Guten Morgen

Leni, Oskar und die Linsen

Jürgen Steck über die SPD, Neuwahlen, die Russen und Linsen mit Spätzle

Wie hatte es nur dazu kommen können? Leni Breymaier, SPD-Landesvorsitzende Baden-Württembergs und Aalener Bundestagsabgeordnete, schwirrt der Kopf: Begonnen hatte es mit der Nachricht, dass Frederick Brütting, früher stellvertretender Landesvorsitzender der SPD und jetzt Beauftragter für Pragmatismus und Flankenschutz von Andrea Nahles, gesagt hat, es gehe nicht mehr anders, womit er die sofortige Wiedervereinigung der SPD mit der Linkspartei erklärte. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Fünfprozenthürde genommen werde bei den jetzt anstehenden Neuwahlen, bei denen Andrea Nahles und Sarah Wagenknecht als Doppelspitze gegen das Kapital antreten werden. Notwendig geworden waren diese Wahlen, nachdem sich beim Votum der SPD sage und schreibe 113 Prozent der Mitglieder gegen den Koalitionsvertrag und damit gegen eine Neuauflage der Großen Koalition ausgesprochen hatten. Zwar hatte es vom dem zum rechten Parteiflügel gehörenden Seeheimer Kreis der SPD Hinweise gegeben auf russische Hacker. Die sollen das Votum beeinflusst haben. Und seien, wohl auch, weil deutlich zu viel Wodka im Spiel war, etwas über das von Putin vorgegebene Ziel hinausgeschossen. Spekulationen, die vom Bundesnachrichtendienst als „im Bereich des Wahrscheinlichen“ eingestuft worden waren. Weil man in der SPD dem BND aus traditionellen Gründen mit großer Skepsis gegenübersteht, hat das Parteischiedsgericht unter Führung des wieder in die SPD repatriierten Oskar Lafontaine beschlossen, dass das Votum gültig sei. Ein paar Prozente hin oder her – die Tendenz sei eindeutig. Leni Breymaier wird schwindlig. Sie erwacht schweißgebadet aus diesem Albtraum – und beschließt spontan, nie mehr spät abends noch Linsen mit Spätzle zu essen.

© Schwäbische Post 13.02.2018 18:31
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