Kreative Autoren auf der Ostalb

Schriftsteller spinnen spannende Storys und interessante Sachbücher für ihre Leser. Von
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    Frida Hachtel (links) und Hajo Stühler (rechts) lassen sich vom Autor Markus Hoffmann (Mitte) ihr persönliches Exemplar signieren.

Die Ostalb ist ein kreatives Fleckchen Erde. Das merkt man nicht nur an den zahlreichen Malern und Fotografen, die regelmäßig zu ihren Vernissagen laden. Auf der Ostalb wird auch fleißig geschrieben. Neben Kletterführern, Radtour Guides, Bildbänden sowie Märchen und Sagen entstehen in den letzten fünf Jahren immer mehr Romane und Krimis, die auf der Ostalb spielen oder von Ostälblern verfasst wurden.

Marita Ruess skizziert „Tödliche Bilder“ in ihrem Ostalbkrimi. Jochen Bender ist auf der Suche nach dem Geld in „Die Millionen von Neresheim“. Junge Autoren messen sich mit ihren Kurzgeschichten in literarischen Wettbewerben an Schulen. Ellwangen lebt Integration mit dem Projekt „Eine Stadt schreibt ein Buch“. Anja Jantschik stolpert in „Blutgarn“ über die eine oder andere Leiche. Carolin Hachtel bringt Kindern mit „Florentino Florian“ die Feuerwehrarbeit auf der Ostalb näher. Offensichtlich regt die Region die Fantasie der Schriftsteller kräftig an. So ergeht es auch den drei Autoren Karin Müller, Markus Hoffmann und Joy Valley.

Karin Müller fing mit Kindergeschichten an. „Irgendwann wollte ich mal was ‚Gscheits’, sprich was Umfangreicheres.“ erklärt die Westhausenerin ihren Einstieg in die Schreiberei. Inzwischen existieren von ihr fünf Romane und ein Sachbuch. „Es ist für mich spannend, die verschiedensten Themen zu recherchieren, dabei was zu lernen und dann in eine fiktive Handlung reinzubasteln.“ erzählt sie zu ihrer Motivation für das Schreiben. Müller hat sich den romantischen Geschichten verschrieben. Diese verpackt sie gerne in Familienzwistigkeiten, Trauer und Leid, Freude, Humor und Liebe. Ihre Schauplätze sucht sie nach dem eigenen Gefallen aus und ergänzt sie dann mit regionalen Themen. Für die Reifung des Buches benötigt die Autorin von der allerersten Idee bis zum gedruckten Exemplar etwa vier Jahre. Sie arbeitet parallel an unterschiedlichen Projekten, jedes steckt dementsprechend in einer anderen Phase des Entstehungsprozesses. „Es ist ja nicht nur das Schreiben aneinander gereihter Sätze!“ gibt sie zu bedenken. Aktuell entstehen ein weiterer Roman mit dem Schauplatz des Biosphärenparks der Kärntner Nockberge und ein kleines Sachbuch über eine ganz besondere, kostbare Pflanze. „Mehr wird aber nicht verraten!“ winkt Müller lachend ab.

„Ich glaube, jeder Autor wünscht sich einen großen Leserkreis und viele Rückmeldungen. Das macht Mut zum Weiterschreiben.“ antwortet Karin Müller auf die Frage, was sie sich von ihren Büchern verspricht. Auf dem Weg dahin hält sie sich am liebsten an den Schauplätzen selbst auf, um alles vor Ort zu haben, wenn sie recherchieren muss. „Ich fotografiere vieles und habe alles bildlich vor mir. Wenn dann die ersten Kapitel in Rohform stehen, kann ich überall schreiben.“ berichtet sie zu ihrer Vorgehensweise. Doch dann schlägt sie tatsächlich einen eher klassischen Weg ein. „Meine Figuren schnipple ich aus Katalogen aus, klebe sie auf Plakate und hab sie so immer vor mir. Im Herbst werden die Sommerfiguren dann mit ausgeschnittenen Winterklamotten beklebt! Dann geht’s ganz altbacken weiter: mit Füller und Papier! Von Anfang bis Ende der Buchstaben! Danach tippe ich alles bei ersten Korrekturen und Überarbeitungen in den PC.“ lächelt sie verschmitzt.

