Der goldene Boden für die Karriere

Etwa fünf Millionen Menschen in Deutschland verdienen ihr tägliches Brot im Handwerk. Manche davon üben sogar mit Abitur und Studium eine handwerkliche Tätigkeit aus und sind nach wie vor sehr zufrieden mit ihrer Berufswahl.
  • Die Absolventen tragen sie auf Händen: Jenny Heinzmann (Mitte), nun 22 Jahre alt, Maurer-Gesellin bei der Otto Birk Bau-GmbH in Aitrach ist – auch ohne diese Geste – sehr angetan von ihrem Beruf. Foto: Firma Birk

Was nur hat die fünf Millionen Handwerker der Bundesrepublik dazu bewogen, ins Handwerk zu gehen? Jeder einzelne hatte seine Beweggründe, seine Geschichte, oder diesen einen speziellen Moment, der die zündende Idee für den Eintritt ins Handwerk gab oder ihm am Handwerk fasziniert.

„Für diesen Moment geben wir alles“, so lautet der Slogan der bundesweiten Handwerkskampagnen diesem Jahr. Das haben in diesem Herbst viele Jugendliche wahr gemacht und ihre Ausbildung im regionalen Handwerk gestartet – auch mit Abitur. Eine gute und richtige Wahl für ihre Zukunft und ein toller Ansporn für künftige Jahrgänge. Aber worin bestand nun dieser eine Moment? Wir haben ihn uns von erfolgreichen Handwerkerinnen und Handwerkern der Region erzählen lassen:

Das kürzeste Bewerbungsgespräch

Franz Manz, Inhaber der „Franz Manz GmbH innovation in stahl“: „Eine junge hübsche Dame war bei uns beim ‘Girls Day‘ zu Gast. Einige Zeit später bewarb sie sich um eine Ausbildungsstelle als Metallbauer. Ich sagte zu ihr: ‘Da bekommt man aber ab und an schmutzige Hände. Darauf sie: ‘Kein Problem, die kann man waschen‘. Das war für mich schon das ganze Vorstellungsgespräch und wir haben seitdem eine tolle Mitarbeiterin. Heute ist sie im 3. Lehrjahr, ist Ausbildungsbotschafterin und Mit-Moderatorin bei der Ausbildungsmesse future4you in Biberach.“

In einem Männerberuf als Frau ganz vorn

Otto Birk, Inhaber der Otto Birk Bau-GmbH: „ ‘JungGesellin‘ Jenny Heinzmann wird von ihren Kollegen bei der Lehrabschlussfeier der Bauinnung Ravensburg auf Händen getragen. Und das nicht von ungefähr, hat sie sich doch in einem männerdominierten Handwerksberuf Respekt und Hochachtung verschafft – mit ihrer Leistung als Innungs-Drittbeste bei der Lehrabschlussprüfung der Maurer/innen. Genau für diesen Moment gebe ich alles. Parallel zur Ausbildung studierte Jenny Heinzmann im dualen Studienmodell „Bauingenieur Plus“ an der Hochschule Biberach. Ausbildung und gleichzeitig Studium: top.“

Den Schimmel behoben und einen Betrieb aufgemacht

Kein Problem, Hände kann man waschen.

Tamara Reichle, Auszubildende

Christian Ehm, Geschäftsführer der ISOTEC-Fachbetrieb Abdichtungssysteme Ehm GmbH: Den entscheidenden Moment fürs Handwerk hat Christian Ehm noch gar nicht als Handwerker erlebt. Vor rund 15 Jahren wohnte er mit seiner Familie zur Miete, als er im Keller seines Haus schlimme Schimmelflecken durch Mauerwerksfeuchte entdeckte. „Richtige Abhilfen bzw. Spezialisten gab es nicht und die angebotenen Lösungen entpuppten sich als reiner Humbug“, sagt Ehm.

Nach ausgiebiger Recherche kam er schließlich auf die Firma Isotec mit Zentrale in Bergisch-Gladbach. Es dauerte gar nicht lange, da eröffnete er in nach einer umfangreichen Sachverständigen-Ausbildung eine kleine Niederlassung, da das Unternehmen trotz bundesweit 90 Standorten und mittlerweile 800 Mitarbeitern sofort einen super kollegialen und angenehm familiären Eindruck vermitteln konnte. Seitdem kümmern sich die Abdicht-Profis um die heiklen Fälle der Region und es ist mittlerweile ein eigener, gewerkübergreifender Beruf geworden: der Holz- und Bautenschützer im Bau-Handwerk. Übrigens sehr gesucht.

Gekrönte „Miss-Metall-Handwerk“

Judith Loreen Hägele von Fürst Stahl- und Metallbau-Schlosserei in Essingen: Schweißen, stanzen, biegen, bei diesen harten Arbeiten kann es doch für ein Mädchen keinen positiven Moment geben, um ins Handwerk zu gehen, oder?

„Doch, eben darum“, sagt Judith Loreen Hägele, 19-jährige Auszubildende. Eine Rose aus Metall anzufertigen, wie es die Metallbauer bei Ausbildungsmessen oder auch schon beim Tag des Handwerks machen, hatte es der Essingerin angetan. „Beim Schweißen funkt‘s, es glüht, oder man verformt und biegt, und zum Schluss kommt ein Grill oder ein Tisch dabei heraus“, lacht Judith Hägele. Nach einem Schnupperpraktikum bei Fürst Stahl- und Metallbau kam alsbald der Start   ???  ??Fortsetzung Seite 23 »

© Schwäbische Post 12.09.2018 16:39
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