Im Vorfeld gut durchrechnen

Hausbau Mit oder ohne Einliegerwohnung? Bei der Planung eines Neubaus sollten Häuslebauer alle Vor- und Nachteile genau abgewägen.
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    Julia Wagner ist Referentin beim Eigentümerverein „Haus & Grund“. Foto: Die Hoffotografen/dpa-mag
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    Foto: Christin Klose/dpa-mag
Bei der Planung des Eigenheims können Bauherrn überlegen, ob eine Einliegerwohnung für sie interessant ist – mit all ihren Vor- und Nachteilen. Für einige lohnt sich die Investition.

Dafür spricht unter anderem, dass der Bauherr zusätzliche Mieteinnahmen bekommt. „Sie sind der häufigste Grund, sich für eine Einliegerwohnung zu entscheiden“, sagt Julia Wagner vom Eigentümerverband „Haus & Grund“ Deutschland. Sie rät, im Vorfeld genau durchzurechnen, ob die Mieteinnahmen die zusätzlichen Kosten decken. Möglich ist auch eine Vermietung als Ferienwohnung.

Eine Einliegerwohnung ist auch ideal als Alterssitz für die Eltern. „Sie leben in ihrer eigenen Wohnung, sind aber nah bei den Kindern“, ergänzt Wagner. Wichtig dabei ist, an Verwandte nicht wesentlich unter dem Marktwert zu vermieten. Sonst sind die mit der Vermietung zusammenhängenden Kosten steuerlich nicht voll abziehbar.

Mieter bessert Rente auf

Alternativ wird die Einliegerwohnung oft auch vermietet, wenn die Kinder aus dem Haus sind. Mit den Mieteinnahmen kann man die Rente aufbessern. Braucht der Vermieter im Alter täglich Hilfe, kann in die angeschlossene Wohnung im selben Haus eine Pflegekraft einziehen.

Klappt das Miteinander gar nicht, hat der Vermieter ein Sonderrecht auf Kündigung.

Annett Engel-Lindner
Immobilienverband Deutschland

In jedem Fall sollte die Chemie stimmen, wenn Vermieter und Mieter unter einem Dach wohnen. Allerdings gilt bei einer Einliegerwohnung: „Klappt das Miteinander gar nicht, hat der Vermieter ein Sonderkündigungsrecht“, erläutert Annett Engel-Lindner vom Immobilienverband Deutschland. Wohnt er im selben Haus mit nicht mehr als zwei Parteien, muss er sich nicht an übliche Kündigungsfristen halten. Wer eine Einliegerwohnung vermietet, kann auch von steuerlichen Vorteilen profitieren: Zwar muss man die Mieteinnahmen angeben, dafür kann man aber auch die Ausgaben rund um die Vermietung absetzen. Dazu gehören zum Beispiel Darlehenszinsen oder Aufwendungen zum Erhalt des Mietobjekts.

Neben den vielen positiven Punkten, sollten Bauherrn aber auch mögliche Nachteile einbeziehen. Tür an Tür mit dem Mieter – das ist nicht jedermanns Sache – zumal die Bewohner oft auch Flure oder den Garten mitnutzen. „Besonders wenn fremde Menschen die Wohnung mieten, sollten eindeutige Regelungen gefunden werden, was wie genutzt werden darf“, rät Wagner. Die Verbrauchskosten werden am besten separat erfasst und abgerechnet, um Streitigkeiten zu vermeiden.

Oft erhöhen sich die Baukosten durch den Bau einer Einliegerwohnung. Im Vergleich zu einer einzelnen Eigentumswohnung sind sie aber relativ günstig. Dennoch sollte so ein Haus gut geplant sein – idealerweise mit einem Architekten, rät Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren. Denn: „Einfach ein Bauträgerhaus anzupassen, das funktioniert meist nicht“, sagt sie. Nicht jeder Bebauungsplan erlaubt eine Mietwohnung im Haus. „Bauherren sollten sich im Vorfeld bei ihrer Kommune erkundigen, welche Auflagen und Zusatzkosten auf sie zukommen, zum Beispiel durch den Nachweis von Pkw-Stellflächen.“ dpa

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© Schwäbische Post 28.07.2017 16:56
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