutzer zurückerobern, müssen sie sich einer derartigen Wandlung hingeben und aktiv mitziehen: Die Öffentlichkeit will wertgeschätzt werden und in Veröffentlichungen als Nutzer miteingezogen werden.

So sollten Medienhäuser alle Verwertungsmöglichkeiten einer Nachricht bedienen. Eine normale Nachricht reicht nicht mehr aus. Sie besteht heute etwa aus einer Twittermeldung, aus einer Mail an die Abonnenten des Mediums, einer Radio- oder Streamingdienstmeldung (z.B. in Podcastform), einem Fernsehbericht, einer Nachberichterstattung und sonstigen zusätzlichen Informationen.

Da Zeitungen und klassische Medienorgane den ersten Tag einer neuen Meldung nun einmal immer verlieren und Nachrichten im Internet viel schneller bekannt werden und sich verbreiten, können sie das Interesse von Medienrezipienten nur zurückerobern oder behalten, indem sie Inhalte bieten, die viele der oberflächlichen elektronischen Medien nicht zur Verfügung stellen können oder wollen. Das können Analysen, Hintergrundberichte oder Kommentare sein.

Da sich im Zuge der Globalisierung doch auch wieder viele Menschen das Bedürfnis verspüren, sich ins Kleine, Vertraute, ins Lokale zurückzuziehen, besteht der Wert der klassischen Zeitungen zukünftig vielleicht auch wieder im Hyperlokalen. Leser der Schwäbischen Post interessiert es mehr, wenn eine lokale Firma umzieht oder ein Milliardär auf der Alp ein neues Haus baut.

9. Organisationen beeinflussen mittels Public-Relations die öffentliche Kommunikation

Tatsache ist, dass in Krisensituationen und bei extremen Fällen diverse auch unabhängigere Journalisten aktiver werden denn je und verstärkt ihre eigenen Quellen nutzen. Das liegt in der Natur der Sache, denn Krisen bewältigt doch jeder anders und viele entwickeln hierbei einen Überlebens- und Informationsdrang, der sich durch standardisierte Recherchen und Berichterstattungen nicht stillen lässt.

Dennoch haben viele große Organisationen bei alltäglichen Nachrichten und routinierter Medienberichterstattung vermutlich ihre Finger im Spiel. Viele Meldungen gehen daher auf PR-Informationen zurück, woran sich auch in Zukunft wohl kaum etwas ändern wird.

Eine personelle Ausdünnung des Journalismus raubt ihm die Funktion und Aufgabe, Verlautbarungen von Organisationen zu hinterfragen und auch zu Themen zu recherchieren und darüber zu berichten, die von Unternehmen selbst eher nicht kommuniziert würden – sei dies aus Eigeninteresse oder eben Ignoranz gegenüber der Brisanz einer Nachricht.

10. Politik und Wirtschaft profitieren von der Entwicklung der Medien

Man kann sagen, dass Politik und Wirtschaft vor allem im Fernsehen maßgeblich an der Bestimmung der Agenda beteiligt sind. Im Internet wiederum, das zu einem immer wichtigeren Medium wird, haben sie die Möglichkeit mit Geld und Inhaltsproduktion kritische Darstellungen und Berichterstattungen ins Aus oder zumindest an die Ränder von Suchmaschinen zu drücken. So kommt es mitunter vor, dass etwa kritische Auseinandersetzungen mit der Finanz- oder Bankenkrise auch bei zunehmender Gerechtigkeitslücke eher rar gesät waren oder ganz ausgeblieben sind.

Eine umfassende Theorie des Internets steht noch aus, scheint aber aufgrund der wachsenden Komplexität auch sehr schwierig. Gab das Fernsehen Mitte der Sechziger Jahre etwa der Feminismus-, der Anti-Atomkraft und Friedensbwegung nicht nur eine darstellende Plattform, sondern gar ein entscheidendes Forum, das die Gesellschaft in ihrer Entwicklung stark beeinflusste, funktioniert das Internet hier ähnlich und doch vielschichtiger. Für politische Minderheiten sind internationale soziale Netzwerke eine wichtige Plattform für den Austausch.

Das Internet beeinflusst zudem auch stark die Konsumerfahrungen vieler Menschen. User können zur Qualitätsverbesserung und Kontrolle beitragen. Gerade die Interaktivität der modernen Medien bietet viele Möglichkeiten aber auch neue Risiken. Konzentriert man sich auf die positiven Aspekte des neuen, großen Mediums, profitieren nicht nur Politik und Wirtschaft davon, sondern vielleicht auch ganze Industrie-Gesellschaften, deren Werte durch die Mithilfe der Nutzer des digitalen Zeitalters revolutioniert und verändert werden können.

Abbildung 1: fotolia.de © sebra (#155735194)
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Abbildung 5: fotolia.de © FotolEdhar (#177936843)

© Schwäbische Post 13.02.2018 09:38
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