Facebook macht Singlebörsen Konkurrenz: Neue Dating-Funktion soll Singles zusammenbringen

1,4 Milliarden Menschen nutzen Facebook tagtäglich. Und schenkt man ihren Profilen Glauben, sind 200 Millionen User Singles. Ein großes Potenzial, wie Facebook-Gründer und Konzernführer Mark Zuckerberg bekannt gab. Mit einer neuen Dating-Funktion möchte er genau diese Menschen zusammenbringen und Beziehungen schaffen. Wie Zuckerberg dieses Ziel umsetzen möchte, welche Funktionen Facebook-Nutzern zukünftig zur Verfügung stehen und weitere Informationen zum Online-Dating kommuniziert dieser Artikel.

Facebook als Vorreiter gegen Online-Dating-Betrüger

Social Media-Plattformen wie Facebook und Twitter führen in bestehenden Partnerschaften häufig zu Streit. Viele Menschen sind der Ansicht, dass die Aktivität in den sozialen Netzwerken schlecht für die Beziehung ist. Ob das wirklich der Fall ist, beantwortet der Beitrag Ist Social Media schlecht für die Beziehung? Darüber hinaus beleuchtet der Artikel das Potenzial, welches das Internet für Singles bietet, um den Partner fürs Leben zu finden.

Fakt ist: Singles nutzen Dating-Portale wie Tinder oder Parship in der Hoffnung, den Traummann oder die Traumfrau zu finden. Doch nicht selten versteckt sich hinter dem vermeintlich richtigen Partner eine völlig andere Person. Sogenannte Fake-Profile erschweren Singles das Online-Dating ungemein. Sie müssen Vorsicht walten lassen, um nicht auf Betrüger und Abzocker hereinzufallen. Sogar die Dating-Portale selbst setzen vermehrt auf Fake-Profile, um die Kunden zu binden und für sich zu werben. Die Verbraucherzentrale berichtet, dass 187 Portale dieses fragwürdige, aber legale Vorgehen für sich nutzen.

Mit der neuen Dating-Funktion von Facebook könnten Online-Dating-Plattformen zukünftig eine starke Konkurrenz bekommen. Auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 begründete Mark Zuckerberg sein Vorhaben wie folgt: „Wir brauchen Technologie, um die Menschen enger zu verbinden, das passiert nicht von alleine". Er betonte, dass es im Jahre 2004, als er sein Netzwerk gründete, keine Plattform zum Aufbau von Beziehungen gab. "Beziehungen stiften Sinn und helfen uns, unseren Platz auf der Welt zu finden," so Zuckerberg. Der Konzernchef möchte sein Unternehmen damit auf eine völlig neue Stufe bringen. Bis dato wird Facebook überwiegend zum Netzwerken mit Freunden genutzt. Auch auf dem Unternehmermarkt spielt die Plattform bereits eine große Rolle, denn viele Firmen verwenden die Plattform für Marketingzwecke und zum Schließen neuer Geschäftskontakte. Neben bezahlter Werbung, Gruppen- und Chatfunktionen, Flohmärkten und Eventmarketing dürfte mit der Dating-Funktion eine weitere breite Zielgruppe abgedeckt werden. Facebook katapultiert sich mit diesem Vorhaben immer weiter zum zentralen Netzwerk des World Wide Webs.

So funktioniert die neue Funktion von Facebook

Was genau beinhaltet diese Dating-Funktion? Genaue Informationen gab Zuckerberg diesbezüglich noch nicht bekannt. Er betonte jedoch, dass es dabei um das Schaffen langfristiger Beziehungen und nicht um One-Night-Stands gehe. Denn mehr als die Hälfte aller Online-Dating-Nutzer sind auf der Suche nach einer festen Partnerschaft. Die neue Funktion im Einzelnen:

