Das Sicherheitsgefühl stärken

Wohnen Unterstützt und beraten durch die Polizei können Bewohner ihr Haus besser schützen und es Einbrechern schwierig machen.
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    Foto: Daniel Maurer/dpa-mag
Einbrecher stürmen ins behütete Zuhause, wühlen in Schränken und Kommoden herum. Meist stehlen sie nicht nur Schmuck oder Geld, sondern verletzen auch die Privatsphäre der Betroffenen. Wer sich und sein Zuhause schützen will, kann sich Hilfe holen. Die Polizei bietet kostenfrei eine persönliche Beratungen im ganzen Bundesgebiet an.

Ein Hausbesuch in einem beschaulichen Dorf nahe Günzburg in Bayern: Ralph Müller kontrolliert als Erstes den Eingangsbereich. Er rüttelt kräftig mit beiden Händen an der verglasten, schweren Tür. Als nächstes inspiziert der Polizeihauptkommissar das Türschloss. Oft bevorzugen Einbrecher die Eingangstür – und nicht die Fenster. Denn viele Menschen sperren die Haustür nicht ab, sondern lassen sie nur ins Schloss fallen. Das erleichtert den Dieben den Job. Zumal sich Einbrecher Haushalte suchen, „in die sie schnell und einfach reinkommen“, sagt Müller. Der Berater für Einbruchschutz besucht rund 200 Haushalte im Jahr. Dabei geht er immer das ganze Haus und den Garten ab. Müller ist für das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West zuständig – das Gebiet reicht von Neu-Ulm an Bayerns Grenze zu Baden-Württemberg bis ins Allgäu.

In der Doppelhaushälfte aus dem Jahr 1985 fällt Müller sofort die Terrassentür ins Auge – seinen Worten nach ein „super Oldtimer“. Auch wenn das Hartholz gut erhalten ist und die Tür einwandfrei schließt, gibt er zu bedenken, dass nicht mehr alles auf dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik sei. Immerhin haben die Besitzer nachgerüstet: Ein sogenanntes Doppelflügelschloss auf den Rahmen gesetzt. „Das hält eine Tonne Last aus – gut“, so das Fazit des Experten.

Der Kriminalhauptkommissar will bei seinem Besuch auch dafür sensibilisieren, dass überall gestohlen wird. Laut Studien vornehmlich Schmuck und Bargeld. Dennoch rät der Experte, in den Schutz zu investieren. Denn die Schäden an der aufgebrochenen Tür und an dem ausgehebelten Fenster können ins Geld gehen. Laut einer Statistik des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beträgt der Schaden im Durchschnitt 3250 Euro pro Fall.

Einbrecher suchen Häuser, in die sie leicht reinkommen.

Ralph Müller, Polizeihauptkommisar

Außerdem hat jeder Einbruch eine psychologische Ebene: Wenn Einbrecher ins Zuhause eindringen, kann das Gefühl verloren gehen, ein sicheres, behütetes Zuhause zu haben. Das bestätigt Carola Wacker-Meister vom Opferschutzverband Weisser Ring: „15 bis 20 Prozent aller Einbruchsopfer müssen mit langfristigen psychosomatischen Belastungen kämpfen.“ Das „Sicherheitsgefühl“ spricht Müller in seiner Beratung oft an. Dieses Gefühl kann jeder durch Maßnahmen am eigenen Haus stärken.

Doch Vorsicht: Nicht alles was stabil und sicher wirkt, ist es auch. Die Bewohner der Doppelhaushälfte haben einen defekten Türgriff im Kellereingang gegen einen Beschlag mit Zieh- und Bohrschutz austauscht. Das Türblatt ist aus Stahl. Müller rüttelt fest an der Tür und stellt fest: Nur zwei Sicherheitszapfen umfassen das Schloss der Brandschutztür – eine sogenannte Vampirschließung. Diese lässt sich schnell aushebeln. Müller empfiehlt: „Ein John-Wayne-Riegel wie in den Western“, der innen quer über das ganze Türblatt gelegt werden kann. Dann lässt sich die Tür nicht mehr von außen öffnen. dpa

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© Schwäbische Post 28.07.2017 16:56
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