Das Geschäft mit der Kunst: Naiv oder clever?

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    Foto: ©Flickr, Tate Britain/ Matt Brown
Das Auktionshaus Christies hatte in diesem Jahr schon einige Gründe zum Feiern. Unter anderem kam Picassos Gemälde "Les femmes d'Alger (Version "O")" für schlappe 179,4 Millionen unter den traditionsreichen Hammer und ist damit das teuerste Kunstwerk aller Zeiten. Zuletzt hatte das Werk 1997 für gerade einmal 31,9 Millionen Dollar den Besitzer gewechselt. Die Preise für Kunstwerke zogen in den letzten Jahren stark an, und werden angeführt von Namen wie Pablo Picasso, Claude Monet und Andy Warhol. Doch auch abseits dieser Spitzenpreise lässt sich eine Veränderung auf dem Kunstmarkt beobachten. Vor allem gesellschaftlich hat das Kunstsammeln einen Wandel erfahren. Während es vor einiger Zeit noch elitären Kreisen vorbehalten war, ist es heute ein angesagtes und schickes Hobby und für manchen Investor eine lukrative Geldanlage. Doch gerade der letzte Punkt ist mit Vorsicht zu genießen.

Der Markt ist unvorhersehbar

Experten warnen vor unbedachten Investitionen. Wer meint, mit Kunst eine sichere Geldanlage zu wählen, sei naiv. Schließlich ist der Kunstmarkt im ständigen Wandel und damit unvorhersehbar. Ein heute noch hoch gefeierter Künstler kann morgen schon wieder ein Niemand sein. Wertsteigerung und -verlust sind demnach nicht kalkulierbar. Ohne intensive Beratung und entsprechendes Know-how wird die Investition in Kunst schnell zum reinen Spekulationsgeschäft. Doch gerade Risiko und Ungewissheit scheinen für einige Hobby-Investoren den Reiz beim Kunsthandel darzustellen. Wie am Spieltisch, brauchen Sammler das richtige Gefühl und ein glückliches Händchen. Doch wenn überhaupt, kann man erst nach Jahren oder Jahrzehnten eine nennenswerte Wertsteigerung feststellen – dafür sind die Gewinnsummen unter Umständen enorm.

Kunst sammeln mit kleinem Budget

Wer trotz des unsicheren Marktes das ein oder andere Kunstwerk als Kapitalanlage erstehen möchte, muss keineswegs Millionensummen investieren. Erling Kagge, Verleger und Kunstsammler, hat eigens einen Ratgeber herausgebracht, der "arme Sammler" ansprechen soll. Kunstinteressierte mit kleinerem Geldbeutel sollten laut seinen Tipps zunächst mit drei Werken beginnen. 5.000 Euro hält Kagge für ein sinnvolles Einsteigerbudget. Sein Tipp: Werke aus nummerierten Editionen, die schon für wenige Hundert Euro pro Bild erhältlich sind. Alternativ dazu kann man sein Erspartes auch in Kunstfotografien investieren. Editionsgalerien wie LUMAS verkaufen handsignierte und nummerierte Fotografie in Auflagen von 75 bis 150 Exemplaren. Ein weiterer Tipp vom Experten: Kunstmagazine abonnieren und die Anzeigen durchstöbern. Bei der Wahl der Bilder rät er davon ab, lange nachzudenken und nur nach eigenem Geschmack zu kaufen: "Man muss einfach anfangen zu kaufen! Wenn man nur erwirbt, was einem gefällt, mag das gut sein für den Platz überm Sofa. Aber wenn man etwas besitzt, das sperrig ist, hat man länger davon, weil man sich dauernd damit auseinandersetzen muss. Man muss dem eigenen Geschmack immer voraus sein."

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© Schwäbische Post 31.07.2015 09:40
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