Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt

Der Weihnachtsmarkt in Stuttgart gehört nicht nur zu den schönsten Märkten seiner Art in Europa, sondern auch zu den ältesten – über 300 Jahre hat er bereits auf dem Buckel. Doch stets lassen sich die Betreiber und Aussteller etwas neues einfallen, um ihn interessant zu machen. Heißes Bier und Rentierschinken sind nur ein paar dieser Ideen.

  • 1418818948_phpNvOjIM.jpg
    Auf dem Weihnachtsmarkt lassen sich viele schöne Andenken kaufen. Z.B. Individuelle Christbaumkugeln. Bildrechte: Flickr Weihnachtsmarkt2008-003 David Blackwell. CC BY 2.0
Jahrhundertealte Tradition


Ein Markt der Superlative in der Baden-Württembergischen Hauptstadt: Er gehört zu den schönsten, ältesten und größten Weihnachtsmärkten in ganz Europa. Die Wurzeln des Marktes reichen zurück bis ins Spätmittelalter: Im Jahr 1507 überlässt Ulrich von Württemberg der Stadt ein Marktprivileg, die fortan das Standgeld selbst einnehmen konnte. Die erste Erwähnung eines Weihnachtsmarktes indes stammt aus dem Jahre 1692; entstanden ist er vermutlich aus einem alten Pferdemarkt, aus dem sich ein Jahrmarkt entwickelte, der sich zeitlich immer mehr dem Weihnachtsfest annäherte. Ab 1780 legte man den Beginn des Marktes, der noch immer mehr einem Jahrmarkt mit Gauklern und Tiervorführungen glich, auf den dritten Adventssonntag fest. Der Markt gewann an Zulauf: Man stellte den Viehmarkt ein und kaum ein dreiviertel Jahrhundert später boten bereits etwa 1.200 Händler ihre Waren an, die teilweise noch recht neu und aufregend waren: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa konnte man hier neben Haushaltswaren spannende Geräte wie Grammofone erstehen. Aus all dem entstand dann irgendwann der „Christkindleinmarkt", wie man ihn heute kennt.

Interessante Aktionen


Heute lockt der Stuttgarter Weihnachtsmarkt jedes Jahr um die 3,5 bis 4 Millionen Besucher aus dem In- und Ausland an. Der Markt, der sich rund um das Alte Schloss und den Marktplatz befindet, wurde in den 1970er Jahren auf den Schillerplatz ausgedehnt und erhielt zu jener Zeit seine heutige Größe. Die bis zu 290 Stände bieten dabei allerhand Traditionsreiches und Leckeres an, wie etwa Glühwein, Holzspielzeug, Kunsthandwerk, Süßwaren, Gebäck, Schmuck und alles, was zu Weihnachten dazugehört. Damit der Besucherstrom nicht abbricht, lassen sich die Veranstalter Jahr für Jahr etwas neues einfallen. Das „Café Sarah" etwa bot bereits heißes Bier mit Kirschsaft und Gewürzen auf dem Markt an, eine interessante Neuerung und Abwechslung zum Glühwein. Vielleicht halten so bald auch neue Sorten Einzug: Belgisches Amberbier, das man hier sogar online bekommt, schmeckt würzig-karamellig und passt zum Weihnachtsfest. Vielleicht wurde damit ein neuer Trend losgetreten, wie man schon im letzten Jahr in Berlin beobachten konnte: Dort wurden beim „WeihnachtsZauber" auf dem Gendarmenmarkt über 80 verschiedene Craft-Beer-Sorten angeboten, allerdings kalt.

Finnisches Flair auf dem Karlsplatz


Doch neben heißem Bier hat der Markt noch einiges mehr zu bieten: Ein tolles Rahmenprogramm rundet den Besuch ab. Dazu gehören viele Angebote für Kinder wie nostalgische Karussells, eine Kerzen-Werkstatt oder eine Fahrt in der Mini-Dampflok. Aber damit nicht genug Ausgefallenes: Auf dem Karlsplatz läuft parallel zum Weihnachtsmarkt ein Antikmarkt, der mittlerweile viele Sammler zur Weihnachtszeit in die Landeshauptstadt holt. Relativ neu ist das finnische Weihnachtsdorf, das ebenfalls dort stattfindet: Seit etwas mehr als zehn Jahren besteht das Dorf und ist somit zu einem festen Bestandteil der jährlichen Stuttgarter Vorweihnachtszeit geworden. Hier kann man zum Beispiel Rentierfleisch mit Preiselbeeren oder Flammlachs verköstigen. Auch auf den deutschen Glühwein gibt es eine nordische Antwort: Glögi, finnischer Beerenglühwein. Auch wird hier finnische Handwerkskunst präsentiert wie etwa Vuolukoulu, eine kunstvolle Schnitzkunst, bei der man Holzvögel herstellt. Finnische Mode und Textilien haben hier ebenso ihren Platz wie – und so schließt sich der Kreis – finnisches Bier. Ein Besuch lohnt sich.

zurück
© Schwäbische Post 17.12.2014 13:22
Ist dieser Artikel lesenswert?
1532 Leser
Kommentar schreiben
nach oben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.