Dufte Überraschung im Busch

Winterheckenkirsche Der unkomplizierte Strauch erfreut mit Blüten, die nicht nur den Garten wunderschön zieren, sondern auch stark nach Honig riechen.
  • Eine Prise Wohlgeruch gefällig? Die Winterheckenkirsche sieht nicht nur bildschön aus, sondern duftet auch intensiv. Foto: © Ian Grainger/Shutterstock.com

Eine Pflanze, die mitten im Winter blüht, erscheint uns als besonders wertvoll, und zugleich halten wir sie für empfindsam. Allerdings zeigt sich die Winterheckenkirsche Lonicera × purpusii als überaus robust, und die langen, cremeweißen Blüten duften auch noch intensiv. In der Natur kommt diese Pflanze nicht vor. Sie entstand im frühen 20. Jahrhundert im Botanischen Garten Darmstadt, wo sich zwei Geißblatt-Arten aus China kreuzen konnten, die an ihren Naturstandorten nicht aufeinandertreffen. Auf die Hybride zwischen zwei Arten weist das Malzeichen im Namen hin.

Jedenfalls vereinigte die Kreuzung die Vorteile der beiden Elternarten: Sie trägt früh im Jahr auffällige röhren- bis trichterförmige weiße Blüten, aus denen die gelben Staubbeutel weit herausragen. Die Blüten öffnen sich allmählich ab Januar; nachdem die kälteste Zeit des Winters Mitte bis Ende Februar vorbei ist, setzt die Hauptblüte ein. Blätter trägt der kleine Strauch den ganzen Winter über, doch kann man nicht von einem immergrünen Gehölz sprechen, denn das Laub färbt sich im November gelbgrün und fällt zum Teil ab, so dass nur ein schütterer Blattbehang an den Zweigen bleibt. Die Blätter werden abgestoßen, wenn sich die Blüten paarweise oder in kleinen Büscheln aus den Blattachseln schieben.

Keine Probleme mit Frost

Wenn die welken Blüten abfallen, folgt der Neuaustrieb der Blätter. Lonicera × purpusii wächst zu einem Strauch von mäßigen Ausmaßen heran. Er verzweigt sich dicht und erreicht nach vielen Jahren erst eine Höhe von etwa eineinhalb Metern, etwas breiter entwickelt sich die Krone, weil sich die zunächst aufrecht wachsenden Triebe später zur Seite neigen. Durch den Schnitt kann man die Größe auf unter einen Meter Höhe und einen Meter Breite halten. Ein regelmäßiger Schnitt regt die Bildung neuer Triebe an, die in den ersten Jahren eine auffällige dunkelrote Färbung haben. Dadurch schmückt das Astgerüst im Winter und sticht über einer weißen Schneedecke hervor. Ältere Äste besitzen diese Rotfärbung nicht mehr, ihre Rinde wird eher graubraun und fasert in langen Streifen ab.

Der zierende Strauch hat keinerlei Probleme mit starkem Frost, angeblich hält er Temperaturen bis -28 Grad Celsius aus. Barfrost oder kalte Winde können ihm nichts anhaben. Im Garten bevorzugt die Winterheckenkirsche einen sonnigen bis halbschattigen Standort, je mehr Sonne der Strauch erhält. desto mehr Blüten wird er ausbilden. An den Boden stellt der Strauch keine besonderen Ansprüche, er kommt mit jedem bearbeiteten Gartenboden zurecht, allerdings gedeiht er in frischer bis feuchter, nährstoffreicher und durchlässiger Erde am besten.

Damit die Winterüberraschung tatsächlich wahrgenommen wird, sollte der Strauch an einer Stelle wurzeln, wo man auch im Winter vorbeikommt. An einem Platz in Hausnähe übernimmt das dichte Gewächs auch die Rolle als Sichtschutz.

Flexibel einpflanzbar

Die Winterheckenkirsche kann in einer Rabatte oder in einer frei wachsenden Hecke wachsen, doch immer sollte sie nah am Weg stehen, wo man die tollen Blüten gut sehen und den Duft nach Honig wahrnehmen kann. Man sollte sich dafür nicht verrenken müssen. Steht so ein winterblühender Strauch am Zugang, sind alle Passanten überrascht, die sich in der früh anbrechenden Dunkelheit dem Haus nähern und erst einmal die Ursache für den Duft suchen. Die Überraschung ist groß, wenn man die dann die Blüten am Strauch entdeckt, die mit ihrer hellen Färbung im künstlichen Licht unwirklich schimmern.

Wegen ihrer Frostverträglichkeit kann die Winterheckenkirsche sogar in einem großen Pflanzgefäß auf dem Balkon oder auf der Terrasse stehen. Man kann den blühenden Strauch dann so nah ans Haus rücken, dass man von innen die Blütenpracht sieht. Die Blütezeit hält bei den kühlen Temperaturen im Spätwinter übrigens bis in den April hinein an.

Schneiden muss man den Strauch nicht zwingend, denn er bildet von selbst eine schöne Form und verzweigt sich gut. Ein Schnitt ist nur dann angebracht, wenn man die Ausmaße beschränken will, und um die Vergreisung zu verhindern. Dafür genügt es allerdings, einmal im Jahr zwei oder drei der ältesten Äste herauszunehmen, damit Platz entsteht für neue Triebe. Auch schwache, dünne Zweige, die sich ungünstig hochschieben, entfernt man.

Schnitt im Frühjahr

Mit dem Schnitt wartet man, bis die Blüte vorbei ist. Geschnitten wird am besten unmittelbar vor dem Neuaustrieb im Frühjahr. Wer zu früh schneidet, entfernt die im Vorjahr angelegten Blütenknospen. Wird der Strauch im Herbst oder Frühwinter geschnitten, kann er daher nicht mehr blühen.

© Schwäbische Post 04.01.2018 16:30
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