Edles und Langlebiges aus Stein

Trend Marmor galt einst als protzig, angestaubt und wenig zeitgemäß. Doch neue Technologien machen ihn mittlerweile zu einem beliebten Material für Designer. Dabei entstehen auch ausgefallene Dinge.
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    Foto: Agapecasa
Das Material ist faszinierend“, findet der Designer Richard Hutten aus Rotterdam. „Die Oberfläche ist zugleich massiv und doch weich, sie fühlt sich niemals kalt an, obwohl es sich ja um Stein handelt“, beschreibt Hutten das Trendmaterial.

Hutten hat sich jüngst gemeinsam mit seinen Kollegen Michael Young und Jerszy Seymour für das Ausstellungsprojekt „Friends + Design“ im sächsischen Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz dem Marmor gewidmet. Sie entwarfen einen ganz besonderen Tisch. Dieser setzt sich aus zwei Unterteilen – dem von Seymour mit rau-gebrochenen Kanten und dem elegant-symmetrischen von Young – sowie einer Deckplatte zusammen. Letztere stammt von Hutten. Er verzierte die Platte mit verschiedenen Ornamenten, darunter das stark vergrößerte Muster einer Samenkapsel.

Warum wird das Material gerade jetzt so beliebt? Marmor wirkt archaisch und echt, er ist schwer und massiv. Außerdem befriedigt er den Wunsch nach Originalität und Natürlichkeit. Aber die Arbeit mit Marmor ist steinalt: Auf der griechischen Insel Paros wird das Material schon seit dem 7. Jahrhundert vor Christus abgebaut, das italienische Marmor-Mekka Carrara liefert das Gestein seit dem 2. Jahrhundert vor Christus. Dort ist es in der reinsten Qualität zu finden, nämlich weiß mit feinen grauen Adern.

Die Maserung zeichnet das sogenannte weiße Gold aus, denn niemals gleicht ein Stück dem anderen. So entsteht aus jedem Block und aus jeder Platte stets ein Unikat. Das gilt ebenso für Marmor in Rosa, Grün, Schwarz, Braun oder Orange.

Mit Marmor zu arbeiten ist jedes Mal eine Herausforderung.

Ferruccio Lavianis, Künstler

Auch die Designerin Nadine Schaub aus Basel widmet sich nun dem Rohstoff – für ein ungewöhnliches Produkt. Sie hat eine mechanische Küchenwaage entworfen, die auf einer Marmorplatte fußt. Nach all den digitalen Neuheiten gebe es wieder ein verstärktes Verlangen nach Individualität.

Das gleiche gilt fürs Wohnen. Piero Lissoni lässt die wollweißen Polster seines Sofasystems namens Avio für Knoll optisch über einer Marmorplatte schweben. Sie fungiert sowohl als seitlicher Couchtisch, als auch als eine rückwärtige Konsole. Und Lissoni bringt Marmor mit Holz und farbigem Glas in seinem Sideboard Matrioska in Einklang zusammen.

Und sogar Leuchten werden inzwischen aus dem Stein geformt: Ferruccio Lavianis Modell namens Totem für Citco ist in drei farbigen und zwei goldadrigen weißen und schwarzen Varianten erhältlich. Der Kreative aus Mailand sagt: „Jedes Mal, wenn ich mit Marmor arbeite, ist das sehr spannend, denn es ist eine richtige Herausforderung, dieses Material immer wieder aufs Neue ganz anders aussehen zu lassen.“ dpa

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© Schwäbische Post 07.07.2017 17:44
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