Hier schreibt die Kulturinitiative Schloss-Scheune Essingen

Mit eleganter Gelassenheit und feinstem Gespür

Qualität, die man hören kann: Elias Opferkuch wagte sich erfolgreich an schwierigste Klavierliteratur. Foto: kul

Herbert Kullmann

Diese Nachricht mag manch einen erschrocken haben: Der Vorsitzende der Kulturinitiative ist von seinem Amt zurückgetreten. Der Kulturverein ohne seinen Spiritus Rector? Mit 119 Konzerten in den zurückliegenden Jahren habe er den Boden für eine gute Kulturarbeit mit bereitet, ist sich Ralf Groß sicher. Doch nun wolle er Platz für Jüngere machen. Nur eine Konzertart fehle ihm noch: eines mit Piano solo. In Elias Opferkuch findet Groß den Pianisten, der zugleich wie ein Magnet auf die Musikfans wirkt. Entsprechend proppenvoll ist es in der Schlossscheune, sodass zusätzliche Stühle herangeschafft werden müssen.

Unter der Überschrift „Klanglicht – von der Seele in den Himmel“ sorgt Elias Opferkuch von Anfang an virtuos für einen in sich stimmigen Spannungsbogen zwischen Bach, Busoni, Liszt, Strawinsky und Ravel. Für eine beseelte wie zeitlose Musik, die alles andere als eine leichte Fingerübung für den jungen Pianisten darstellt, fordert sie doch höchste Virtuosität, technisches Können und künstlerisches Einfühlungsvermögen. Anderen wäre davor angst und bange, doch Elias Opferkuch schreitet ruhig und gelassen zum Flügel. Ein Moment der Konzentration, dann setzt er expressiv zur „Sinfonia“ (sechs Sätze aus Bachs Partita Nr. 2, BWV 826) an, die so fabelhaft leicht und klar klingt. Faszinierende Musik, vom Pianisten ohne Notenblatt –wie alle weiteren Beiträge – gespielt. Bemerkenswert!

Gleichzeitig stellt er unter Beweis, wie Musik vom Ausdruck eigener Empfindungen lebt. Überdeutlich in der Busoni-Interpretation der Bachschen Chaconne (Partita BWV 1004). Von einer ganz anderen Seite zeigt sich hingegen Franz Liszts „Après une lecture du Dante“ (Gedicht von Victor Hugo), die höchst dramatische Höllenfahrt aus der „Göttlichen Komödie“. Eine Herausforderung, der Elias Opferkuch dann noch Strawinskys „Trois mouvements de Pétrouchka“ anhängt, eines der schwierigsten Werke der Klavierliteratur. Da erscheint Ravels abschließendes „Le Tombeau de Couberin“ denn doch als geschwinde Fingerübung – zumindest aus Sicht der Zuhörer. Dennoch – jedes der fünf Virtuosestücke spielt Elias Opferkuch mit elegantester Gelassenheit und feinstem Gespür für Qualität.

© Schwäbische Post 13.05.2018 22:14

© Kulturinitiative Schloss-Scheune Essingen 14.05.2018 11:21
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