Städtisches Gärtnern liegt im Trend

Die eigene urbane Grünfläche

Private Wohlfühloase, Grillplatz und Gemüselieferant - ein eigener Garten dient vielen Zwecken. Gartenkünste und Schrebergärten galten lange Zeit als spießig, doch im Zuge des Biotrends erlebt die Liebe zum Grünen einen Aufschwung. Im urbanen Raum, der oftmals keinen Platz für grüne Ecken bereithält, haben Gartenliebhaber kreative Alternativen zum eigenen Garten entwickelt.

Insbesondere im urbanen Raum sind die Möglichkeiten für einen eigenen Garten begrenzt: Den meisten Stadtbewohnern bleibt nur übrig, kleinere Pflanzen in ihrer Wohnung, auf dem Balkon oder auf dem Dach unterzubringen. Wer sich jedoch eine richtige Anbaufläche wünscht, sucht oft einen Platz in einer Kleingartenkolonie. Die Nachfrage nach Gartenparzellen steigt stetig, vor allem in großen Städten. Der Bundesverband deutscher Gartenfreunde beziffert die Wartezeit für einen Kleingarten in Berlin auf ganze drei bis fünf Jahre. Viele Naturliebhaber sind jedoch nicht bereit, so lange auf einen eigenen Garten zu verzichten.

Gemeinschaftsgärten: Gemüse für alle

Gemeinschaftsgärten sind gleich in zweierlei Hinsicht eine innovative Lösung: Einerseits werden brachliegende Flächen genutzt und in grüne Nutzflächen verwandelt. Andererseits haben sie auch einen sozialen Zweck: Sie bringen Hobbygärtner zusammen und dienen als Austauschort für die Nachbarschaft. Wie baue ich richtig Spinat an? Wie viel Wasser brauchen Radieschen? Die Zusammenarbeit innerhalb der Gärten fördert den Wissensaustausch, sodass auch Garten-Neulinge ohne Probleme mithelfen können. Gemeinschaftsgärten stehen allen Stadtbewohnern offen. Die Kollektive setzen sich darüber hinaus oftmals für soziale Projekte ein oder geben ökologische Weiterbildungskurse zu den Themen Gartenbau, Ernährung und Umwelt.

Guerilla Gardening: Saatbomben zum Verschönern der Stadt

Guerilla Gardening ist eine weitere neue Idee im Bereich urbanes Gärtnern. Im Gegensatz zum Gemeinschaftsgarten gibt es keine feste Fläche: Die Gärtneraktionen finden spontan oder geplant an verschiedenen urbanen Stellen statt, die heimlich bepflanzt werden. An belebten Orten kommen sogenannte Samenbomben zum Einsatz, die aus Erde beziehungsweise Ton bestehen und verschiedene Samen enthalten. Das Guerilla Gardening soll einerseits dazu beitragen, das oft triste städtische Bild zu verschönern. Andererseits wird damit häufig auch eine politische Absicht verfolgt: Heimliches Bepflanzen als Protest gegen Großbauprojekte und Betonierung der Stadt.

Warum boomt das Stadtgärtern?

Der Trend des urbanen Gärtnerns zeigt: Die junge Stadtbevölkerung sehnt sich nach mehr Natur in ihrem Alltag. Der Balkon oder die Zimmerpflanzen reichen den meisten Gartenliebhabern nicht aus, um ihre Leidenschaft zu verwirklichen. Ausserdem ist es vielen jungen Leuten wichtig zu wissen, woher ihr Gemüse kommt. Und ganz nebenbei verschönert das Urban Gardening das Stadtbild und sorgt für eine bessere Luftqualität.


Bildrechte: Flickr Urbane Gärten auf der Tempelhofer Freiheit onnola CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

In Metropolen wie Berlin sind urbane Gartenprojekte besonders stark nachgefragt

© Schwäbische Post 04.09.2018 11:44
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