Wohlduftender Blütenzauber

Stauden Die imposanten Blütenstände sind das Markenzeichen der Steppenkerzen. Die Pflanzzeit der „Leuchtraketen“ beginnt im Spätsommer.
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Mit beeindruckenden Blütenkerzen zählt die Steppenkerze zum Attraktivsten, was die Staudenwelt zu bieten hat. Dennoch ist die Prachtstaude relativ selten in Hausgärten anzutreffen. Öfter lässt sich ihr Blütenschauspiel in öffentlichen Schaugärten und Parkanlagen bewundern, wo die Pflanzen ihre tolle Fernwirkung entfalten. Je nach Art dauert ihre Blütezeit von Mai bis in den August.

Rund 50 Arten an Steppenkerzen sind bekannt, knapp zwei Handvoll werden bei uns als Zierpflanzen kultiviert und umgangssprachlich auch als „Nadel der Kleopatra“ oder „Lilienschweif“ bezeichnet. Bei unterschiedlichen Wuchshöhen ist allen Steppenkerzen eines gemeinsam: Die auffallend langen, perfekt symmetrischen Blütenkerzen aus Dutzenden Einzelblütchen. In typischer Steppenkerzen-Manier öffnen sie sich nach und nach von unten nach oben.

Haltbarer Schmuck

Ihr lieblich süßer Duft und die lang herausragenden Staubgefäße locken Insekten magisch an. Die prächtigen Blütenstiele eignen sich auch als lange haltbarer Schmuck für große Vasen. Dazu werden die Stängel geschnitten, sobald sich die Blüten etwa bis zur Hälfte öffnen. Es braucht nicht viel, um mit Steppenkerzen für einen Hingucker in der Wohnung zu sorgen, die großen Blütenrispen wirken für sich.

Beheimatet ist die Staude in den kalten Hochebenen von Afghanistan bis zum Himalaya. Trockenheit ist das Affodillgewächs gewohnt, volle Sonne liebt es. Sein Wunschplatz im Garten ist ein sonniges Staudenbeet mit durchlässigem, gerne auch sandigem Boden. Dort fühlt sich die Steppenkerze am wohlsten und kann über die Jahre schöne Bestände bilden.

Auch für die große Bühne

Durch unterschiedliche Wuchshöhen lässt sich für jede Gartensituation die geeignete Steppenkerzen-Art finden. Eine große Bühne verlangt die mächtige Erscheinung der Riesen-Steppenkerze (Eremurus robustus) mit guten zwei Metern Wuchshöhe und bis zu einem Meter langen Blütenkerzen in zartem Rosa oder Weiß. Die große Steppenkerze sollte nicht eingeengt durch andere Gewächse stehen, um ihre beeindruckende Wirkung voll präsentieren zu können. Nicht ganz so hoch hinaus wächst die bis zu 1,80 Meter hohe Himalaya-Steppenkerze (Eremurus himalaicus) mit ihren reinweißen Blütenrispen. Sie eignet sich auch für ein kleineres Beet und kommt besonders gut vor einem dunklen Hintergrund aus Sträuchern oder einem Holzzaun zur Geltung.

Die mittelhohe Steppenkerze blüht bereits ab Mai und lässt sich wunderbar zum Beispiel mit Zierlauch kombinieren. Als laufender Meter passt die Schmalblättrige Steppenkerze (Eremurus stenophyllus), auch Afghanistan-Lilienschweif genannt, praktisch in jedes Staudenbeet. Ihre kanariengelben Blütenkerzen wirken wie Fackeln und versprühen von Juni bis Juli ihren sonnig-fröhlichen Charme.

Und schließlich wären da noch die starkwüchsigen, farb intensiven Eremurus-Hybriden mit mittlerer Wuchshöhe. Leuchtraketen gleich sorgen ihre gelben, orangen und orangeroten Blüten für Stimmung im Sommergarten, am besten gleich grüppchenweise. Steppenkerzen zählen zu den Pflanzen, die in Gärtnereien entweder als Staude im Topf oder als Wurzelrhizom angeboten werden. Auffallend ist die Form der Wurzelknolle, die mit ihren ausgestreckten „Armen“ an einen Seestern oder eine Krake erinnert. Gepflanzt wird wie bei Blumenzwiebeln von September bis November.

Schutz vor zu viel Nässe

Da die Steppenpflanzen zu viel Nass überhaupt nicht vertragen, ist auf schweren Böden eine nicht zu knappe Drainage aus grobem Sand oder Kies ratsam. Auch die Pflanzerde kann durch Zugabe von Sand durchlässiger werden. Die fleischigen Wurzeln bettet man etwa 10 Zentimeter tief ins Erdreich und geht dabei sehr vorsichtig zu Werke, denn die Wurzelarme sind recht brüchig.

Schiebt sich im nächsten Frühjahr der imposante, kegelförmige Austrieb aus dem Boden, schützt eine Abdeckung aus Reisig, Vlies oder Laub das zarte Grün vor Spätfrösten.

Appetit auf Dünger

Die Steppenkerze gilt als winterhart, Winterschutz ist aber immer anzuraten. Sie zählt auch zu den Stauden mit Appetit auf Dünger, um genug Kraft für ihre prachtvollen Blüten zu entwickeln. Eine üppige Kompostgabe im Herbst oder eine Frühjahrsdüngung mit speziellem Blühdünger hält die Steppenkerze über viele Jahre bei Laune.

Krankheiten und Schädlinge kommen so gut wie gar nicht vor, selbst Schnecken verschmähen die langen, lilienartigen Blätter in der Regel. Nach der Blüte entwickelt die Steppenkerze sehr dekorative Samenstände mit dickkugeligen Früchten. Allerdings kostet dies die Pflanze auch wertvolle Energie, sodass die Mehrzahl der verwelkten Blütenkerzen abgeschnitten werden sollte.

Als Pflanzpartner für die imposante Steppenkerze eignen sich besonders gut filigrane Gräser, wie zum Beispiel Ruten-Hirse (Panicum) oder Lampenputzer (Pennisetum). Aber auch Strauchrosen, Pfingstrosen, hohe Bart-Iris oder Türkenmohn harmonieren mit den langen Blütenkerzen. Da die hohen Stängel der Steppenlilie bei Wind leicht knicken können, ist ein windgeschützter Sonnenplatz ideal. Auch spezielle Staudenstützen halten die Blütenpracht hoch.

Steppenkerzen vermehren

Oft bilden Steppenkerzen von selbst Tochterzwiebeln, wenn ihnen ihr Platz gefällt. Alternativ lassen sie sich durch Teilung des Wurzelstocks vermehren: Ab August, nach der Blüte, die Wurzel vorsichtig ausgraben, teilen, die neuen Stücke mit mindestens 60 Zentimetern Abstand wieder einsetzen und mit Kompost bedecken.

© Schwäbische Post 21.07.2017 14:49
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