Hier schreibt: FipS

Herzogin Marie Preis Sozialdezernent Rettenmaier

Anrede,…

am 27. November 2008 hat der Jugendhilfeausschuss des Ostalbkreises einen weisen Beschluss gefasst. Er hat damals den Verein zur Förderung individualpädagogischer Spielräume als Träger der Freien Jugendhilfe anerkannt und alle, die zumindest ein Stück weit in der Kinder- und Jugendhilfe unterwegs sind, wissen, dass diese Anerkennung etwas zu bedeuten hat. Sie ist so etwas wie ein „Gesellenbrief“. Man muss etwas vorweisen können. Man muss nachweisen, dass man fachliche Erfahrungen hat, dass man in seinem Metier bewandert ist und man muss auch Entwicklungsperspektiven aufweisen können.

 

Ich räume ein, dass ich mich damals bei diesem Antrag etwas schwer getan habe. Nicht mit der inhaltlichen Arbeit des Vereins, dies möchte ich betonen. Nein, vielmehr mit der Bezeichnung, aber nur mit der langen Form „Verein zur Förderung individualpädagogischer Spielräume“. Die Kurzbezeichnung FipS, meine Damen und Herren, hat das jedoch wettgemacht. FipS klingt pfiffig, kreativ und dynamisch und heute kann man mit Fug und Recht sagen, dass genau diese Eigenschaften des Vereins und seiner Mitglieder es sind, die zur Auszeichnung mit dem Herzogin Marie Preis 2010 geführt haben. Und dazu noch eine Bemerkung: Unsere Jugendamtsleiterin, Frau Funk, die damals die entsprechende Sitzungsvorlage für den Jugendhilfeausschuss gefertigt hat, scheint irgendwie hellseherische Fähigkeiten zu besitzen. Sie hat damals in der Vorlage folgendes ausgeführt, ich zitiere: „Trotz der erst im April 2008 erfolgten Gründung kann bereits heute festgestellt werden, dass der Verein in der Lage ist, einen wesentlichen Beitrag zu den Aufgaben der Jugendhilfe, ihrer aktuellen Aufgaben und künftigen Herausforderungen kreativ zu leisten“. Da hat Frau Funk mit Blick auf die heutige Auszeichnung den Nagel auf den Kopf getroffen und damit bin ich auch schon bei der inhaltlichen Würdigung des Preisträgers.

 

Nicht erst seit dem jüngsten Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung wissen wir alle, dass problematische Ernährung und Bewegungsarmut querbeet durch alle Altersgruppen Herausforderungen darstellen, die für den einzelnen Betroffenen selbst, aber auch für unsere ganze Gesellschaft nachteilig sind. Für viele Kinder, Jugendliche und Heranwachsende scheint eine gesunde Ernährung völlig zweitrangig zu sein. Hamburger, Pommes und Cola dürfte es ihrem Geschmack nach jeden Tag geben.

 

Das bleibt nicht ohne Folgen. Zeitschriften und Magazine bieten zwar haufenweise Diätrezepte und Ernährungstipps an, Fernsehsendungen berichten über Menschen, die mit gesunder Ernähung und mehr Bewegung erfolgreich ihr Gewicht reduziert haben, Ärzte versuchen beratend zu unterstützen und trotzdem gibt es in Deutschland rund 37 Mio. Erwachsene und rund 2 Mio. Kinder und Jugendliche, die übergewichtig oder gar fettleibig sind.

Der Kabarettist Christoph Sonntag hat dieses Problem vor Kurzem bei einem Kurs zu „Etikette und Tischkultur“ an einer Aalener Schule in der ihm eigenen Art auf den Punkt gebracht: 15 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind „Dickmanns“.

