Lesermeinung

Zur B 29-Umgehung Mögglingens:

Wer dieser Tage von Aalen offenen Auges mit dem Auto nach Stuttgart fährt, dem wird mehr als verdeutlicht, wie höchst unterschiedlich erfolgreich Verkehrsprojekte umgesetzt werden können. Hier der Gmünder Tunnel, anfangs nicht unumstritten, aber in der Praxis das Beste und Klügste, was der Stadt gesamtkonzeptionell passieren konnte. Da die Ortsumfahrung Mögglingen, ein Ökö- und Nachhaltigkeitsdesaster mit Flächenverbrauch und der Zerstörung sensibler ökologischer Bereiche, wie etwa entlang der Rems Richtung Böbingen.

Die Ortsumfahrung Mögglingen folgt dem Prinzip, hier ein Nadelöhr zu beseitigen, um kurze Zeit später am nächsten im Stau zu stehen. Oder ging es an mir vorbei, dass Planungen rund um die Böbinger Ampelkreuzung bestehen? Falls ja, wartet die übernächste Problemstelle schon längst. Die Versäumnisse, konsequent auf den öffentlichen Nahverkehr zu setzen, diesen zu finanzieren und konsequent auszubauen, holen uns genau an solchen Stellen wie in Mögglingen ein.

Könnte es sein, dass all dies dem Mögglinger Bürgermeister Ottmar Schweizer gerade reichlich verspätet dämmert, auch dann, wenn ihm in der Bevölkerung das positive Gmünder Beispiel vorgehalten wird. Vielleicht schon, denn seine Äußerungen klingen nach eher verzweifelten persönlichen Rechtfertigungen. Einmal macht er irgendwelche Landes-, Bundes- oder Lokalpolitiker verantwortlich, die ja nicht unerheblich seiner eigenen Partei angehören. Andererseits gibt er den schwarzen Peter an die Bürger weiter, die das ja mehrheitlich so wollten. Und zum Schluss verweist er auf die Entwicklung der Mögglinger Ortsmitte. Hätte es die mit Tunnel nicht gegeben?

Das alles nenne ich Wegducken vor der eigenen Verantwortung und das Nichteingestehen eigener Verantwortung und Fehleinschätzungen. Aber nun ist es zu spät. Hätte sich Herr Schweizer lieber frühzeitig starkgemacht dafür, wofür er gewählt wurde, nämlich sich unter anderem für nachhaltige Verkehrsinvestitionen in die Zukunft und für die Bevölkerung einzusetzen und diese konsequent dabei mitzunehmen.

© Schwäbische Post 03.09.2018 17:49
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Kommentare

In my humble opinion

Ein Bürgermeister einer Gemeinde ist und bleibt ein Bürgermeister mit einer begrenzten 'Reichweite', was >nachhaltige Verkehrsinvestitionen in die Zukunft< angeht, meiner Erinnerung zufolge mussten die Mögglinger gerade deshalb so lange auf die Ortsumfahrung warten, weil sie zu Anfang eine Tunnellösung haben wollten und der Bund nicht dafür zu zahlen bereit war. Wir sollten auch nicht die Natur unterschätzen, was die >Zerstörung sensibler ökologischer Bereiche< angeht, die Natur hat Jahrmillionen vor den Menschen überlebt und wird das auch noch Jahrmillionen nach den Menschen tun, und während der Zeit hat sie sich dauernd verändert und angepasst.
Es gäbe sicherlich manches zu dem Vorgang zu sagen, aber ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, was ein Tunnel oder eine ebenerdiger Ortsumfahrung in Mögglingen mit den Böbinger Problemen zu tun haben soll, eher frage ich mich, wie man sich angesichts der Enge des Tals, der Rems und der vorhandenen Bebauung die diskutierte ( gewünschte ) Troglösung vorstellen soll, wo und wie die Anschlussstelle gebaut werden und vor allem, wohin der Verkehr während der mehrjährigen Bauzeit eines Troges 'verschwinden' soll, ich bin da ganz Ohr ...
In Bezug auf die erfolgreiche Umsetzung des Gmünder Tunnels habe ich drei Anmerkungen:
a) Die Anschlussstelle Tunnelportal Ost ist vermurkst.
b) Der Anschlussstelle Tunnelportal West fehlt ein schneller Zugang zu Gmünds Süden.
c) Uns wurde bei einer Veranstaltung von ( fast ) allen Lokal-, Landes- und Bundespolitikern lauthals versichert, dass man für einen Tunnelfilter 'kämpfen' wolle ...