Ein Wohnmobil einfach selbst gemacht

Reise In einem selbst gebauten Wohnmobil lässt es sich preiswert und entspannt in den Urlaub fahren. Der TÜV Rheinland erklärt, worauf man beim Fahrzeugumbau achten sollte.
  • Bettenmachen bleibt einem auch im selbst gebauten Wohnmobil nicht erspart. Foto: Florian Schuh/dpa-mag

Wer sich selbst ein Wohnmobil aufbauen will, sollte sich dazu eine möglichst großes Basismodell suchen, etwa einen Transporter oder einen Kleinbus. „Der Wohnteil muss dazu geeignet sein, einer oder mehreren Personen ein Wohnaufenthalt zu ermöglichen“, sagt Thorsten Rechtien vom Tüv Rheinland. Zur Mindestausstattung zählen Tisch mit Sitzgelegenheiten, Schlafplätze, Koch- beziehungsweise Kücheneinrichtung, Schränke oder Stauraum.

Vorschriften sind einzuhalten

Wichtig: Die Vorschriften der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) müssen eingehalten werden. Um Verletzungen vorzubeugen, muss der Einbau Schranksicherungen, rutschfesten Bodenbelag, eine Verständigungsmöglichkeit zum Fahrer sowie eine ausreichende Belüftung und Beheizung aufweisen.

Da ein Wohnmobil vorrangig der Personenbeförderung dient, muss es auch die Anforderungen an einen Pkw erfüllen. Problematisch könne es werden, wenn Interessierte ein Fahrzeug kaufen, das per Typgenehmigung als Lkw angemeldet ist. „Pkw und Lkw haben bei der Typprüfung unterschiedliche Anforderungen. Nicht jeder Lkw lässt sich zu einem Pkw umschreiben“, sagt Rechtien. So können unter anderem Abgas- oder Geräuschvorschriften unterschiedlich sein.

Tim Rüttgers vom Caravaning Industrie Verband (CIVD) sagt, dass grundsätzlich jedes Fahrzeug zum Wohnmobil umgebaut werden kann. „Es gibt Bausätze, die selbst aus kleinen Pkw Ein-Mann-Wohnmobile machen.“ Als Basis eigneten sich gut Nutzfahrzeuge, Kastenwagen, Kleinbusse oder -transporter, aber auch Pritschenwagen oder Lkw.

„Wer sich für einen Gebrauchtwagen interessiert, sollte sich nach einem ordentlichen, soliden Zustand umschauen, damit sich der Umbau überhaupt lohnt“, rät Marcel Mühlich vom Auto Club Europa (ACE) hinsichtlich des Basisfahrzeugs. Eine Einschränkung bei Alter oder Leistung gebe es zwar nicht, dafür aber beim zulässigen Gesamtgewicht. „Für den Ausbau selbst können die Besitzer mit mindestens 600 bis 700 Kilogramm zusätzlich rechnen“.

Experten helfen beim Umbau.

Thomas Rechtien, TÜV Rheinland

Zulässige Gewichte beachten

Da das Gewicht der Insassen, der Tankinhalt und zusätzliches Gepäck noch hinzukommt, rät er zu einer Nutzlast ab 1000 Kilogramm aufwärts. Vor dem Kauf gehört deshalb unbedingt ein Blick in die Fahrzeugpapiere, um das zulässige Gesamtgewicht und die Nutzlast des jeweiligen Fahrzeugs zu erfahren.

Beim Umbau selbst ist handwerkliches Geschick bei Karosserie- und Holzarbeiten erforderlich. Hinzu kommen Kenntnisse bei den Installationen. „Im Zweifelsfall sollten sich Neucamper von Experten helfen lassen“, sagt Mühlich. Denn es gebe einschlägige Normen hinsichtlich Sicherheitsanforderungen an Wohnraum, Flüssiggasinstallation, Elektroinstallation und Sicherheitsbelüftung.

Darüber hinaus sind Vorgaben aus StVZO und ECE-Regelungen einzuhalten. Oftmals begleiten Kfz-Sachverständige wie Tüv-Prüfer den Umbau oder sie stehen mit Rat und Tat zur Seite. Das sei wichtig. Denn durch den Umbau ändert sich die Fahrzeugart. Zu guter Letzt ist auch ein Blick in den eigenen Führerschein mit entscheidend, welches Fahrzeug für einen solchen Umbau in Betracht kommt. Es muss beachtet werden, dass mit dem Führerschein der Klasse B das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs 3,5 Tonnen nicht übersteigen darf. dpa

© Schwäbische Post 24.08.2018 16:29
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