Gelassen und gemeinsam auf Traumjobsuche

Bei der Wahl des Berufs oder des Studienfachs redet die Familie oft ein gewichtiges Wörtchen mit. Aber die Entscheidung für die passende Ausbildung muss der Jugendliche letztlich selbst treffen. Es gibt eine Fülle an Informationsmöglichkeiten – auch für die Eltern.
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    Die im Februar stattfindende Ausbildungs- und Studienmesse in und um die Berufsschule Aalen ist die Größte der Region. Hier können Familien gemeinsam nach guten Ausbildungsangeboten suchen. Foto: opo
Bei der Wahl des Berufs oder des Studienfachs reden Eltern meist eingewichtiges Wörtchen mit. Die Jugendlichen sind meist gut beraten, wenn sie auf die Empfehlungen hören. Schließlich kennt niemand die Stärken und Schwächen eines Kindes besser. Die Eltern sollten aber begleiten, und nicht Händchen halten. Und möglichst gelassen bleiben.

„Mein Kind weiß noch überhaupt nicht, welcher Beruf was wäre“, sagt Alexandra Maier. „Wir denken an eine Banklehre und dann vielleicht noch das Abitur.“ Mit „Wir“ sind in diesem Fall die Eltern der 15-jährigen Sophie gemeint. Sie sind mit ihr zu einer großen Bildungsmesse gefahren, ziehen von Stand zu Stand, sammeln Prospekte. Die Mutter spricht, fragt nach Praktika, klopft die Chancen ab. Die Tochter hört zu. Mehr oder weniger. Meist spielt sie an ihrem Smartphone herum.

Herausforderung für Eltern und Kinder

Die Berufswahl ihrer Kinder stellt Eltern vor eine Herausforderung. Auf Elternabenden präsentieren sich Unternehmen den besorgten Müttern und Vätern, werben um ihre Gunst. Es gibt Messen in- und außerhalb der Schulen, Infotage von Kammern, Arbeitsagenturen und weiterführenden Schulen.

Sophie macht bald ihre Mittlere Reife. Seit mehr als einem Jahr treibt die Familie der Gedanke um, was sie nach der Schule anfangen soll. Vor allem die Mutter ist zum Profi geworden, saugt alles auf, was über Berufswahl erscheint, gedruckt oder im Netz. „Nur Sophie interessiert sich herzlich wenig für ihre Zukunft. Sie hat keinen Plan und keine Lust“, sagt Alexandra Maier. Nur auf ihr Drängen hin hat sie sich für Praktika beworben. Adressen, Telefonnummern, Ansprechpartner besorgte die Mama. Sogar zum ersten Praktikumstag ist sie immer mitgefahren.

Als Praktikant unten durch – an der Hand von Mama

Das jedoch ist nicht der richtige Weg, da sind sich die Personalverantwortlichen in den Betrieben einig. Praktikanten, die von Mama gebracht werden, sind bei vielen gleich untendurch. Und bei der Vergabe von Praktikumsplätzen gilt: Wenn Mama sich bewirbt, ist der Sprössling chancenlos. „Lassen Sie Ihre Kinder eigene Erfahrungen machen“, rät die Berufsberaterin Heike Stöcker: „Aber signalisieren Sie, dass Sie da sind, wenn Unterstützung gebraucht wird oder etwas schief geht.“

Viele Eltern treibt die Angst um, ihre Kinder könnten etwas verpassen, nicht gut genug ausgebildet sein, zu den Bildungsverlierern gehören. Akademiker fürchten, der Nachwuchs könnte unterhalb des eigenen Status landen. Viele Eltern unterschätzen den Einfluss, den sie auf ihre Kinder haben.

Lassen Sie Ihre Kinder eigene Erfahrungen machen.

Heike Stöcker, Berufsberaterin

Studien bestätigen: Kinder hören auf die Eltern

Eine Umfrage des Bundesamts für Berufsbildung hat 2013 ergeben, dass Mutter und Vater für die meisten Kinder die wichtigsten Ratgeber sind. Sie vertrauen ihren Eltern weit mehr als vorherige Generationen, das hat auch die Shell-Jugendstudie ergeben. Während junge Frauen auf Mama und Papa gleichermaßen hören, sind es bei den Jungs vor allem die Väter, die prägen.

Der Einfluss der Freunde ist diesen Studien zufolge schon deutlich geringer, Lehrer oder Berufsberater haben noch weniger zu sagen.

Sophie scheint nicht dazuzugehören. Ein Job in der Bank? „Bestimmt nicht“, sagt die 15-Jährige, während sich ihre Mutter mit einem jungen Sparkassen-Azubi unterhält. „Meine Mom macht sich viel zu viel Stress“, befindet die Tochter. In der 8. Klasse sollten die Jugendlichen mit dem Ausprobieren beginnen, zumindest, wenn sie sich eine duale Ausbildung vorstellen können. Praktika vordem Berufseinstieg sind heutzutage fast schon Pflicht – und sei es nur, um festzustellen, was man nicht machen will.

Jugendliche informieren sich auch ohne Eltern

Sophie hat sich mit ihrer Zukunft mehr beschäftigt als ihre Eltern denken. Unter anderem nahm sie an einem Kompetenzcheckteil, an ihrer Schule angeboten wurde. „Das war gut“, sagt das Mädchen. „Wir mussten uns selbst einschätzen und wurden von den anderen eingeschätzt.“ Kreativität, motorisches Geschick, kommunikative Fähigkeiten wurden ihr bescheinigt. „Wichtig ist, dass Eltern sich selber stärker über die Realität in den Berufen informieren“, sagt Angelika Puhlmann vom Bundesinstitut für Berufsbildung. Denn gerade die klassischen Ausbildungsberufe hätten sich über die Jahre stark verändert. Da wüssten die Jugendlichen meist besser Bescheid.

Die Bundeswehr ist für Sophie offenbar eine ernsthafte Alternative: „Oder Lackierer. Das fand ich echt interessant.“ Auch nicht gerade ein Bankjob. pm/je

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© Schwäbische Post 07.09.2017 16:26
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