Das Geldspielgesetz - Kommt der Umschwung?

Viel wurde bereits in der Vergangenheit über die Regulierungen in der Casino Branche diskutiert. In der Schweiz könnte am 10. Juli ein Gesetz verabschiedet werden, welches vor allem ausländische Online Casinos vor das Aus stellt. Doch welche Auswirkungen würde dies nach sich ziehen? Und sind ähnliche Maßnahmen in Deutschland überhaupt denkbar?

Das sogenannte Geldspielgesetz, welches in der Schweiz in Kraft treten könnte, sorgt auch international für Aufsehen. Eine der großen Besonderheiten liegt darin, dass selektiv zwischen schweizerischen Online Casinos und ausländischen Casino Anbietern unterschieden wird. In der letzten Zeit sorgten vor allem letztere für eine starke Erweiterung des Angebots. Viele Spieler könnten schon bald dazu gezwungen sein, auf alternative Angebote auszuweichen. Etablierte Online Casinos aus der Schweiz erkennen bereits die Gunst der Stunde, mit der sie ihren Kundenstamm deutlich vergrößern könnten.

Aus der Sicht der Spieler bleiben vor allem Nachteile bestehen. Auf der einen Seite sorgte der starke Konkurrenzkampf innerhalb der Branche zuletzt immer wieder für attraktive Angebote. Die Offerten setzen bereits bei der ersten Einzahlung an, die auf ein neu eröffnetes Konto vorgenommen wird. In dieser Situation haben Spieler die Gelegenheit, in den Genuss eines besonderen Bonus zu kommen. Dieser sorgt dafür, dass noch mehr Kapital für den Einstieg in die Welt der Spielautomaten zur Verfügung steht. Heimische Anbieter halten hier oft niedrigere Summen und ein begrenzteres Angebot bereit. Bisher hatten sie aus diesem Grund mit einem klaren Nachteil im Wettbewerb zu kämpfen.

Finanzielle Motive des Staats

Schon in der Vergangenheit gelang es der Schweiz immer wieder, ein gesundes Maß an Protektionismus zu finden. Die Weltgemeinschaft hat sich längst mit dieser Sonderrolle abgefunden. Auch in diesem Fall spielen wirtschaftliche Vorstellungen eine wichtige Rolle bei der Wahl des Gesetzesentwurf. Denn unter der Voraussetzung, dass nur noch schweizerische Online Casinos legal am Markt agieren können, wandern alle Steuern in die Kassen der Schweiz. Bis zum heutigen Tag fehlen diese Summen, da sie zum Beispiel nach Zypern oder Gibraltar transferiert werden, wo viele Casinos über einen Standort verfügen. In Zukunft könnten die Einsätze der Spieler damit ebenfalls einen wichtigen Teil zur Kraft der heimischen Wirtschaft beitragen.

Die Frage ist, wie gut sich dieses Modell am Ende tatsächlich in die Tat umsetzen lässt. Denn auch in Deutschland verfügen Online Casinos nicht über eine ausdrückliche juristische Legitimierung. Vielmehr werden sie auf der Basis ihrer EU-Lizenz am Markt geduldet. Auch in der Schweiz wäre es zumindest denkbar, dass sich ein solches Modell im Laufe der Zeit durchsetzt. Schließlich ist es in den Zeiten des World Wide Webs kaum möglich, strikt gegen die Versuche internationaler Unternehmen vorzugehen. Aufwand und Nützen würden hier mit großer Wahrscheinlichkeit nicht in einem angemessenen Verhältnis stehen.

Der Nutzen der Gelder

Viele Staaten werben inzwischen damit, welche neuen Möglichkeiten aus den Einnahmen der Casino Branche erwachsen können. So wurde zum Beispiel in Finnland ein Modell entwickelt, mit dem die Spielsucht klar eingedämmt werden konnte. Auch in der Schweiz sollen die erwirtschafteten Mittel in erster Linie in die Unterstützung von sozialen Projekten fließen. Dass sich eine solche Denkweise nicht immer durchsetzt, zeigt wieder einmal das Beispiel Deutschland. Dort ist der Staat bereits seit Jahrzehnten an der Lotto GmbH beteiligt und generiert auf diese Weise Einnahmen auf der Basis des Glücksspiels. Gleichzeitig wirkt das Vorgehen gegen privaten Anbieter wie der Versuch, das eigene Monopol zu wahren. So entwickelte sich im Laufe der Jahre ein Dilemma, wie es nur schwer aus der Welt zu schaffen ist. Ganz und gar entscheidend für die Akzeptanz des neuen schweizerischen Projekts wird es also sein, wie gut es gelingt, für den sinnvollen Einsatz der Gelder zu werben.

Stimmen einer Branche

Innerhalb der Casino Branche stoßen Regulierungen des Staats bekanntlich auf ein geteiltes Echo. Zumindest die klassischen Spielbanken in der Schweiz sehen im neuen Gesetz jedoch eine Chance für den erneuten Aufschwung. Nachdem ihnen im Laufe der vergangenen Jahre viele Kunden verloren gegangen waren und sich den Online Casinos anschlossen, könnte dieser schleichende Prozess der Degenerierung gestoppt werden. Der Besuch in der Spielbank um die Ecke wäre vor diesem Hintergrund wieder attraktiver, als in der Vergangenheit. Doch erst die Zeit wird zeigen, ob dieser Weg wirklich zu neuen wirtschaftlichen Erfolgen der Betreiber führen kann. Bislang überwiegen auch auf der Seite der Experten die Zweifel.

Bilder:
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© Schwäbische Post 22.03.2018 10:40
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