Hier schreiben die Reservisten Ostwürttemberg

Das war Wahnsinn - 25 Jahre friedliche Revolution

ELLWANGEN - Bei der gemeinsamen sicherheitspolitische Abendveranstaltung der Gesellschaft für Sicherheitspolitik dem Peutinger Gymnasium und des Reservistenverbandes, referierte Werner Ablaß im Peutinger Gymnasium über "25 Jahre Fall der Berliner Mauer".

Hans-Bernd Hirschmiller, stellvertretender Schulleiter des Peutinger Gymnasiums, stellte den politischen Werdegang des Referenten vor. Werner Ablaß war Stellvertreter des Ministers und Staatssekretär im Ministerium für Abrüstung und Verteidigung in der DDR. Er war zusammen mit Minister Rainer Eppelmann für die Auflösung der Nationalen Volksarmee (NVA) in der Regierung Lothar de Maizières verantwortlich. Später leitete er die Außenstelle des Bundesministeriums der Verteidigung in Straußberg und war Beauftragter für Sonderaufgaben im Bereich der Bundeswehr in den neuen Ländern.

Hirschmiller führte an, dass für die heutigen Schüler der Fall der Berliner Mauer nur noch einen Seite im Geschichtsbuch sei. Die Älteren haben diese Nacht sicherlich nicht vergessen. Trotzdem waren wir nur von außen dabei. Deshalb freute sich Hirschmiller Informationen von Herrn Ablaß vom Umbruch der DDR mitzubekommen.

Seit den gefälschten Kommunalwahlen vom 7. Mai 1989 ging es bei den Demonstrationen um freie Wahlen. Durch zwei Diktaturen waren freie Wahlen für die DDR Bürger ab 1933 nicht möglich. Nach Lenin wird eine Revolution auch wie folgt beschrieben "wenn die oben nicht mehr können und die unten nicht mehr wollen". Gefangene mit Sehnsucht nach Freiheit.

Die Montags- bzw. Massendemonstrationen waren zentraler Bestandteil der friedlichen Revolution. Die Teilnehmer skandierten "Wir sind das Volk" und "Keine Gewalt". Wie ein Wunder kam es auch zu keinem Massaker. Schließlich sahen sich die Demonstranten einem Großaufgebot von Sicherheitskräften von Polizei, Staatssicherheit, NVA und Kampftruppen gegenüber. Die Stasi war einfach nicht geschult für so einen Umbruch. Was soll die Staatssicherheit unternehmen wenn friedlich demonstriert wird. Es wurden Kerzen auf der Treppe und Fensterbank der Leipziger Stasi-Zentrale angezündet. Brennende Kerzen kamen eben bei den Stasi Mitarbeitern im Handbuch nicht vor. Der Anfang vom Ende der DDR. Keiner der beteiligten hatte gedacht, dass der Umsturz als erste friedliche Revolution auf Deutschem Boden endete.

Wahnsinn, da ist sich Werner Ablaß sicher, war das Wort am 09. November 1989 als die Mauer fiel. Ausgangspunkt war die Pressekonferenz mit Politbüromitglied Günter Schabowski. Eigentlich sollten die Reiseerleichterungen erst am nächsten Tag um 4 Uhr in Kraft treten. Schabowski hatte die Info mit der Sperrfrist wie auch immer nicht gefunden und antwortete "Das tritt nach meiner Kenntnis... ist das sofort, unverzüglich". Nach dem Bekanntwerden dieser Meldung setzte die ostdeutsche Bürgerbewegung zur Überwindung der Grenze ein. Die Grenztruppen waren von den Ereignissen überrascht. Durch Ihre besonnene Zurückhaltung und öffnen der Grenze war die Mauer Geschichte. Ablaß selber habe die Grenzöffnung am 09. November gar nicht mitbekommen und erst am nächsten Tag im Radio davon erfahren.
Was war die DDR? Strafender Vater oder einen führsorgliche Mutter? Es sind noch längst nicht alle in der Bundesrepublik angekommen. Es brach in elf Monaten alles weg und die führsorgliche Mutter wollte man behalten. Das verplante Leben hatte auch seine Vorzüge.
So kam es nach der Währungsunion von der DDR Mark zur Deutschen Mark zu deutlichen Preiserhöhungen, da auch die staatlichen Subventionen wegfielen.

Werner Ablaß führt weiter aus, dass wir politisch alles richtig gemacht haben, aber wirtschaftlich alles Falsch. Es gibt halt kein Handbuch von der Plan- zur Marktwirtschaft.

Der Präsident des Reservistenverbandes Roderich Kiesewetter MdB bedankte sich auch im Namen von Winfried Mack MdL für die Ausführungen von Werner Ablaß. Als persönlichen Eindruck brachte Kiesewetter zwei Punkte ein. Anlässlich des 20-jährigen Bau der Mauer hatte Kiesewetter 1981 als Symbol Steine auf dem Ellwanger Marktplatz verschenkt. Kommentiert wurde es damals mit den Worten "das bringt doch nichts". Zehn Jahre später war er als Soldat für den "Aufbau Ost" in den neuen Bundesländern stationiert. Kiesewetter schloss seine Grußworte mit dem Satz " Freiheit ist ein Geschenk, welches man annehmen muss."

Der Sektionsleiter der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik e.V. (GfW) Sektion Ostwürttemberg Gerhard Ziegelbauer bedankte sich beim Referenten herzlich für die Ausführungen. Ziegelbauer wies darauf hin, dass die GfW sich in Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. (GSP) umgenannt hat. Weiter Sicherheitspolitische Abendveranstaltungen zusammen mit dem Reservistenverband sind für Anfang 2015 in der Reinhardt Kaserne geplant.

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