Den Frustrationen vorbeugen

Eine Befreiung von der Bewertung der Rechtschreibung bei LRS ist möglich. Doch die Probleme der Betroffenen bleiben.
Durchschnittlich leiden etwa 25 Prozent aller deutschsprachigen Schüler an einer Lese-/Rechtschreibschwäche, bis hin zu einer Störung (LRS), auch als Legasthenie bezeichnet. Sie verdrehen Buchstaben, können sich die richtige Schreibweise auch von vermeintlich einfachen Wörtern nicht merken, verrutschen beim Lesen häufig in der Zeile und lesen insgesamt oft viel langsamer als ihre Mitschüler.

Eine gute Deutschnote ist für diese Schüler – auch mit hohem Übungsauf-wand zu Hause –nicht zu schaffen. Die Folge: Konzentrationsschwierigkeiten, Frustration, Misserfolge, Prüfungsangst, Störungen des Familienklimas. Um ihnen diesen Druck zu nehmen, gibt es vielerorts Möglichkeiten, Schüler durch einen sogenannten Nachteilsausgleich von der Rechtschreibnote befreien zu lassen. Damit fällt zumindest für eine gewisse Zeit eine große Last von den Familien ab.

LRS für zur Verschlechterung in anderen Fächern

„Bleibt die LRS allerdings unbehandelt, weil es dafür keine schlechten Noten mehr gibt, verschlechtern sich meist auch die Leistungen in anderen Fächern“, erläutert Corinna Zeller, Institutsleiterin des LOS in Aalen und Heidenheim. Lesen und Schreiben werden in höheren Schulklassen zunehmend wichtiger. Spätestens bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz wird es für diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen dann kritisch: Der Einstellungstest entblößt gnadenlos die Lücken in der Rechtschreibung und beim Textverständnis. Aktuelle Studien zeigen deutlich, dass die Ausbildungsreife der Schüler eher abnimmt als zu. Hierbei spielt die Lese- und Rechtschreibfähigkeit, wie auch die Sprachkompetenz eine enorme Rolle.

„Eine Notenbefreiung sollte daher für Eltern kein Grund zum Aufatmen sein, sondern eine Aufforderung zum Handeln“, empfiehlt die zweifache Mutter Corinna Zeller. Denn nur durch eine gezielte pädagogische Förderung können die Probleme nachhaltig gelöst werden. Damit steigen nicht nur die Kompetenz und das Selbstvertrauen eines Schülers, sondern auch seine Zukunftschancen.

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© Schwäbische Post 13.09.2017 20:00
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