Ein lebender Teppich im Garten

Falllaub Auf den Beeten ausgebreitet, dienen Blätter als Bodenschutz. Außerdem reichern sie die Erde mit wertvollen Humusstoffen an.
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Wohin mit der Masse an Falllaub im Herbst? Sicher kann man Blätter einfach auf den Kompost geben, doch das feuchte Material klebt fest zusammen und vermischt sich beim Aufsetzen des Komposts nur schwer mit den anderen Zutaten. Groß ist die Gefahr, dass nasse Blattklumpen verbleiben, die nicht verrotten und zu stinken beginnen. Falllaub lässt sich im Herbst sinnvoll zur Flächenkompostierung verwerten. Dadurch bleibt der Boden bedeckt, es kommt bei Regen nicht zu Erdabtrag.

Für die Flächenkompostierung breitet man Laub auf Gemüse- oder Blumenbeeten bzw. unter Baumscheiben aus. Die Schicht muss schon 10 bis 15 cm dick sein. Das Material wird mit dem Sauzahn oder dem Krail nur flach mit der obersten Bodenkrume vermischt. Ein wenig fertigen Kompost oder Erde streut man auf, damit das leichte trockene Laub nicht fortgeweht wird, und um Organismen einzubringen, die den Abbau besorgen. Das Laub verrottet während der folgenden Monate.

Auch klein geschnittenes Schnittgut von krautigen Pflanzen oder Gehölzen eignet sich zum Abdecken einer im Winter nicht genutzten Fläche. Nur muss man damit rechnen, dass holziges Material nicht vollständig während der kalten Jahreszeit verrottet. Verbliebene Reste recht man im Frühjahr ab und wirft sie auf den Kompost.

Vor einer Neubestellung muss man den Boden noch einmal durcharbeiten. Doch man darf nicht umgraben, die organische Substanz muss an der Oberfläche bleiben, die Wurzeln der Pflanzen sollen keinen Kontakt mit dem Material haben. Daher lockert man die Fläche mit einer Grabegabel, die man von oben möglichst senkrecht einsticht und hin und her bewegt.

Die Flächenkompostierung ähnelt den Vorgängen im Laubwald, wenn Falllaub eine Streuschicht bildet, die zu Humus umgewandelt wird. Liegt das Material nicht zu dick auf, wird es gut mit Sauerstoff versorgt und fault nicht. Nährstoffe werden daraus ständig in geringer Konzentration freigesetzt, es besteht kaum die Gefahr von Auswaschung. Bei steigenden Temperaturen stehen Nährstoffe im folgenden Frühjahr erhöht zur Verfügung – dann, wenn Pflanzen sie für ihr Wachstum benötigen. Bei den niedrigen Außentemperaturen im Winter kommt die Rotte ohnehin fast vollständig zum Erliegen. Zur Wärmeentwicklung wie in der Kompostmiete kommt es auf flächig ausgebreitetem kompostierbarem Material nicht, dafür reicht die Schichtdichte nicht aus.

Grobe Struktur, frischer Geruch

Eine Flächenkompostierung ist ebenso mit Roh- oder Frischkompost möglich, das ist nicht vollständig abgebautes organisches Material, das noch weiter verrottet. Rohkompost weist eine grobe Struktur und einen frischen Geruch auf, viele Ausgangsmaterialien sind noch erkennbar. Etliche Gliedertiere wie Asseln und Springschwänze leben darin, ebenso vereinzelte Kompostwürmer. Rohkompost ist reich an Nährstoffen und führt dem Boden organische Substanz zu. Er fördert das Bodenleben und ist auch während der Wachstumszeit ideal zur Bodenabdeckung. Dann kann man ihn als düngende Mulchschicht auf Baumscheiben oder unter Sträuchern ausbringen und mit Gras, Laub oder Erde abdecken.

Ein Rohkompostmulch schützt vor Austrocknung und unterdrückt Unkraut. Einen Rohkompost hat man je nach Verrottungsgeschwindigkeit bereits sieben bis zehn Wochen nach Aufsetzen einer Kompostmiete. Rohkompost enthält vorwiegend so genannten Nährhumus, der sich aus kurzkettigen, leicht abbaubaren Huminstoffen zusammensetzt. Sie dienen als Energiequelle für Bodenlebewesen. Man arbeitet Rohkompost nur leicht in die gelockerte, oberste Bodenschicht ein. Das Material darf nicht in untere Bodenschichten gelangen, es würde bei den relativ luftarmen Verhältnissen faulen.

Worin liegt nun der Unterschied zwischen Roh- und Reifkompost? Ein reifer Kompost, in dem die organischen Abfälle fast vollständig zersetzt sind, entsteht nach drei bis sechs Monaten der Rotte. Er hat dann eine freinkrümelige Beschaffenheit, enthält kaum mehr größere Organismen, sieht aus und riecht wie Erde. Auch er liefert dem Boden organische Substanz, enthält aber im Vergleich zu Rohkompost deutlich weniger Nährstoffe und wirkt sich nicht ganz so vorteilhaft auf das Bodenleben aus. Reifkompost besteht aus stabilem Dauerhumus, der sich aus langkettigen Huminstoffen zusammensetzt, die stabil, aber dennoch abbaubar sind. Diese beständigen, komplexen Verbindungen wirken sich günstig auf die physikalischen Bodeneigenschaften aus. Daher verwendet man auf schweren, verdichteten Böden besser Reifkompost. Dagegen bietet sich vor allem für gut durchlüftete Böden eine Auflage aus Rohkompost an.

Kompost sollte generell nicht länger als ein halbes Jahr (im Sommer) oder ein Jahr (ab Herbst) rotten. Je länger ein Kompost liegt, desto mehr Nährstoffe gehen verloren.

Jede Menge Kleinsttiere wuseln im Laub herum

Eine organische Auflage aus Laub oder Rohkompost belebt den Garten: Eine Vielzahl von Kleinsttieren verbirgt sich in dem organischen Material, darum stöbern hier ständig Vögel herum, zumindest solange kein hoher Schnee liegt. Kleinsttiere sichern Insektenfressern wie dem Rotkehlchen das Überwintern in hiesigen Breiten. Das Beobachten der Vögel auf Futtersuche gehört sicher zu den schönsten Erlebnissen, die ein Garten bietet.

© Schwäbische Post 03.11.2017 17:14
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