15 neue Waisenkinder aufgenommen
Trotz instabiler Verhältnisse konnte der Aalener Verein Govinda Entwicklungshilfe e.V. in Nepal einiges bewegen im vergangenen Jahr: So konnten 15 neue Waisenkinder aufgenommen werden. Diesen sollen in Kürze weitere elf elternlose Kinder folgen. Zehn Jugendliche werden bis September schrittweise das Waisenhaus in das Reintegrations-projekt verlassen zu den 25 Jugendlichen, die bereits einen Beruf erlernen oder studieren. Zudem konnten die Lebensumstände von über 5000 Menschen in Westnepal durch Maßnahmen im landwirtschaftlichen, finanziellen und gesundheitlichen Bereich verbessert werden.
Aalen. Von den instabilen politischen Verhältnissen berichtete Rocco Umbescheidt, Vorsitzender der Govinda Entwicklungshilfe e.V., zu Beginn der Mitgliedervollversammlung. Insbesondere seit vergangenem Mai habe sich die Lage zugespitzt, da die verfassungsgebende Versammlung erneut gescheitert sei. So legten zahlreiche Streiks regelmäßig nahezu das gesamte öffentliche Leben lahm und erschwerten die Arbeit in den Projekten.
Im Rechenschaftsbericht ging er auf die finanzielle Situation der Organisation ein. Die Gesamteinnahmen sind im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent gestiegen, wobei ein Rückgang bei den Einzelspenden und Stiftungsbeiträgen zu verzeichnen war. „Stark gestiegen sind die Einnahmen aus Firmenspenden, von anderen Organisationen und Schulen“, zog er Bilanz. Gleichzeitig sei die Zahl der übernommen Patenschaften gestiegen, sowohl für die Schulkinder als auch im Ausbildungsbereich. Insgesamt beliefen sich die Einnahmen im Jahr 2011 auf rund 286 000 Euro.
Dieser Summe standen Ausgaben für insgesamt acht Projekte in Höhe von rund 326 000 Euro gegenüber, wodurch die Jahresbilanz ein Minus in Höhe von rund 40 000 Euro aufweist. Den Anstieg der Gesamtausgaben erklärte er unter anderem durch den Landkauf für das derzeit noch laufende Musterhausprojekt in Westnepal sowie mit steigenden Projektausgaben und Gehältern für die 70 Angestellten in Nepal. „Aufgrund explodierender Lebenskosten bei einer Inflation von etwa 7,5 Prozent waren Lohnerhöhungen unabdingbar.“
Abwechselnd berichteten nach der einstimmigen Entlastung des Vorstandes Rocco Umbescheidt und Vorstandsvorsitzender Stefan Groß von den aktuellen Entwicklungen in den Projekten. So sind im Waisenhaus im Kathmandu im vergangenen Jahr insgesamt 15 neue Waisenkinder aufgenommen worden, die sich mittlerweile sehr gut eingelebt hätten. Elf Neuaufnahmen stehen in diesem Jahr noch aus. Insgesamt 34 Kinder leben derzeit im Waisenhaus. Parallel wurden zehn Jugendliche des vierten Jahrgangs schrittweise in das Reintegrationsprojekt verabschiedet. „Das ist ein umfangreiches Programm, das direkt nach dem Abschied aus dem Waisenhaus greift“, erklärte Rocco Umbescheidt. Neben mehreren Workshops rund um die Zukunftsplanung und Berufsfindung der Jugendlichen beinhaltet es die komplette Berufsausbildung bzw. das Studium und vielfache individuelle Hilfeleistungen.
Eine gute Nachricht hat Stefan Groß von seinem mehrwöchigen Nepal-Aufenthalt im April mitgebracht: „Die eigene Wasserversorgung der Schule läuft endlich nach jahrelangen Verhandlungen mit den Behörden.“
Das Ausbildungszentrum laufe routiniert und es wurden zahlreiche erfolgreiche Abschlüsse in den staatlichen Prüfungen abgelegt. Zudem konnte die Erarbeitung der Module für den neuen Ausbildungsweg „Computer Hardware & Networking“ abgeschlossen werden. „Im Ausbildungssektor sehen wir einen der wichtigsten Zukunftsmärkte in Nepal überhaupt“, betonte Umbescheidt, bevor er auf die Projekte in Westnepal einging.
„Die Schulgebäude in Mandu und Jyahri sind fertig“, sagte er. Zudem konnte in verschiedenen anderen Gemeinden mit der Arbeit begonnen werden: So werden weitere Schulen, Spielplätze, Gesundheitscamps, Hebammenausbildungen, landwirtschaftliche Kooperativen, biodynamische Schulungen und verschiedene Trainings für die Landbevölkerung installiert.
„Auch die Unterstützung der taubstummen Kinder läuft gut für die Govinda in spätestens vier Jahren eine spezifische Ausbildung anbieten wird“, berichtete er. Ebenso erfolgreich laufe der Bau eines Modellhauses in Jumla, das bis Juli 2012 fertig sein soll. Da 70 Prozent aller Erkrankungen in den Bergregionen des Westhimalayas auf teils katastrophale Wohnbedingungen zurückzuführen seien, will der Verein mit dem Musteraus eine Multiplikation gesunder Lebensbedingungen für die Menschen erschaffen.
„Unser großes Thema für die Zukunft in Westnepal wird die Entwicklung von sozialen und ökologischen Kreisläufen sein, in welchen auch die Umsetzung erfolgreicher mikroökono-mischer Strukturen in den Dörfern integriert sein muss. Nur durch Berücksichtigung aller drei Aspekte kann Nachhaltigkeit im eigentlichen Sinne erreicht werden“, betonte er.
Ganz neu erhältlich sind bei den sieben Aktionskreisen Govindas so genannte Schulmo-dulmappen, auf deren Basis Lehrer bei Interesse verschieden lange, komplette Schulstunden wie zum Beispiel „Kind sein in Nepal“, „Erwachsen werden in Nepal“ oder „Eine Welt – ungleiche Welt“ gestalten können. Umfangreiche und didaktisierte Unterrichtsmaterialien für die Lehrpersonen seien bereits erstellt worden und demnächst im Netz frei verfügbar. Auf Hochtouren laufe noch die Vorbereitung für das Festival Summer Breeze, an dem sich Govinda wieder wie im vergangenen Jahr mit einer Pfandbechersam-melaktion zugunsten der Nepalprojekte beteiligen wird.