Zukünftigen Schreiberlingen rät Müller, einfach anzufangen. „Tut es, auch wenn anfänglich alles endlos und chaotisch erscheint.“ ermuntert sie. Ihre Empfehlung lautet, sich nicht in ein Konzept von scheinbar sinnmachenden Methoden drängen zu lassen. „Probiert selbst aus, wie Euch das Recherchieren und Schreiben am meisten Spaß bereitet!“ gibt sie als wertvollen Tipp mit auf den Weg. Sie selbst habe so ihre Arbeitsweise entwickelt und auch schon mehrfach bei jedem neuen Buch über den Haufen geworfen.

Markus Hoffmann wünscht allen Neueinsteigern sehr viel Kraft und Disziplin für ihr Erstlingswerk. „Neben aller Freude am Schreiben, was ich persönlich für das Wichtigste halte, gehört das einfach dazu, um bei der Sache zu bleiben.“ weiß er aus eigener Erfahrung. Die Fertigstellung seines ersten Krimis zog sich aufgrund eines Umzugs in die Länge. Doch kurz nach der Veröffentlichung von „Tödliche Triplette“ arbeitet er bereits an seinem nächsten Werk. „Es ist wie ein Sog, der mich an den Schreibtisch zieht. Ich denke, dass ich in circa zwei Jahren mit dem neuen Krimi fertig sein werde.“ berichtet er von seiner Sucht nach dem Schreiben.

Der gebürtige Ellwanger schreibt in erster Linie, weil es ihm Freude bereitet. „Wenn das fertige Produkt auch noch positive Resonanz erfährt und der Leserschaft gefällt, was ich zu Papier gebracht habe, dann bin ich schon sehr zufrieden.“ bestätigt auch er in Hinblick auf die Motivation hinter dem Schreiben. Bezüglich einer Veröffentlichung hat er erst ernsthaft nachgedacht, als das Buch schon fast fertig war. „Eine Agentur oder einen Verlag zu finden, ist heute nicht mehr ganz so einfach. Da heißt es, nicht entmutigen lassen, dran bleiben.“

Krimiautor war Markus Hoffmann nicht von Anfang an. „Bei mir kamen da mehrere Impulse zusammen. Während eines Urlaubs hatte ich das Bedürfnis, die Landschaft zu beschreiben, in der wir uns zu diesem Zeitpunkt aufhielten. Ich schnappte mir Block und Stift und schrieb einfach drauf los. Plötzlich schwamm im Fluss eine Leiche. Obwohl ich kein ausgesprochener Krimileser bin, nahm mein Buch dann doch sehr schnell den Weg in Richtung dieses Genres.“ erinnert sich Hoffmann an die Anfänge. Er spürte sofort, dass ihm diese Form, seinen Eindrücken, Vorstellungen und Gefühlen Ausdruck zu verleihen, sehr viel Spaß machte. Hinzu kam, dass Außenstehende das dabei auf Papier Gebrachte als lesbar und interessant bewerteten. Doch Hoffmann war auch auf der Suche nach einem Ersatz für das entstandene Loch in seinem kreativen Dasein. „Nach meinem Wegzug aus Aalen hatte ich meinen Bass in die Ecke gestellt und holte ihn nur noch gelegentlich hervor, um mit Bekannten zu musizieren.“ bedauert er. Allerdings wurde das Schreiben schnell zu einem persönlichen Muss. „Es drängte mich fast täglich an den Schreibtisch. Hatte ich keine Zeit, entwickelte ich meine Geschichte trotzdem weiter und nutzte natürlich die nächstbeste Gelegenheit, um meine Konstruktion in Worte zu fassen.“ spielt er wieder auf den Suchtfaktor an.

