Lesermeinung

Es ist unsere Pflicht, Hilfesuchende zu unterstützen

Zum Leserbrief von Professor Dr. Reinhard Kuhnert in der GT am 30. Juni:

„Ständig wird vom ‘Migrationsproblem’ gesprochen, als Grund für vieles, auch für eine deutsche Regierungskrise. Dabei geht die Debatte am ‘Kernproblem’ vorbei. Geht es hier um bayerischen Wahlkampf, um Richtlinienkompetenz, die laut Herrn Prof. Dr. Kuhnert durch das Subsidiaritätsprinzip der EU ausgehebelt wird?! Für wen ist die ‘Lösung’, die Abschottung jedes Landes, denn die Lösung? Um wen geht es hier eigentlich, wer hat denn hier wirklich ein Problem? Es sind Menschen, die aus Not, welcher Art auch immer, eine lebensgefährliche Flucht auf sich nehmen. Die EU hat den Friedensnobelpreis bekommen, wofür? Weil sie frei nach dem Überseemotto ‘Wir zuerst’ das Leid und Elend der Flüchtlinge ignoriert? Menschenleben, solange es das des ‘Anderen’ ist, zählen hier nicht mehr. Anstatt sich Ungarns Ministerpräsidenten Orban als ‘vertragstreuen Grenzschützer’ zum Vorbild zu machen, sollte sich Herr Seehofer an die Gesetze halten, auf die er geschworen hat. Ungarn mauert sich ein. Das will nun Seehofer auch und würde damit elementares Völkerrecht brechen und noch mehr Leid erzeugen. Alexander Gauland von der AfD hat schon am Abend der Bundestagswahl gesagt: ‘Wir werden die Regierung jagen’ und jagen lassen sich die Regierungsparteien mit dem C im Namen, und zwar hinein in immer neue, unmenschlichere, todbringendere Methoden der Flüchtlingsabwehr, und sie tragen dabei noch das christliche Kreuz stolz vor sich her. Lager an den EU Außengrenzen oder noch dahinter, lösen das Problem nicht. ‘Wir sollten verzweifelte Menschen nicht wie Giftmüll, den niemand will, irgendwo abladen’, sagt Albaniens Ministerpräsident Rama zu Recht. Die Herkunftsländer müssen befriedet werden und wieder Lebensgrundlage für diese Menschen bieten. Bis dahin ist es Pflicht, allen beizustehen, die Hilfe brauchen. Dazu kann Europa vieles beitragen, es muss nur wollen.“

© Schwäbische Post 02.07.2018 20:23
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Kommentare

derleguan

Wenn die sich vertiefende Kluft zwischen Arm und Reich den materiellen Nährboden für Rechtspopulismus, Rassismus und Nationalismus bildet, muss in erster Linie die soziale Ungleichheit bekämpft werden. Das beste Mittel gegen den Rechtspopulismus war und ist eine gute Sozialpolitik, die dafür sorgt, dass niemand Angst vor Arbeitslosigkeit und Armut haben muss.