Lebendige Frauenpower an der Jagst

Ellwangen Das kulturelle und wirtschaftliche Leben der Stadt ist von vielen starken Frauen geprägt. Sie leiten Geschäfte, Restaurants und Initiativen. In unserer Serie stellen wir Ihnen sechs davon vor.
  • Ellwangen – hat jede Menge Kunst und Kultur zu bieten.
    Foto: arc/ Fred Ohnewald
  • Fotos: Christian Frumolt

Seit dem 1. Januar 2018 ist die gebürtige Fränkin, Elisabeth Balk, die neue Leiterin des Ellwanger Bauamts. Mit ihrer Familie lebt die 50-jährige Bauingenieurin in Sommerhausen am Main. An oberster Stelle für die Wahl ihrer neuen Wirkungsstätte stand eine historische Altstadt. „Ich arbeite seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und engagiere mich in Berufsverbänden wie dem AIV (Architekten- und Ingenieurverein). Die Erhaltung und Pflege der Gebäudesubstanz und unserer Baukultur ist mir sehr wichtig. Und die hat Ellwangen mit den vielen Baudenkmalen auf jeden Fall“, erläutert die Bauingenieurin. „Darüber hinaus habe ich mir Ellwangen auch wegen der guten Erreichbarkeit ausgesucht, über die A7 bin ich ganz schnell hier und wieder daheim“, sagt sie, und erklärt weiter: „Aber natürlich war es auch die Bewerbung um die Landesgartenschau. Ich glaubte ganz fest daran, dass sie kommt“, bekräftigt sie die Entscheidung zum Wechsel vom Main an die Jagst. „Manchmal muss man über die Ländergrenze gehen, um das Gute zu finden“, lacht die Ingenieurin. Nach fast 10 Jahren in Ochsenfurt wollte sie den Wechsel – „Die Menschen hier sind viel offener“ beschreibt sie die ersten Erfahrungen in der neuen Umgebung. „Die Schwaben sind lauter offene und kluge Köpfe. Deshalb gibt es auch so viele Patentanmeldungen im Ländle“, ist sie überzeugt.

Ellwangen ist keine Schlafstadt

An Ellwangen gefällt ihr, dass sie keine Schlafstadt ist, sondern als eigenständige Stadt für sich funktioniere: „Eine Stadt lebt von einer lebendigen Innenstadt und davon, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben.“ Auf die Frage, ob sie sich selbst für eine starke Frau hält, sagt sie: „Ich finde mich ganz normal. Ich versuche einfach meinen Weg zu gehen.“ Sie empfindet es als wichtig, dass Frauen den Mut haben „Nein“ zu sagen. Den Mut zu einer eigenen Meinung, und damit dann auch nicht hinter dem Berg zu halten, das mache sie auch sehr selten. Dabei lässt sie sich gerne vom Spruch leiten: „Fürchte Dich nicht“. Lachend sagt sie: „Ein Gesprächspartner hat einmal zu mir gesagt ´Mit Ihnen möchte ich nicht verheiratet sein´ – das empfand´ ich als Kompliment – obwohl er dies sicher nicht als solches gemeint hatte.“

Frauen aus der zweiten Reihe

Eigentlich habe sie keine direkten Vorbilder, überlegt sie. Außer vielleicht Frauen aus der zweiten Reihe, die ihre Meinung und ihren Weg durchsetzen. Oder ihre Großmutter, bei der sie viel Zeit verbracht hat. „Sie war eine der Trümmerfrauen, die jeden Tag viele Kilometer bis nach Würzburg gingen, um die Stadt von Schutt und Trümmern zu befreien und dann noch Kinder und Geschäft durchbringen mussten. Eine heute fast unvorstellbare Leistung.“

An ihrem Beruf schätzt sie die Nähe zu den Menschen und die vielfältigen Arbeitsfelder – nicht immer nur vor dem Bildschirm sitzen zu müssen, sondern unmittelbar vor Ort bei den Bauprojekten zu sein. Schon als Kind war sie gern auf Baustellen, ihr Vater war Bauleiter. „Auch Beton wird nur durch Wasserzugabe hergestellt, das hat mir schon immer gefallen“, erklärt sie ihre Liebe zum Metier. Was sie jungen Menschen mit auf den Weg geben würde? „Sei Du selbst. Mach was Du kannst und finde was Du kannst, und was immer Du tust, mach es ganz.“ Man glaubt ihr, dass sie selbst danach handelt. Mit Elisabeth Balk hat Ellwangen jetzt eine starke Frau mehr.

