Nur die Harten kommen in Garten

Holzgewächse Wer einen Baum pflanzt, holt sich einen Partner fürs Leben in den Garten. Doch welcher gedeiht langfristig gut und trotzt dem Klimawandel?
  • Hochstämmige Baumsorten haben gute Perspektiven im Klimawandel
    Die Esskastanie ist zum Baum des Jahres 2018 gekürt worden. Früher gab es sie nur in Weinanbauregionen, heute wächst sie aufgrund des Klimawandels deutschlandweit gut.
    Experten sprechen dem Feldahorn gute Perspektiven zu.
    Fotos im Uhrzeigersinn: pixabay, dpa, dpa

Ein Hausbaum ist ein Blickfang, der über Jahrzehnte und Generationen das Bild eines Grundstücks prägen soll. „Ein Solitär, der einzeln steht und wirkt“, sagt Oliver Fink, Vorsitzender des Verbands der Gartenbaumschulen in Haan (NRW). Doch welcher heute gepflanzte Hausbaum trotzt in 50 Jahren noch den klimatischen Veränderungen?

Mehr heiße Tage

„Wir müssen davon ausgehen, dass die Durchschnittstemperatur je nach Region um zwei bis vier Grad steigen wird“, sagt Volker Meng vom Forstbotanischen Garten und dem Pflanzengeographischen Arboretum der Universität Göttingen. Es drohen mehr sehr heiße Tage und längere Trockenphasen, außerdem neue Krankheiten und Schädlinge.

Kommunen und Baumschulen beschäftigen sich intensiv mit der Frage, welche Bäume sie noch pflanzen sollen. Platane, Sommer-Linde oder Bergahorn sind Beispiele für Bäume, die bei langen Trockenperioden Stress bekommen können. Sie werden als Stadtbaum je nach Standort nicht mehr gerne verwendet, sagt Bärbel Faschingbauer, Fachbuchautorin und Expertin für Landespflege.

Hausbäume neu betrachten

Auch Hausbäume müssten vor dem Hintergrund des Klimawandels neu betrachtet werden, sagt Meng. Strahlungshitze aushalten und robust gegenüber Trockenheit sein: Das sind Attribute, die Bäume zukunftsträchtig machen. Es gibt einige heimische Arten, die aus seiner Sicht eine gute Perspektive haben, darunter der Feldahorn (Acer campestre), die Hainbuche (Carpinus betulus) oder hochstämmige Sorten.

Baum des Jahres 2018

Von der früher nur in Weinanbauregionen heimischen Esskastanie (Castanea sativa) gebe es viele empfehlenswerte Kultursorten, sagt Meng. Der Baum des Jahres 2018 gedeiht inzwischen deutschlandweit.

Auch die Walnuss (Juglans regia) sei ein zukunftsfähiger Baum. „Mit höheren Temperaturen kommt sie sehr gut zurecht“, sagt Meng. Im Nordosten des Landes würde er aber zu einer sehr spät austreibenden Sorte raten. Dort sei häufiger mit Spätfrost im Frühjahr zu rechnen.

Heimische Arten mit Problemen

„Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass einige von unseren heimischen Arten Probleme bekommen werden“, sagt Meng. Man werde künftig für den städtischen Bereich nicht um neue, aus wärmeren und trockeneren Klimabereichen stammende Arten herumkommen. Im privaten Bereich sieht Fink die Lage nicht so kritisch: „Einen Hausbaum, der als Einzelbaum in eine vernünftige Umgebung im Garten kommt, sehe ich entspannter. Da kann man es flexibler halten als bei einem Straßenbaum, der viel mehr Stress aushalten muss.“.

Standort sorgfältig auswählen

Das wichtigste Kriterium, damit ein Hausbaum gut gedeiht und lange steht, bleibt der Standort im Garten. Ist der Boden sauer oder alkalisch, feucht oder trocken, sandig oder lehmig? Liegt der Standort sonnig oder schattig? Wird der Baum dort starken Winden ausgesetzt sein, oder steht er geschützt?

Wenig Platz, kleiner Baum

Wie viel Platz kann und will man dem Baum einräumen? Wer sich hier verschätzt, ist nach zehn Jahren nur noch mit dem Stutzen des Baumes beschäftigt. Das ist weder für den Baum noch für den Hobbygärtner gut und endet häufig damit, dass der Baum gefällt wird. Weil Grundstücke gerade in Ballungsgebieten immer kleiner werden, nimmt die Auswahl an kleinkronigen Bäumen zu. Die Arten und Sorten sind Experten zufolge nicht weniger widerstandsfähig als ihre größeren Artgenossen. Das heißt: Auch ein kleiner Hausbaum kann ein standfester Solitär sein.

© Schwäbische Post 12.01.2018 18:02
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