Entgegen Karin Müller zieht sich Markus Hoffmann lieber in sein stilles Kämmerlein zurück, um in Ruhe seiner Kreativität freien Lauf lassen zu können. „Mein Arbeitstisch ist 2,40 Meter lang, ich kann mich also richtig ausbreiten und es sieht manchmal verheerend aus.“ grinst der smarte Lehrer. Nur dann kann er detailliert soziale und gesellschaftsrelevante Aspekte beleuchten. „Der Kriminalroman ist ein hervorragendes Medium dafür. Allerdings kam bei mir noch die neuere Historie dazu. Biographische Elemente aus dem Leben meines Onkels, der nach dem Zweiten Weltkrieg einen ähnlichen Weg gegangen war, wie der Hauptprotagonist meiner Parallelgeschichte, waren für mich sehr inspirierend.“ beschreibt Hoffmann den Spagat, eine geschichtlich interessante Zeit mit dem Jetzt und Heute zu verflechten. Südfrankreich, die dortige Lebensart und sein geliebtes Boule-Spiel, eine fantastische Bühne, auf der sich die Protagonisten durch Raum und Zeit annähern und auf der es letztlich auch zum unausweichlichen Showdown kommt, seien für ihn Ideengeber gewesen.

Joy Valley bezog die Ideen für ihre Reiseberichte spontan aus ihren verrückten Reisen. „Nach meiner ersten Tour dachte ich irgendwann, so bekloppt sind nur wenige, das müsste man mal aufschreiben. Bei der zweiten Tour führte ich bereits Tagebuch und wusste von Anfang an, dass ich darüber berichten wollte.“ erzählt die Mitt-Dreißigerin. Das Geldverdienen mit den Büchern stand für sie nicht im Vordergrund. Sie wollte einfach nur schreiben und ihre Abenteuer für die Nachwelt und als eigene Erinnerung festhalten. Doch für ihr neues Buch hat sie das Genre gewechselt und reiht sich in die Riege der Lokal-Krimiautoren ein. „Dank der schönen Natur und den schnuckeligen Örtchen bietet die Ostalb doch eine tolle Bühne für Krimis.“ gibt die gebürtige Mainzerin gerne zu. Über die Geschichte möchte sie noch nichts verraten. Schließlich lebt ein Krimi von der Spannung. Die Handlung entstand nach und nach in ihrem Kopf. Immer wieder kamen neue Punkte hinzu, andere fielen weg. „Eines Tages setzte ich mich hin und schrieb die ganzen wirren Gedanken mal zusammen. Ansonsten wären sie im Alltag untergegangen. Denn dort entstanden sie auch, einfach nur durch Beobachtungen und Vorkommnisse in meinem Leben.“

Der Entstehungsprozess von Reiseberichten und Krimis könnte unterschiedlicher nicht sein. Die ersten beiden Bücher schrieb Joy Valley zeitnah zu den Reisen und innerhalb weniger Wochen, um Eindrücke nicht verblassen zu lassen. Zudem ergab es sich in beiden Fällen, dass sie ihre Projekte ohne große Ablenkungen verfolgen konnte. „Der Lokalkrimi schreibt sich ganz anders. Erstmal reifte die Idee sehr lange, entwickelte sich schrittweise. Jetzt sitze ich blockweise an der Realisierung. Mal kann ich mehrere Tage hintereinander investieren und mich um das Schreiben kümmern. Dann vergehen Wochen, in denen ich keine Zeit finde. Der Einstieg zurück in die Geschichte kostet dann jedes Mal Zeit. Man muss anknüpfen können und will ja auch wieder den richtigen Tonfall treffen.“ berichtet die Autorin. Doch sie lässt sich nicht entmutigen und folgt ihrem eigenen Rhythmus. An kalten Tagen kuschelt sie sich auf dem Sofa ein, um in die richtige Stimmung zu kommen. Mit dem Laptop auf dem Schoß und einer Tasse heißer Schokolade in der Hand feilt sie dann weiter an Komplotten und der Jagd nach dem Täter. „Im Sommer verlagere ich meine Schreibwerkstatt gerne auf den Balkon, genieße dort die wärmende Sonne und lausche den Klängen der Natur. Zum Endspurt brauche ich aber richtig Ruhe, da werde ich mich vermutlich ins Ausland zurückziehen.“

