Hier schreibt der ADFC Aalen

Der ADFC-Fahrradklima-Test 2016 bringt Aalen in die Abstiegszone!

Am 19. Mai stellte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Berlin das Ergebnis des Fahrradklima-Testes 2016 vor. Mit der Note ausreichend landete Aalen im hinteren Drittel, in der Abstiegszone.

Aalen macht beim Radverkehr leider keine Fortschritte, sondern Rückschritte: 2005 lag Aalen mit der Note 3,15 noch im oberen Drittel, aber danach fand ein kontinuierlicher Abwärtstrend statt. Damit schneidet Aalen inzwischen schlechter ab als Heidenheim oder Crailsheim.

Während andere Kommunen viel für den Radverkehr unternehmen und das Radfahren glaubhaft bewerben, tritt Aalen seit 12 Jahren (!) auf der Stelle:

• Bahntrassen-Radwege sind deutschlandweit inzwischen ein echter Renner, nur nicht in Aalen, denn dort diskutiert man seit Jahren.
• Einbahnstraßen werden in anderen Kommunen für den Radverkehr geöffnet, in Aalen macht man sie wieder zu.
• Durchgehende Radfahrstreifen sind ein Sicherheitsgewinn für den Radverkehr, in Aalen macht man daraus wieder einen gemischten Rad- und Gehweg.
• Im Kreisverkehr sollen alle Verkehrsteilnehmer die gleichen Vorfahrtsregeln haben, in Aalen wird jedoch den Radfahrern systematisch die Vorfahrt genommen.
• Wo neue Radwege angelegt werden, fallen sie teilweise in der Bewertung der Radfahrer durch, wie zum Beispiel der neu gebaute Radweg am Kocher.
• In anderen Städten werden Autospuren zu Radfahrstreifen umgewandelt, in der Julius-Bausch-Straße, an der Einfahrt zum Kaufland, verbannt man den Radverkehr auf einen schmalen Gehweg.
• Schutzstreifen können den Radfahrern einen Sicheren Raum bieten, aber nicht, wenn sie zu schmal sind, wie das in Aalen häufig der Fall ist.

Und das, obwohl Aalen zwischenzeitlich der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg e. V. (AGFK-BW) beigetreten ist, einem Zusammenschluss von über 60 Kommunen, die sich das Ziel gesetzt haben, den Fahrradverkehr im Land systematisch zu fördern und eine Radkultur zu etablieren.

Dazu weist deren Vorstandsvorsitzender, Michael Obert, auf die Wechselbeziehung zwischen der Wirtschaftsstärke und dem Radverkehrsanteil einer Kommune hin.

Er fordert ein Umdenken hin zu mehr Radverkehr, weil sowohl das Wirtschafts- als auch das Lebensqualitätswachstum bei weiter steigendem Platzbedarf des motorisierten Individualverkehrs (MIV) in einer Kommune ziemlich schnell an ihre Grenzen stoßen.

Denn, wenn Städte sich nicht für den Radverkehr engagieren, steigen sie ab.

Um das dringend notwendige Umsteuern zu bewerkstelligen, muss sich in Aalen folgendes ändern:

• Die Stadt braucht in der Verwaltungsspitze eine Person mit Herz für die Belange des Radverkehrs. Ihr zur Seite muss jemand stehen, der die Maßnahmen umsetzt.
• Aalen braucht endlich ein zeitgerechtes Radverkehrskonzept.
• Bei allen Planungen sollte der ADFC Aalen nicht nur angehört, sondern ernsthaft und entscheidend beteiligt werden.
• Als Maßstab für Planungen sollten selbstverständlich die Qualitätsstandards und Musterlösungen des Landes BW gelten. Dabei wird der ADFC Aalen mit seinen praxisnahen Erfahrungen unterstützen.

Und ab sofort sollte sich die Stadt um die Umsetzung der Punkte kümmern, die von den Aalener Radfahrern im Fahrradklimatest besonders schlecht benotet wurden.

Dies sind Fahrradmitnahme im ÖV, Führung in Baustellen, Falschparkerkontrolle auf Radwegen, Fahrradleihsystem, Reinigung von Radwegen und Öffnung von Einbahnstraßen für Radfahrer.

Andernorts geht es voran, warum nicht in Aalen?

Über 120.000 Teilnehmer bundesweit

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit und wurde im Herbst 2016 zum siebten Mal durchgeführt. Er wird durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans 2020 mit rund 150.000 Euro gefördert. Über 120.000 Menschen stimmten bundesweit ab – eine Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem letzten Test im Jahr 2014. Die Zunahme führt der ADFC auf das wachsende Interesse am Thema Fahrrad und Radverkehr zurück.

Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 160.000 Mitgliedern die größte Interessensvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Die detaillierten Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2016 und bundesweite Trends finden Sie auf www.fahrradklima-test.de.

© Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Aalen 26.05.2017 09:12
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