Faschingsverrückte Wörter geben alles

Närrisch In Wört ist während des Faschings Ausnahmezustand. Hier kommen auf 1.450 Einwohner 13 „Clubs“ fürs Fasching feiern. Jede Altersklasse hat da ihren Spaß.
  • Fotos: Gemeinde Wört
  • Wört schmiegt sich romantisch an die Rotach.
    Foto: Gemeinde Wört

Wenn Bürgermeister Thomas Saur nach einer Besonderheit in Wört gefragt wird, fällt ihm sofort der Fasching ein.

„In Wört gibt es 13 Faschingsclubs, die mit traditionellen Masken und wechselnden Themen unseren und viele andere Faschingsumzüge bereichern.“ sagt das Wörter Gemeindeoberhaupt Thomas Saur stolz. „Faschingsclub“ ist ein eher ungewöhnlicher Name. „Wir sind zusammen mit der Gemeinde Veranstalter des traditionellen Faschingsumzugs in Wört und gleichzeitig Dachverband aller Wörter Faschingsgruppen.“ erklärt der Cheforganisator des Faschingsumzugs und Vorsitzende der Wörter Rotachnarren Harald Salzer. Denn nicht jeder Zusammenschluss ist gleichzeitig ein eingetragener Verein. Zu den Gruppen gehören Bixawuchter, Bösa Böck, Bugnarren, Gipfeljodler, Gugelhupfer, Hirschhofnarren, Krabbenzwicker, Muggabatscher, Luschdnarra, Rotachgugga, Schellabogaschnitzler und Zipfelklatscher.

Immer aktiv

„Die Wörter Faschingsclubs bieten jeder Altersklasse die Möglichkeit, sich am bunten Treiben in der fünften Jahreszeit zu beteiligen. Die Zipfelklatscher als größte Gruppe sind zwischen 17 und 29 Jahre alt. Bei den Bugnarren ist der Vorsitzende Anton Kohnle seit 60 Jahren aktiv und mit über 80 Jahren ein echtes Urgestein.“ verrät Benjamin Raab, Vorsitzender der Zipfelklatscher. Vier Gruppen bauen jährlich vier bis fünf Monate im Voraus lustige Faschingswägen für den über die Grenzen hinaus bekannten Umzug. Die anderen neun Gruppen präsentieren als Fußgruppen abwechslungs- und ideenreiche Häs. Passend zu Themen wie Afrika, Titanic oder Zwerge werden die meisten Kostüme selbst geschneidert. Umso größer ist dann die Vorfreude auf die Präsentation am Faschingsumzug. Über 10.000 Besucher jubeln dort den mehr als 2.500 Akteuren zu. „Wir sind aber auch außerhalb der Faschingszeit aktiv und engagiert. Ansonsten würden wir uns ja nur ein paar Wochen im Jahr sehen. Dafür ist der Zusammenhalt zu groß und es macht zu viel Spaß.“ erzählt Volker Höll, Vorsitzender der Rotachgugga. Sie musizieren beispielsweise gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Körperbehinderung der Konrad-Biesalski-Schule, stellen den Maibaum auf, nehmen an anderen Umzügen teil oder repräsentieren Wört im Ausland. Auch beim VfR Aalen sorgte man schon für gute Laune als Stimmungsmacher im Stadion.

Auch im Ausland präsent

„Als die erste E-Mail bei uns eintraf, hielten wir sie für sehr ominös und warteten erstmal ab. Absender aus Malta, Einladung nach Dubai, das kam uns spanisch vor. Doch irgendwann lagen tatsächlich die Flugtickets vor. Das war ein echter Höhepunkt.“ erzählt Volker Höll, Vorsitzender der Rotachgugga, über deren Auftritt bei der Unabhängigkeitsfeier 2014. Seitdem ist der Wörter Fasching bestens in alle Welt vernetzt. Eine Reise nach Tunesien und freundschaftliche Kontakte nach Großbritannien entstanden daraus. Aufgrund der politischen Lage sehen die Narren im Moment von neuen Ausflügen ab, doch der Austausch mit den Freunden aus England klappt reibungslos. Auch 2018 freuen sich die Akteure über Besuch von der britischen Insel. Dann wird gemeinsam beim großen Umzug musiziert.

Anton Kohnle ist seit 60 Jahren aktiv und mit über 80 Jahren ein echtes Urgestein.

Benjamin Raab
Vorsitzender der Zipfelklatscher

Wälder sorgen für Wasser

Zwischen großen Waldflächen und der idyllischen Rotach gelegen, genießen die rund 1.450 Einwohner das Leben im ursprünglich katholischen Pfarrdorf mit evangelischem Pfarrweiler Bösenlustnau und 16 weiteren Ortsteilen. Geographisch liegt sie 16 Kilometer nordöstlich von Ellwangen und direkt an der bayrischen Landesgrenze, nur sieben Kilometer von Dinkelsbühl entfernt. Die großen Wälder waren schon immer das Reservoir für den Wasserreichtum der Landschaft. Außerdem fließt die Rotach durch das Örtchen. Erstmals erwähnt wird Wört in einer Urkunde, die Kaiser Heinrich II. am 5. Februar 1024 dem Abt Berengar von Ellwangen in Bamberg ausstellte.

Idyllische Insel

Das noch heute gut erhaltene „Schlössle“ hat dem Ort wegen seiner Insellage im Hochmittelalter seinen Namen gegeben; Wört, Werde, Werder bedeutet Insel oder Halbinsel. 1626 wurde es anstelle einer Steinburg von Dinkelsbühler Bürgern erbaut. Die romanische Steinkapelle zum heiligen Nikolaus von Bari wurde 1352 vom Augsburger Bischof mit Einwilligung Ellwangens zur eigenen Pfarrei erhoben. So ergab sich eine Zweiteilung des kirchlichen Lebens in Wört, die Gläubigen gehörten schon vor der Reformation zu zwei verschiedenen katholischen Pfarreien: südlich der Rotach zur Pfarrei Stödtlen und damit zum Kloster Ellwangen, nördlich der Rotach zur Pfarrei Segringen und damit zum Benediktinerkloster Mönchsroth. Diese Trennung führte zu einer Sprachgrenze, die noch heute existiert. Früher waren Land- und Forstwirtschaft, die Haupterwerbs- und Nahrungsquellen der Einwohner. Wer keinen Arbeitsplatz am Ort fand, pendelte oder wanderte ab. Heute gibt es in Wört 1.400 Arbeitsplätze,

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© Schwäbische Post 02.02.2018 16:23
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