Eintauchen in das Leben der Römer

Ausflugstipp In unserer Region finden sich noch viele Spuren der einstigen Hochkultur. Bei einer Tour durch den archäologischen Park des Limesmuseums Aalen erwacht die Geschichte zum Leben.
  • f08b0e9d-1a8c-49dd-a7d5-513c89a8aa61.jpg
    Foto: Ulrich Sauerborn, Limesmuseum Aalen
  • aecdab40-377c-4342-a440-b5d25d71f249.jpg
    Im archäologischen Park können Besucher viel bestaunen – zum Beispiel einen Römerkran. Foto: Ulrich Sauerborn, Limesmuseum Aalen
  • 8e5723c9-0b48-4a1b-8c8e-89d1c119aa09.jpg
  • afbec78c-dd83-4a40-8065-d5c03e15e3ee.jpg
  • b30118a9-30e4-4359-a83b-8503e0f4a64a.jpg
Bei der Ankunft am Limesmuseum denkt der Besucher zuerst, hier völlig falsch zu sein. Eine Baustelle, durch Bauzäune abgeriegelt, empfängt ihn. Ein großes Plakat am Zaun klärt dann auf: Das Limesmuseum wird derzeit umgebaut und ist bis Herbst 2018 geschlossen. Im ehemaligen Haus der Stadtgeschichte ist nun der Start zur Tour durch den archäologischen Park. Gut markiert findet der Römerfreund leicht dorthin. Hier erwartet den Gast alles Wissenswertes über die römische Zeit.

Leben rund um ein Kastell

Die Beschreibungen sind gut lesbar und einfach gehalten, sodass auch Kinder sie verstehen. Der Aufbau eines Kastells wird hier beschrieben, wie auch das Leben im und um das Kastell und alles wird mit Fundstücken veranschaulicht. Gerade für Kinder bietet der Ersatz des Limesmuseums auch einiges. So können hier Puzzle wie zur Zeit der Römer und Brettspiele aus dieser Zeit gespielt werden. Wer möchte kann sich als Römer verkleiden. Gerade im Sommer bietet die angenehme Kühle des Limesmuseumsersatzes eine sehr angenehme Atmosphäre.

Nun kann der Rundgang durch den archäologischen Park beginnen. Es geht über den St. Johann-Friedhof. Die hohen Bäume werfen einen angenehmen Schatten und die Tafeln berichten vieles über das Reiterkastell, welches hier stand. Die St.-Johann-Kirche die vor das ehemalige Haupttor des Kastells gebaut wurde hat in ihrem Fundament noch die Steine des Kastells.

Nutzung als Steinbruch

Das Kastell diente im frühen und hohen Mittelalter als Steinbruch. Das Besondere des Aalener Reiterkastells ist die Entfernung zum Limes. Während die anderen römischen Kastelle entlang des Limes gebaut wurden, ist dieses etwa fünf Kilometer entfernt. Hinter der Kirche sind die Grundmauern des Haupttores zu erkennen. An jeder Station wird auf Schautafeln erklärt, an welcher Stelle des Reiterkastells sich der Besucher gerade befindet und wie der archäologische Pfad weiterführt.

Friedhof ist auch ein Museum

Bei einem Spaziergang über den alten Friedhof fällt auf: Dieser ist selbst ein Museum. Hier erkennt man die Wandlung der Grabsteinkunst. Später sind auch römische Grabsteine zu sehen, sodass ein Vergleich leichtfällt. Auf diesem Friedhof werden seit dem Jahr 1952 keine neuen Gräber mehr angelegt, jedoch bleiben die Familiengräber erhalten und in diesen dürfen auch noch Bestattungen stattfinden.

Mächtige Leistungen

Leicht steigt der Weg an, wie es auch bereits zu der Zeit der Limes-Verteidigungs-Anlage war. Beim Eintritt in den Bereich des Haupthauses wird klar warum: Auf diese Art wirkten nämlich die Bauten viel mächtiger. Es wird dabei auch klar, welche Leistung die Römer – nicht nur mit dem Bau des Limes, sondern auch mit dem Bau der Kastelle – erbracht hatten.

Dieses Kastell war das größte nördlich der Alpen und es war durch seine Reiter außerdem auch sehr schnell bereit, den Limes zu sichern.

Die meisten Exponate des Limesmuseums befinden sich im Moment im Zentralen Fundarchiv des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg in Raststatt.

Im Bereich des ehemaligen Haupthauses sind ebenso interessante Ausstellungsstücke. Ein römischer Kran zeigt, wie zu jener Zeit die Steine bewegt wurden. Hier zeigt sich das technische Wissen und Verständnis. Es wird dabei klar, wie die Römer über die Jahrhunderte hinweg den Limes aufbauten.

Das Kastell auf dem das Limesmuseum gebaut ist, wurde einhundert Jahre genutzt. Interessante Bilder auf der Freifläche lassen diese längst vergangene Zeit virtuell wieder aufleben. Dadurch wird alles auch für Kinder sehr interessant und spannend.

Ein Unesco-Welterbe

Zwar ist die Zeit, als die Geschichten von Asterix und Obelix die Menschen an den Limes lockten, vorbei. Als Unesco-Welterbe wird das Limesmuseum von vielen Nationen besucht. So hört man neben der deutschen Sprache auch viele große und kleine Besucher, die sich auf englisch, niederländisch, italienisch oder auch spanisch unterhalten.

Das gesamte Areal gehört zum Welterbe, was selten ist. Der Besucher wandelt im sogenannten roten Bereich. Dieser wird deshalb so genannt, weil hier Plünderungen, Kunstraub sowie konfliktbedingten Zerstörungen verhindert werden sollen.

Park zum Verweilen

Der Park hinter dem Limesmuseum lädt auch zum Verweilen ein. Sitzbänke geben Gelegenheit sich auszuruhen. In den Bäumen des Friedhofes zwitschern die Vögel. Zur Zeit des römischen Reiterkastells ging es hier vermutlich lauter und hektischer zu. Von oberhalb des Stabsgebäudes, der höchsten Stelle des archäologischen Pfades, hat man einen wunderbaren Blick über die gesamte Anlage.

Innerhalb der alten Mauern sollten Besucher gutes Schuhwerk tragen. Grund: Auf dem Kies ist das Laufen sonst recht schnell eher unangenehm.

Bei einem näheren Blick auf die Schautafeln fällt auf, wie schwer es die Limeserbauer hatten. Sie waren in ihren Sandalen unterwegs. Dazu die schwere Ausrüstung, welche im nachgebauten Reitstall zu sehen ist. Sehr harte Bedingungen herrschten für die römischen Soldaten damals.

Faszinierender Rundgang

Ein Graffito an der Wand zeigt, dass es auch zur damaligen Zeit schon mit Humor genommen wurde. Nach diesem Rundgang steht der Besucher nun wieder vor dem Limesmuseum. Der 400 Meter lange Weg fasziniert, und die Zeit wird vergessen. Durch ein Drehkreuz geht es wieder hinaus zum Parkplatz vor der Stadthalle. Erst jetzt taucht man erneut ein – in die Gegenwart.

Weitere Informationen
Näheres zum Limesmuseum finden Interessierte unter: www.aalen-tourismus.de/kultur-tourismus.259.htm

zurück
© Schwäbische Post 08.09.2017 17:51
Ist dieser Artikel lesenswert?
459 Leser
Kommentar schreiben
nach oben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.