 

Nun könnte man sicherlich grundsätzlich dazu anmerken, dass es Teil der persönlichen Freiheit ist, zu entscheiden, wie viel man isst und was man isst. Bei Kindern sehe ich dies allerdings anders. Wenn ihnen niemand sagt, welche katastrophalen Folgen falsche Ernährung, mangelnde Bewegung und mangelndes Gesundheitsbewusstsein haben können, wenn ihnen niemand die Alternativen dazu aufzeigt und die positiven Wirkungen dieser Alternativen, dann ist dies meine Damen und Herren, wenn man es hart ausdrückt, verletzend, schädigend für Leib und Seele. Und da ist es wohltuend und ein Segen, wenn ein Freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe dieses aufgreift und mit einer idealen Themenkombination, unter anderem gesunde Ernährung, Bewegung, Entspannung, Kulturvielfalt und Sozialverhalten gegensteuert.

Dies sind einzeln betrachtet und auch in der Summe exzellente frühe Hilfen und ich verwende diese Wortwahl ganz bewusst, um auch in diesem Zusammenhang den großen und aktiven Part des Vereins FipS bei der Umsetzung des Landesprogramms „STÄRKE“ anzusprechen. Erfreulicherweise nimmt der Ostalbkreis in diesem Programm einen Spitzenplatz ein und dies ist sicherlich nicht nur ein Verdienst unseres Jugendamtes, sondern ganz besonders unserer Partner und der Verein FipS zählt in besonderer Weise dazu.

 

Meine Damen und Herren,

 

wir haben im Ostalbkreis vor Jahren in der Kinder und Jugendhilfe einen sehr nachhaltigen Kurswechsel vollzogen und dies in gutem Einvernehmen mit unseren Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, ganz besonders St. Canisius Schwäbisch Gmünd und Marienpflege Ellwangen. Wir haben die familienunterstützenden Hilfen stark ausgebaut und wir haben die Prävention ganz vorne angestellt. Der Verein FipS hat sich mit seiner Kinderkulturküche in Wasseralfingen aber auch mit seinen anderen Angeboten in dieses Konzept mit eingeklinkt und hat dabei eigene Impulse gesetzt. Darüber bin ich als Sozialdezernent froh und dankbar und ich gratuliere den Verantwortlichen heute natürlich ganz besonders zum Herzogin Marie Preis 2010, aber auch zu den Erfolgen und Weichenstellungen insgesamt.

 

Mein Dank gilt heute in besonderer Weise auch der Stiftung Präventive Jugendhilfe, ganz besonders den beiden Vorständen Siegfried Hoch und Erwin Knam. Die Stiftung hat in den 18 Jahren ihres Bestehens wichtige Schrittmacherdienste für die Kinder- und Jugendhilfe geleistet. Dies ist vorbildlich und verdient große Anerkennung.

 

Dass Sie, Königliche Hoheit, heute als Schirmherrin der Stiftung Präventive Jugendhilfe persönlich die Preise überreichen, ist für uns alle eine große Freude und Ehre. Aber nicht nur das. Wer Sie kennt weiß, dass Sie sich weit über solche Anlässe hinaus für Kinder und Jugendliche engagieren, ganz besonders auch im Bildungsbereich. In einer Ausgabe der Stuttgarter Zeitung im vorletzten Jahr war von der Autorin Susanne Veil folgender Satz zu lesen: „Marie Herzogin von Württemberg hat wenig mit der High Society zu tun. Sie kümmert sich um Buben und Mädchen auf der Schattenseite der Gesellschaft“. Wir freuen uns eine solch prominente und engagierte Mitstreiterin zu haben.

 

Mein Glückwunsch gilt natürlich auch allen anderen Preisträgern. Schließen möchte ich mit dem Wunsch, dass die vielen Impulse, Aktionen und Anstrengungen reife Früchte tragen und zwar in dem Sinne, dass viele Kinder und Jugendliche ihren Lebensweg erfolgreich gehen können, gesund, selbstbewusst, tolerant und getragen von einem guten und unterstützenden Umfeld.

© Schwäbische Post 30.04.2012 zurück
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