Jeder Facebook-Nutzer kann parallel zu seinem privaten Profil ein Dating-Profil erstellen. Dieses beinhaltet die grundlegenden Informationen, die auch Dating-Portale nutzen. Nach erfolgreicher Erstellung erscheinen dem Single Events in seiner Nähe, an denen er Interesse haben könnte. Klickt er die Veranstaltung an, werden ihm alle Singles angezeigt, die ebenfalls an der Teilnahme an dem Event interessiert sind. Er kann nun auf die Dating-Profile dieser Personen zugreifen, diese wiederum auf seines. Findet ein Nutzer Gefallen an einer Person, kann er ihr eine private Nachricht zukommen lassen und bestenfalls verabreden sie sich zu einem Date zu dieser Veranstaltung. Die neue Funktion bietet einen entscheidenden Vorteil: Facebook-Freunde erfahren nicht, dass der Nutzer am Online-Dating teilnimmt. Sie erhalten keine Informationen über den Newsfeed. Außerdem zeigt die Dating-Funktion nur andere Singles, mit denen der User nicht befreundet ist. Darüber hinaus sei geplant, Personen anhand gemeinsamer Freunde vorzuschlagen.

Facebook im Datenschutz-Skandal

Die Freude über die neue Dating-Funktion scheint im Hinblick auf den erst kürzlich aufkommenden Datenschutz-Skandal getrübt. Doch Zuckerberg betonte mehrfach, dass sich die Nutzer keine Sorgen um den Datenschutz machen müssten. Das Unternehmen scheint aus den vergangenen Fehlern gelernt zu haben und setzt die entsprechenden Gegenmaßnahmen ein. "In letzter Zeit war es nicht einfach, ein Entwickler zu sein und das ist noch untertrieben.“ So eröffnete der Konzernchef die Entwicklerkonferenz. Daraus wird deutlich, wie viel Wert auf den verantwortungsbewussten Umgang mit den Daten gelegt wird. „Wir müssen dafür sorgen, dass sich so etwas nicht wiederholen kann.“ Zuckerberg sprach davon, dass es sich um einen massiven Vertrauensbruch gehandelt habe. Er möchte jedoch alles daran setzen, seine Tools und Entwicklungen weiter zu bringen und das Netzwerk zunehmend sicherer zu machen. Die von ihm geplanten Gegenmaßnahmen sind vor allem auch nötig, um die neue Dating-Funktion attraktiver zu machen. So plant Facebook bis Ende 2018 Minimum 20.000 Fake-News und Fake-Profile zu entfernen. Da das neue Online-Dating-Profil mit dem privaten Profil verknüpft ist, kann das Unternehmen auf diese Weise gezielt gegen Betrüger vorgehen.

Nutzer, die sich effektiv vor Datenmissbrauch schützen möchten, sollten grundsätzlich darauf achten, so wenige Informationen wie möglich im Internet bekannt zu geben. Auch Gewinnspiele und Versandhäuser nutzen die persönlichen Daten für Werbezwecke. In der Regel lässt sich bei der Anmeldung oder der Teilnahme festlegen, dass dies nicht gewünscht ist. Wer ganz sicher gehen möchte, überprüft zuvor die Sicherheit der Webseite. Anhand eines Schloss-Symbols in der Adresszeile können Internetnutzer eine sichere Verbindung ausmachen. Dieses Zeichen dient dem User als Erkennungszeichen, dass die Verbindung der Webseite verschlüsselt ist. Vor allem beim Online Banking, beim Preisgeben persönlicher Daten und beim Einkauf ist es wichtig, dass dieses Symbol vorhanden ist. Dieser Artikel zeigt, wie beispielsweise Tracking-Dienste persönliche Profile von Internetnutzern anlegen und diese für sich nutzen.

Bekanntgabe der neuen Dating-Funktion lässt Tinder-Aktie abrutschen

Schon kurz nach der Bekanntgabe der neuen Dating-Funktion durch Zuckerberg rutschte der Marktwert der Singlebörse Tinder massiv ab. Rund um ein Fünftel ihres Wertes verlor die Aktie der Match Group, der Mutterkonzern der beliebten Flirt-App Tinder. Daraus resultiert, dass Investoren der neuen Funktion von Facebook einiges zutrauen. Damit dürfte das Online-Dating des sozialen Netzwerks zukünftig eine starke Konkurrenz für alle Singlebörsen bedeuten. Nun heißt es gespannt abzuwarten, welche Neuerungen Zuckerberg und sein Team tatsächlich auf den Markt bringen und, ob sie Facebook damit auch wieder für jüngere Menschen attraktiv machen können.

Abbildung 1+2: Pixabay.com © rawpixel (Pixabay-Lizenz)

© Schwäbische Post 14.05.2018 11:08
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