Katzengold und bunte Geheimnisse

Natur Das Heimatmuseum Waldstetten bereitet eine Mineralien-Ausstellung vor. Funde der Region und Exponate aus aller Welt treffen aufeinander. Die Sammler kommen aus der Gemeinde.
  • Fotos: kust
  • Die rauen Oberflächen ziehen den Staub an. Ein weicher Pinsel gehört deshalb zur Grundausstattung der Sammler.
  • Hunderte Exponate auch aus der Region im Museum Waldstetten.
  • Seit zehn Jahren ein Ort für besondere Erlebnisse: Das Heimatmuseum in der Hauptstraße Waldstetten.
  • Der Vorgängerbau an der Stelle des heutigen Museums.

Forschergeist ist dabei, wenn Johannes Peukert im Heimatmuseum Waldstetten von Vitrine zu Vitrine eilt und über die Exponate spricht. Er ist umgeben von hunderten Mineralien aus der Region und weit darüber hinaus. Peukert, stellvertretender Vorsitzender des Heimatvereins Waldstetten, bereitet mit Rainer Barth, dem ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde und Gründer des Heimatvereins, die nächste Wechselausstellung vor: „Faszination Mineralien – Form und Farbe“. Es ist die 13. Ausstellung in der noch jungen Geschichte des Museums (siehe unten). Es ist sicher die Geschichtsträchtigste. Mineralien können mehrere zehntausend Jahre alt, aber auch vor Millionen Jahren entstanden sein. Ans Tageslicht kommen sie viel später. An Flussläufen, in Erdschichten werden sie gefunden. Viele von Hans Richter, dessen Sammlung auf viele tausend Mineralien anwächst. Nach dessen Tod übergibt die Witwe 1998 einen Teil der Exponate an den wenige Jahre zuvor gegründeten Heimatverein. Der hat Mühe, immer den richtigen Ort für die wertvollen Stücke zu finden. Jahre später kommen sie dann im neuen Heimatmuseum unter.

Schönheit der Mineralien

Johannes Peukert – er war Mathematiklehrer am Hans-Baldung-Gymnasium Schwäbisch Gmünd und auch am Theodor-Heuss-Gymnasium in Aalen – ist eigentlich Fossiliensammler. Doch die Schönheit der Mineralien fasziniert ihn nicht weniger. Zu manchen hat er ganz persönliche Beziehungen, die hat er nämlich selbst gefunden. Drei kleine, herrlich glänzende Stücke, die im Volksmund Katzengold heißen. „Aber es ist Pyrit, FeS2 lautet die chemische Formel“, sagt Peukert. Mit Gold hat das wenig zu tun, von der glänzenden Oberfläche abgesehen. Der Wert von Katzengold ist somit nur ideeller und ästhetischer Natur. Was sind solche Fundstücke wirklich wert? „Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort“, so der Ausstellungsmacher. Auf Mineralienbörsen würden diese und andere Stücke aber durchaus gehandelt, Angebot und Nachfrage regeln den Wert. Der kann, das sagen Internetbörsen, von wenigen Euro für einen Calcit bis zu hohen Summen reichen, wenn Diamant im Spiel ist.

Natürlich gibt es auch Führungen durch Fachleute.

Rainer Barth,
Heimatverein Waldstetten

Den gibt es natürlich in der Sammlung in Waldstetten nicht. Es sind die Mineralien fürs Auge, Steine mit eingeschlossenen Ammoniten oder Turmschnecken.

„Es geht auch nicht allein um die Exponate“, sagt Johannes Peukert. Mit Texttafeln und Beispielen sollen sich Besucher beim Ausstellungsrundgang auch gut selbst zurechtfinden können. „Natürlich gibt es auch Führungen durch Fachleute“, sagt Rainer Barth. Er ist dabei, einen Begleittext für die Präsentation zu formulieren, auch das Leben des Mineraliensammlers Hans Richter zu beleuchten. Und er würde sich freuen, „wenn die Ausstellung bei manchen Besuchern näheres Interesse an Mineralien wachsen lässt“. Für sie gibt es eine Mineralienbörse. Der Verein trenne sich von Stücken, die in ähnlicher Form mehrfach vorhanden seien. Der Erlös kommt natürlich dem Museum zugute, das „auf öffentliche Gelder verzichtet“, so Barth. „Wir wollen autark sein und freuen uns, dass wir nach gut zehn Jahren den Bau so gut wie abbezahlt haben.“

Die Beindreher aus Waldstetten und der Ort für ihr Kunsthandwerk

Waldstetten. „Wir wollen um dieses Jubiläum kein großes Aufhebens machen, stattdessen soll im April der Bau eines Heimatmuseums auf dem Grundstück ‚Unterer Wäldenbauer‘ in Angriff genommen werden.“ Das sagt der frühere Bürgermeister der Gemeinde Waldstetten, Rainer Barth, im Januar 2005 beim kleinen Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Heimatvereins. Im Sommer 2007 ist das Versprechen eingelöst.

Waldstetten hat ein Museum, das inzwischen Interessierte aus dem ganzen Land anlockt. Weil die Wechselausstellungen Themen aufgreifen, die weit über Waldstetten hinaus von Bedeutung sind, weil die Dauerausstellung im ersten Obergeschoss die Eigenheiten einer gewachsenen Gemeinde eröffnet.

In Themenräumen im ersten Obergeschoss geht es um:

  • Fossilien, die rund um Waldstetten gefunden wurden
  • Ortsgeschichte
  • den Zweiten Weltkrieg
    Als weitere Themenschwerpunkte werden zudem folgende Waldstetter Besonderheiten aufgegriffen:
  • Beindreher
  • Pfeifenmacher
  • Perlsticker

Die Beindreher stellten hauptsächlich in der Zeit von 1850 bis 1950 im Ort filigrane Figuren her. „Verwendet wurden vor allem Rinderknochen“, weiß der Vorsitzende des Heimatvereins, Rainer Barth. Gearbeitet wurde mit der Präzision der Schmuckhersteller. Berühmt ist Waldstetten für die Perlsticker. Sie produzierten Taschen und andere Stickarbeiten mit Perlen. Es gibt alte Postkarten, Kruzifixe, Bilder, Pfeifen, Fossilien, Holzfigürchen und Maschinen aus vergangener Zeit.

Museumscafé im Ehrenamt
Wer das Museum am Ortsrand Richtung Weilerstoffel betritt, spürt den einladenden Charakter des Hauses. Dort hat das große Museumscafé seinen Platz. Barth ist stolz auf die vielen Aktiven im Verein. Rund die Hälfte der 220 Mitglieder ist aktiv in die Museumsarbeit eingebunden. „Ein großer und fleißiger Helferkreis übernimmt bei Bedarf die Bewirtung für Besuchergruppen, beim Sonntagscafé in der Museumsstube und beim Museumshock“, so Barth. Die Museumsstube dient auch als Vereinslokal des Heimatvereins. Neben dem monatlichen Stammtisch (immer am zweiten Dienstag im Monat um 20 Uhr, Gäste sind willkommen) finden dort Vorträge und Vorführungen statt.

Die Öffnungszeiten
Die Öffnungszeiten des Museums in der Hauptstraße 56: immer am ersten und dritten Sonntag von 14 bis 17 Uhr und auf Anfrage. Führungen gibt es nach Vereinbarung.

© Schwäbische Post 23.02.2018 17:36
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