Statt Hof jetzt Stadtwohnung

Aufgewachsen ist Eleonore Zwick auf dem Hof in der Stimpfacher Sägmühle. Auf dem Kobeleshof lebt sie seit 1980. Dieses Jahr im Januar hat sie mit Sohn und Schwiegertochter den Hof gegen eine Wohnung in der Stadt getauscht. „Ich finde es toll in der Stadt zu sein. In Ellwangen gehe ich auch gerne einkaufen, ich bekomme dort alles.“

Die Beziehung zur Stadt pflegen sie und ihre Familie regelmäßig „Wir gehen zum Kalten Markt, zu den Heimattagen, natürlich sind wir beim Fasching aktiv. Und sind wir ja auch seit über 20 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt.“ Aber nach Ellwangen zu kommen, sei immer noch wie Urlaub für sie, lacht sie. Über die Frage, ob sie eine starke Frau sei, bricht sie erst einmal in Lachen aus. „Ich finde mich gar nicht stark. Ich sehe mich als Frau, die einfach funktioniert, die die Fäden in der Hand hat und ihrem Mann den Rücken freihält.“ Für sie sei es einfach eine Selbstverständlichkeit, gemeinsam in eine Richtung zu gehen. An ihrer Arbeit gefällt ihr, dass sie ihre eigene Chefin und Herrin ihres Kalenders ist. Ebenso wichtig ist ihr der gemeinsame Tagesablauf. „Mein Mann weiß immer genau, wo ich gerade bin“, lacht sie, „gemeinsam den Tag zu gestalten ist ein großes Glück. Genau wie gemeinsam von den erreichten Zielen zu profitieren.“

Die Schwaben sind lauter offene und kluge Köpfe

Elisabeth Balk
Leiterin Bauamt Ellwangen

Auf ihr Team ist sie stolz. Auf dem Kobeleshof angefangen haben sie und ihr Mann mit 28 Kühen – heute sind es 500. „Wir sind seit 39 Jahren jedes Jahr ein bisschen gewachsen, haben immer etwas gebaut, angebaut, umgebaut. Aber wenn man heute von der Landwirtschaft leben will, dann geht es besser, wenn man am Ball bleibt.“

Lieblingshobby: Skifahren

Nur so habe sie auch Zeit für ihr liebstes Hobby, das Skifahren. „Es ist für mich ein echtes Glück, dass Astrid (ihre Schwiegertochter) da ist, so kann ich in Ruhe draußen im Stall bei den Kälble sein oder auch in Ruhe mal ins Solebad gehen, und ich weiß, es ist jemand da.“

Vorbilder sind für sie ihre Eltern und Großeltern. „Vor diesen älteren Leut´ ziehe ich einfach meinen Hut. Sie haben immer nur geschafft, waren aber immer zufrieden. Das waren die Kriegsjahre.“ Heute ist sie selbst Oma und Zeit für ihre Enkel zu haben ist für sie von immenser Bedeutung. Eigentlich könnte sie jetzt, nachdem der Sohn den Hof übernommen hat, auch wieder als Erzieherin arbeiten. Aber jetzt sind die Enkel da.

Tipps an die Jugend

Und was sind ihre Tipps für junge Menschen? Eine ganze Menge: „Optimistisch in die Zukunft blicken, Respekt für andere Menschen und vor anderen Meinungen zu haben, und ein Stück Gelassenheit zu lernen. Den Mut, etwas Neues anzufangen.“ Sie ergänzt: „Für junge Leute zum Beispiel ist es auch immens wichtig, eine Top-Ausbildung in der Tasche zu haben.

Rauszugehen und weit über den Tellerrand zu schauen. Mehr kann man kaum mit auf den Weg geben.

Das neue Ellwanger Stadtmagazin

Mehr spannende Geschichten rund um Ellwangen haben wir im neuen Stadtmagazin gesammelt.
Das Magazin ist eine interessante Mischung aus verschiedenen Themen direkt aus und um Ellwangen.
Gehen Sie mit uns und unserem Magazin auf eine abwechslungsreiche Entdeckungsreise. Lernen Sie dabei verschiedenste Menschen und Orte kennen. Das Heft liegt kostenlos bei verschiedenen Geschäften und Behörden aus.

© Schwäbische Post 24.08.2018 16:35
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