Ran an die Triebe der Gehölze

Frühjahrsschnitt Sträucher und Bäume, die überschwänglich blühen, werden nicht im Winter eingekürzt. Ihr Rückschnitt erfolgt erst nach der Blütezeit.
  • Prachtvolle und kräftige Blüten bilden Ziersträucher und -bäume nur dann, wenn sie regelmäßig eingekürzt und gut in Form gebracht werden. Kräftig gestutzt werden sie im Gegensatz zu anderen Gehölzen aber erst nach der Blüte. Fotos: Pixabay

Viele der herrlich blühenden Sträucher des Frühjahrs haben ihren großen Auftritt hinter sich. Die Forsythien sind verblüht, Flieder und Maiglöckchensträucher schicken sich an zu blühen, die Weigelien werden bald folgen. Für diese Gehölze steht gleich nach der Blüte ein Rückschnitt an. Würde man sie wie bei anderen Gehölzen üblich – während der Ruhezeit im Winter schneiden, würde man die Blütenanlagen entfernen. Doch um die schöne Blüte geht es uns schließlich.

Die Sträucher brauchen die Wachstumszeit, um neue Triebe und Blütenanlagen für das folgende Frühjahr zu bilden. Wird jetzt gezielt geschnitten, kann man eine prachtvolle Blüte im nächsten Jahr erwarten. Unterbleibt dagegen der Schnitt, blühen die Sträucher eher faul.

Im Frühjahr heißt es dann, sich in Geduld zu üben, obwohl gerade die Forsythien oft peitschenlange und dadurch unschöne Triebe entwickeln. Gleiches gilt für die Kätzchen-Weide, Ginster, Mandelbäumchen und Kerrien. Auch Zieräpfel und Zierkirschen legen ihre Blütenknospen schon im Vorjahr an. Bei ihnen lassen sich Knospen, aus denen sich Blüten entwickeln werden, von schlichten Blattknospen leicht dadurch unterscheiden, dass sie größer, vor allem dicker sind.

Schnittwunden heilen schneller

Geschnitten werden diese Gehölze erst dann, wenn die Blüte vorbei ist. Ein Schnitt zur wärmeren Jahreszeit hat ohnehin den großen Vorteil, dass die Schnittwunde rascher verheilt und Pilze sowie bakterielle Keime nicht so leicht ins Gewebe eindringen können.

Bei den Rhododendren bilden die im Vorjahr angelegten Blütenstände im Herbst und Winter einen regelrechten Schmuck: Die Blütenknospen sitzen an den Triebspitzen. Wer so einen Strauch einkürzen oder in Form bringen will, muss erst den Flor abwarten und sollte den Schnitt auf den Sommer verlegen.

Keine falsche Scheu

Zaghaft darf man beim Schnitt nicht vorgehen, denn aus irgendwie angeschnittenen Ästen entwickeln sich Büschel schwacher Austriebe. Zweige nimmt man am besten unten an der Verzweigungsstelle weg. Dadurch lichtet man das Gehölz aus und schafft Platz für neuen Austrieb. Wird dennoch einmal ein Ast eingekürzt, schneidet man etwa einen Zentimeter oberhalb einer nach außen weisenden, gesunden Knospe zurück. Liegt die Stelle des Schnitts aber zu nah an der Knospe, wird diese vertrocknen und absterben.

Totes Holz fault

Erfrorene oder anderweitig abgestorbene Triebe sollte man bei allen Gehölzen so früh wie möglich wegschneiden. Man erkennt sie zur Zeit des Austriebs gut, weil hier keine Knospen schwellen. Solche Teile muss man entfernen, denn das tote Holz fault früher oder später, und durch die offene Pforte gelangen Krankheitserreger in das Innere der Pflanze.

Viele Sträucher und Bäume verlangen einen regelmäßigen Rückschnitt, damit ihre Blühfähigkeit erhalten bleibt. Falscher Jasmin, Weigelien, Kolkwitzien und Maiglöckchensträucher vergreisen schnell. Man muss daher regelmäßig ausschneiden, damit sich immer wieder junge Triebe bilden, die dann wieder schön blühen. Ältere Äste erkennt man daran, dass sich die Borke außen abschält. Der Schnitt kann im ausgehenden Winter erfolgen oder aber gleich im Anschluss an die Blütezeit.

Waldreben sind individuell

Pauschale Angaben zum Schnitttermin sind für die Waldreben nicht möglich. Denn die verschiedenen Arten unterscheiden sich in ihrer Blütezeit – und der Schnittzeitpunkt hat sich daran zu orientieren. Sorten der Clematis montana, die schon im Mai blühen, darf man nicht vor der Blüte schneiden. Doch jene Waldreben, die im Sommer blühen, brauchen im Frühjahr vor dem Austrieb einen Rückschnitt bis zum Grund, denn nur der junge Austrieb blüht kräftig. Unterbleibt der Schnitt, treiben die Pflanzen hoch oben an den Spitzen aus, die Blüten hängen dann über, während der Stängelgrund sehr kahl wirkt.

© Schwäbische Post 02.06.2017 13:37
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