Wartung und Reparatur von Klavieren, Flügeln und Cembali

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Ein paar einfache Stücke auf dem Klavier zu spielen, bringt schon Erfüllung. Ein Klavier bietet den idealen Ausgleich zum Alltagsstress. Viele Menschen haben ein Klavier zu Hause, teils selbst gekauft, teils aus der Familie geerbt. Um den meisten Spaß und Genuss aus dem Instrument herauszuziehen, sollte es immer gewartet und auf dem neuesten Stand sein.

Klaus Striegel führt eine Werkstatt für die Wartung und Reparatur von Klavieren, Flügeln und Cembali. Sie ist sehr gut ausgestattet und eine seltene Institution in Württemberg. Um einen umfassenden Service bieten zu können, verfügt der Klavierbaumeister über diverse Kooperationen mit Fachgeschäften und anderen Klavierbauern. Er hat sein Herz bereits in den 80er-Jahren an Klaviere verloren. Für ihn sind sie Kulturgüter, deren Wert nicht voll erkannt wird.

Musikinstrumente aus Holz arbeiten. Holz reagiert auf Luftfeuchtigkeit, die vor allem in unseren Breitengraden aufgrund der ständigen klimatischen Schwankungen existiert. Bewegt sich das Holz, bewegen sich auch alle Teile in einem Klavier. Dadurch verstimmt es sich regelmäßig. Zudem sind mechanische Instrumente dem kontinuierlichen Verschleiß ausgesetzt. Typische Teile am Klavier sind unter anderem Hammer, Tastenführungen oder harte Pedalfilze. Die Mechanik kann haken oder bewegte Teile nutzen sich ab und werden locker. Die Tasten verändern ihre Farbe oder das Holz bleicht aus. Die ständigen Veränderungen sind für den Laien oder gelegentlichen Spieler des Klaviers nicht deutlich erkennbar. Erst im Vergleich mit einem gewarteten und reparierten Instrument hört man dann den deutlichen Unterschied. Alle zehn bis 15 Jahre steht deshalb eine Überholung des geliebten Instruments an.

Doch auch versehentlich herbeigeführte Schäden können einen Besuch in der Werkstatt zur Folge haben. Dazu gehören das berühmte umgekippte Sektglas während einer Feierlichkeit oder die verschüttete Kaffeetasse beim Frühstück. Leider nehmen in den letzten Jahren Unwetter immer mehr zu. Auch in diesem Zusammenhang kommt es immer wieder zu Wasserschäden. Diesen Unfällen sollte umgehend nachgegangen werden, um schwerere Spätschäden zu vermeiden.

Häufig merken Klavierbesitzer den Reparaturbedarf erst, wenn Stücke nicht mehr so flüssig gespielt werden können. Manchmal verschiebt sich auch die Tonhöhe, Stücke hören sich schräg an. Spätestens dann sollte die Wartung mit einem Fachmann detailliert besprochen werden. Klaviere sind wie alte Möbelstücke, die oft nur eine Auffrischung benötigen. Eine Entsorgung ist nur in trostlosen Fällen notwendig. Doch auch das übernimmt der Fachmann inklusive Zerlegung gerne. Im Gespräch mit dem Klavierbauer kann der Kunde dann entscheiden, ob er nur eine Grundreparatur oder eine komplette Instandsetzung bis hin zum neuwertigen Zustand wünscht.

Klaviere sollten kein trauriges Dasein in der Ecke fristen. Sie sind wunderschöne, individuelle Möbelstücke, die über mehrere Generationen weitergegeben werden können. Auch die junge Generation sollte sie nicht als Wegwerfartikel ansehen, sondern als kostbares Kulturgut in den eigenen vier Wänden. Kleinere Blessuren sollten nicht zur Entsorgung führen. Solange die Grundsubstanz erhaltenswert ist, sollte eine Instandsetzung in Betracht gezogen werden. Der ideelle Wert ist dabei natürlich niemals bewertbar.

Der Trend geht die vergangenen Jahre zum neuen oder neuwertigen Klavier als integriertes Möbelstück im gemütlichen Wohnambiente. Das Klavier des Großvaters muss ins moderne Design der Wohnung des Enkels passen. Die junge Generation entwickelt langsam ein Bewusstsein für wertige Kulturgüter und deren Erhaltung. Denn Klaviere sind Kulturgüter, die 100 Jahre zurückreichen und eine Geschichte erzählen.

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© Schwäbische Post 28.10.2016 11:09
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