Draußen unterwegs mitten im Schwarzwald

Wochenendausflug Mikroabenteuer direkt vor der Haustür.
  • Klettern am Fels gehört zum Wochenend-Trip Foto: Pixabay

Der Weg ins Abenteuer startet mit einem Geheimcode. Es sind die GPS-Koordinaten des Trekking-Camps Gutellbach, das versteckt im Wald liegt. Der Weg dorthin führt am Ellbachseeblick vorbei. Wie ein Adlerhorst thront die hölzerne Plattform hoch über dem Moorsee. Tief Luft holen, die Blicke über das Postkartenpanorama schweifen lassen. Vögel zwitschern, Spinnweben kitzeln auf der Haut, die Luft riecht würzig nach Nadelwald. Bei so viel Natur schaltet die gestresste Alltagsseele prompt einige Gänge runter.

Ausgerüstet mit Zelt, Iso-Matte und Schlafsack geht es auf steilem Pfad, gesäumt von Blaubeerbüschen und knorrigen Wurzeln, die sich wie gigantische Adern aus dem Waldboden wölben, zum See. Dort sind die Wege schmaler, wilder, abenteuerlicher. Ein Pfad führt mitten hinein in einen Tunnel aus dschungelartigem Gehölz, Farnen und mannshohen Tannen. Irgendwo mittendrin passiert es: Das GPS zeigt den aktuellen Standort – und dass die Abzweigung zum geheimen Übernachtungsort verpasst wurde. Nach kurzer Neuorientierung ist der Einstieg gefunden und wenig später das Camp erreicht.

Dieses Fleckchen im Wald gehört einzig den Wanderern, die es zuvor über die Internetseite gebucht haben. Geschützt vor neugierigen Blicken, weitab von Straßenlärm, Mobilfunknetz und WLAN, dafür mit Outdoor-Toilette, Feuerstelle und rauschendem Bergbach. Flugs sind Zelte errichtet, Matten aufgeblasen und Schlafsäcke ausgerollt. Seit 2017 existieren sechs Trekking-Camps im Nordschwarzwald. Dort ist das ausdrücklich erlaubt, was an anderen Orten verboten ist: nämlich Zelten und Feuermachen im Wald. Um die Natur zu schonen, stehen maximal drei Zeltplätze pro Camp zur Verfügung, der Aufenthalt ist auf eine Nacht begrenzt. Verpflegung muss jeder selbst mitbringen, Holz darf im Wald gesammelt werden. Doch der Wald gibt weit mehr her als Brennholz.

Selbstzubereitetes Essen

Annette, die Outdoor-Expertin der Gruppe, sammelt Bärwurz und Fichtennadeln, die sie zu einem Kräuterschmand rührt. Bald prasselt das Feuer, über den Flammen braten Würste und Stockbrot, in der Glut garen Kartoffeln. Die Vögel zwitschern und trällern ihr Abendlied, während sich die Dämmerung wie ein sanfter Schleier um die immer dunkler werdenden Tannenbäume legt.

Mit einem Mal ist es still geworden, sogar die lästigen Mücken sind verschwunden. Tannenspitzen zeichnen sich bizarr gegen den Nachthimmel ab. Die Gruppe sitzt um das wärmende Feuer. Ein selbst zubereitetes Essen unter freiem Himmel schmeckt köstlich. Die Natur lehrt, dass Glück in den einfachen Dingen liegt. Hier draußen reduziert sich alles auf das Wesentliche. Ein Feuer im stockdunklen Wald schweißt die Gruppe zusammen. Die Nacht ist, abgesehen vom Plätschern des Baches, geräuschlos, dunkel und sanft.

Nur von einer dünnen Zeltwand umgeben sind die Sinne wacher und aufmerksamer. Und dennoch: Der ruhige Pulsschlag der Natur besänftigt auf wohltuende Weise.

Frühmorgens vibriert der Wald, von überall erschallen Vogelstimmen. Die Luft ist frisch, Tau liegt auf den Gräsern und mit den ersten Sonnenstrahlen kommt die Erkenntnis, dass die Welt wundersam anders ist, wenn man die Nacht draußen verbracht hat.

Es kann auch geklettert werden

Mikroabenteuer heißt auch, Neues auszuprobieren. Im gegenüberliegenden Murgtal hat das Klettern Tradition. Am Gaußbacher Straßenfelsen können 37 Routen unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade geklettert werden. Am Fels finden sich auch Routen für Anfänger, die auch diese,unter Anleitung eines Klettercoaches, meistern können. Hans-Jürgen Reiter, Klettertrainer des Alpenvereins Baden-Baden/Murgtal, besitzt eine Engelsgeduld, motiviert und ermutigt. Gesichert am Seil und mit ruhigen Worten leitet er den Kletterneuling. Der Kletternovize vertraut dem Coach und erlebt, wie er die nächste und übernächste Felskante klettert, bis das Ende des Seils erreicht ist und sich ein herrliches Hochgefühl einstellt.

Zum Abschluss kommt die Abkühlung wie gerufen: in Rafting-Booten durch die Stromschnellen und Walzen der Murg paddeln. Der Paddel-Spaß ist harmlos, im schlimmsten Fall bleibt das Boot an einem Stein hängen und muss mithilfe von Muskelkraft befreit werden. Wer mag, lässt sich ohne Boot, nur mit Helm und Schwimmweste, durch das Wasser treiben. Aber egal, was man tut: Nach einem Mikroabenteuer geht man gestärkt nach Hause. Birgit-Cthrin Duval

© Schwäbische Post 17.08.2018 16:09
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