Die Geschichte hinter den Bräuchen

Weihnachtszeit Was besagen die Kerzen auf dem Adventskranz? Und warum stellen wir einen Baum an Weihnachten im Wohnzimmer auf? Hier sind ein paar historische Hintergründe zu den Traditionen.
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  • Die Idee der Futterkrippe als Geburtsort Jesu lässt sich schon im Frühchristentum nachweisen. Foto: Patrick Seeger/dpa/dpa-mag

Ein liebevoll geschmücktes Heim mit Adventskranz, Krippe und Weihnachtsbaum gehört genauso zu Weihnachten wie die Geschenke. Dabei liegen die Ursprünge der traditionellen Dekorationen teils Jahrhunderte zurück. Wir geben einen Überblick zu wichtigen Bräuchen.

Der Weihnachtsbaum

Für Menschen, die nicht lesen oder schreiben konnten, entwickelten sich seit dem 13. Jahrhundert am Heiligen Abend zwei Spiele: das Paradies- und das Krippenspiel, erklärt der katholische Theologe Manfred Becker-Huberti. Das Krippenspiel zeigte die Geburt von Jesu. Das Paradiesspiel erklärt, wie die Erbsünde in die Welt kam: Eva und Adam aßen eine verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis und wurden sterblich. „Nördlich der Alpen wird die Frucht durch einen roten Apfel dargestellt, der an einem Baum hängt.“

Unter Martin Luther wurde Weihnachten zum Familienfest. Beim evangelischen Adel tauchte der Christbaum auf dem Gabentisch auf – und durch Kerzen wurde er zum Lichterbaum. „Ende des 16. Jahrhunderts entstand im Elsass der Brauch, im Wohnzimmer einen Baum aufzustellen“, erläutert Thies Gundlach, Theologischer Vizepräsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland. Um 1900 übernahmen laut Becker-Huberti die Katholiken die Familienfeier zu Weihnachten und die Bräuche. „Der Geburtsort der Glaskugeln soll Lauscha in Südthüringen gewesen sein“, sagt Gundlach. Weil sich ein armer Glasbläser 1847 keine Nüsse und Äpfel leisten konnte, hängte er farbenfrohe Äpfel, Birnen und Nüsse aus Glas an den Baum.

Die Krippe

Die Idee der Futterkrippe als Geburtsort Jesu lässt sich schon im Frühchristentum nachweisen. Im Mittelalter legte man eine Jesuspuppe hinein, die bei weihnachtlichen Wiegeliedern zum Schaukeln gebracht wurde. Populär wurde die Inszenierung der Geburt durch Franz von Assisi, der 1223 eine Krippe mit Ochs, Esel und lebensgroßen Wachsfiguren aufbauen ließ. „Die älteste Krippe der Jesuiten soll im Jahr 1560 im portugiesischen Coimbra aufgestellt worden sein“, berichtet Martin J. Martlreiter, Präsident des Verbandes Bayerischer Krippenfreunde.

Der Adventskranz

Der Adventskranz geht auf Pfarrer Johann Hinrich Wichern und das Jahr 1839 zurück. Da die Waisen, um die er sich kümmerte, fragten, wann Weihnachten sei, baute er aus einem alten Wagen einen Holzkranz mit 20 kleinen und vier großen Kerzen als Kalender. An jedem Tag im Advent wurde eine weitere Kerze angezündet, an den Sonntagen eine der großen Kerzen. So konnten die Kinder die Tage bis Weihnachten abzählen. dpa

© Schwäbische Post 17.11.2017 17:58
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