Gefällige Geschichte

„Fast genial“ titelt die Geschichte von Benedict Wells. Der 1984 geborene Jungautor – dessen Debütroman „Becks letzter Sommer“ viel Beachtung in den Feuilletons fand – liefert eine neue, spannende, geradlinige Geschichte. Gefällig zu lesen.

Francis Dean ist fast genial. Nur weiß das der mittellose 18-Jährige aus dem Trailerpark in New Jersey nicht. Sein Leben scheint zum Scheitern bestimmt, seine alleinerziehende Mutter lebt das vor. Als er sie in der Psychiatrie besucht, lernt er Anne-May kennen, die versucht hat sich umzubringen. Die junge Frau mit dem düsteren Schein wird für Francis zum Lichtblick. Und dann erfährt er völlig unvermittelt, wem er tatsächlich seine Existenz verdankt. In einem Abschiedsbrief gesteht ihm die schwer-depressive Mutter, dass er das Ergebnis eines Experiments ist. Er ist ein Retortenbaby, gezeugt mit den Genen eines hochintelligenten Wissenschaftlers. Der hatte sein Sperma gegeben für die Idee eines Milliardärs: Eine Samenbank der besseren Gene, eine Art größenwahnsinniges Zuchtprojekt für eine Rasse nach seiner Vorstellung.
Das Projekt ist längst gescheitert, die Spuren rar, dennoch hat Francis von diesem Moment an nur noch eines im Kopf: Er muss seinen wahren Vater finden. Es begibt sich auf eine Reise voller Wendungen quer durch das Land. Anne-May an seiner Seite.
Benedict Wells erzählt eine unterhaltsame Geschichte, sprachlich wie strukturell schnörkellos und geradlinig. Auch wenn die Erzählung auf einer wahren Basis beruht, so wird sie doch an mancher Stelle unglaubwürdig und zu fantastisch. Dennoch liefert der Jungautor wieder solide Arbeit ab. Gefällig, aber nicht überwältigend. Benjamin Leidenberger


 „Fast genial“, Benedict Wells, 325 Seiten, Diogenes Verlag, 19,90 Euro.
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