Konzept anstatt ödes Best-of

Jean-Michel Jarre veröffentlicht zu seinem 70. Geburtstag ein neues Album mit Einblick in seine Kompositionsstile.
Jean-Michel Jarre ist selbst im Alter von 70 Jahren voller Tatendrang und Kreativität. Mehr als 80 Millionen verkaufte Platten und eine erfolgreiche Karriere sind für den Pionier der elektronischen Musik kein Grund, schon in Rente zu gehen. Fast gleichzeitig mit seinem Geburtstag hat er sich mit dem Best-of-Album „Planet Jarre – 50 years of Music“ selbst ein kleines Denkmal gesetzt.

Wie ein Siebzigjähriger sieht der stets mit Sonnenbrille auftretende Erschaffer weltbekannter Werke wie „Oxygène“ oder „Equinoxe“ nicht aus. „Das müssen die Gene sein. Meine Mutter starb mit 96 Jahren und sah aus wie höchstens 70“, sagt Jarre. Seine Mutter war es auch, die ihren Sohn davor warnte, Sport zu treiben. „Sport ist gefährlich, hat sie immer gesagt.“

Klar ist, dass Jarre seine Vitalität auch seinem leidenschaftlichen Umgang mit der Musik zu verdanken hat. Das Komponieren und die Neugierde hielten seinen Geist wach, sagt er und nennt Mick Jagger als Beispiel. Der stehe mit seinen 75 Jahren immer noch auf der Bühne. „Okay, dass er in seinem Leben nicht nur Wasser getrunken hat, sieht man ihm schon an.“

Warum bringt Jarre noch ein Best-of-Album raus? Auf dem Internetportal discogs sind alleine 39 Compilations von ihm gelistet. „Ich mag viele von diesen Zusammenstellungen nicht“, sagt er. „Ich wollte kein ödes Best-of-Album mit aneinandergereihten Stücken herausbringen. Hinter dem neuen Album steht aber ein Konzept.“ Ihm sei aufgefallen, dass er auf vier Arten komponiere. Deshalb habe er „Planet Jarre – 50 years of Music“ in vier Kapitel unterteilt.

Die Feier kommt noch

Die „Soundscapes“ sind visuelle, atmosphärische Stücke im Ambientstil. Unter „Themes“ hat er sehr melodiöse Stücke eingeordnet. „Die Melodie ist das wichtigste in der Musik“, sagt Jarre, „egal ob in der Elektro-Musik oder im Rock‘n‘Roll.“ Kapitel drei ist mit „Sequences“ überschrieben: Hier gibt es rhythmische, hypnotische Sounds, die sich wiederholen. Und die vierte Welt im Jarre-Kosmos nennt sich „Explorations & Early Works“. Hierbei sticht die frühe und bislang unveröffentlichte Demo-Aufnahme des Stücks „Music for Supermarkets“ heraus.

Richtig gefeiert hat Jarre seinen 70. Geburtstag noch nicht. „Es gab nur eine minimalistische Feier. Ich war gerade auf Tour. Außerdem ist meine Familie im August immer auf der ganzen Welt verteilt“, erklärt er. Das Fest soll noch in diesem Jahr nachgeholt werden. Wann und wo ist offen. „Es wird eine Überraschungsparty geben.“ dpa
© Südwest Presse 12.09.2018 07:46
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