Einen wichtigen Tipp möchte Joy Valley allen künftigen Schriftstellern weitergeben. „Ich würde nicht mit dem Ziel starten, einen Bestseller mit Millionenauflage schreiben zu wollen. Solch erfolgreiche Autoren kann man an einer Hand abzählen. Meistens sind sie schon länger im Geschäft und feiern plötzlich ihren Durchbruch.“ weiß sie durch diverse Besuche von Buchmessen und dem Netzwerken mit anderen Autoren. Auch Karin Müller und Markus Hoffmann leben nicht von ihren Büchern. Die Vermarktung nimmt nach der Veröffentlichung sehr viel Zeit in Anspruch. Die Erstellung einer Webseite, zahlreiche Lesungen, die Verbreitung in den (sozialen) Medien, Präsenz auf Buchmessen, das Kontaktieren von potentiellen Kooperationspartnern und viele weitere Maßnahmen bedeuten einen großen Aufwand.

So veröffentlichen Sie Ihr Erstlingswerk

Um ihre Bücher zu veröffentlichen, haben Karin Müller, Markus Hoffmann und Joy Valley verschiedene Methoden gewählt. Man unterscheidet zwischen dem Weg über Agenturen, der Direktansprache eines Verlags oder dem Self-Publishing. Agenturen prüfen das Manuskript auf seine Marktchancen und nehmen bei positiver Bewertung den Autor unter Vertrag. Durch das vorhandene Netzwerk mit Verlagen ist die Wahrscheinlichkeit hoch, veröffentlicht zu werden. Alternativ kann sich der Autor auch direkt an Verlage wenden. Dazu sollte man zuvor ganz genau selektieren, welcher Verlag zum Buch passt. Massenmails bringen in diesem Fall gar nichts, meist wird um Einsendung von Anschreiben, Exposé und Leseprobe per Post gebeten. Das Auswahlverfahren kann dementsprechend lange dauern, da bei den Verlagen täglich unzählige Manuskripte eingehen. Experten warnen vor Druckkostenzuschussverlagen. Sie haben den Ruf, so ziemlich jedes Manuskript anzunehmen und ihr Geld mit den hohen Druckkostenzuschüssen für die Veröffentlichung von jedem Autor zu verdienen. Dann wählt man besser das Self-Publishing. Hierfür gibt es inzwischen zahlreiche Dienstleister, die eine ISBN zur Verfügung stellen und den Druck auf Abruf sowie die Präsentation in Online-Buchhandlungen übernehmen. Seit einigen Jahren bieten sie zudem die Umwandlung des Manuskripts in ein eBook an, einer mittlerweile sehr populären Darbietungsform von Büchern. Wer sich nicht auf einen Dienstleister verlassen möchte, kann die Organisation der Veröffentlichung auch selbst in die Hand nehmen. Im einfachsten Fall gibt man das Buch an eine Druckerei, lässt eine feste Anzahl Exemplare drucken und vermarktet diese dann persönlich in Buchhandlungen, im Internet oder bei Lesungen. Für eBooks ist dies ebenfalls möglich. Wichtig ist generell, dass sich das Buch flüssig liest, keine Rechtschreib- und Grammatikfehler aufweist, korrekt formatiert wurde und wertvollen beziehungsweise gut recherchierten Inhalt bietet, egal ob Sachbuch oder Roman. Daher sollten auf alle Fälle Familie, Freunde oder professionelle Lektoren einen Blick darauf werfen, bevor es in den Druck geht.

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© Schwäbische Post 20.07.2017 11:58
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