Tuschkasten-Trip am Kap

Südafrika Kapstadt ist die bunteste Stadt Afrikas: Viele ihrer schönsten Attraktionen haben markante Farben. An ihnen entlang lässt sich Südafrikas zweitgrößte Metropole prima erkunden.
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    Im Rahmen bleiben Erinnerungsbilder an der Waterfront.
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    Street Art von Chris Auret.
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    F otos: Stephan Brünjes

Südafrikaner verehren Kapstadt ja wie eine Mutter; vielleicht hat sie deshalb eine babyrosafarbene Attraktion, die man gleich nach der Ankunft besuchen sollte: Das Mount Nelson, Spitzname „Nellie“, eine 1899 eröffnete Grandhotel-Institution mit Pink- Fassade – bis heute bewohnt von näselnden, wachshäutigen Oxford-Aristokraten und akkurat ondulierten Dauerwellen-Ladys –, bittet jeden Nachmittag zum High Tea. Hier residiert man unter Schatten spendenden Weiden, eingerahmt von Oleander und Hortensien, Magnolien und Hibiskus. Nicht nur Hotelgäste, jeder Kapstadt-Besucher kann diese Tea Time buchen. Was gibt es Schöneres nach einem langen Flug, als sich von vornehmen Service-Hostessen den Darjeeling einschenken und dazu eine sterling-silberne Doppeldecker-Steige mit Kanapees reichen zu lassen?

Tiefenentspannt federt man nach einer Stunde vorbei am plätschernden Springbrunnen zum Dessert-Büfett, pickt einen Hertzoggie, die südafrikanische Kuchen-Spezialität mit Eier-Aprikosen-Marmelade und Peppermint-Coconut-Ice, eine grün-weiße, erfrischende Praline. Die Frage, warum das Mount Nelson komplett rosa ist, beantwortet der zum High Tea dezent die Tasten rauf und runter perlende Pianist: Ein italienischer Nachkriegsbesitzer des Hotels wollte seine Gäste in der tristen Zeit mit diesem Anstrich aufheitern.

Schlendern im Grünen

Gegenüber der mächtigen, einem römischen Torbogen nachempfundenen Einfahrt des Mount Nelson wartet Kapstadts nächste Farbe: Grün. Companys Garden ist die dicht bewachsene, schattige Schlenderpassage in die City. Abseits von Hauptverkehrsadern wie der Long Street geht’s hier zunächst durch einen XXL-Kräutergarten – ein historischer Wink an die Anfänge dieses Areals. Jan van Riebeeck, einer der ersten niederländischen Siedler am Kap, ließ genau hier Gemüse und Obst anpflanzen, um seine Seeleute auf dem Weg nach Indien mit Vitaminen zu versorgen. Damals, ab 1652, war Kapstadt nur eine kleine Segelschiff-Haltestelle. Bis zum Parlamentsgebäude ziehen sich heute die immergrünen Gardens mit Liegewiesen und Spazierwegen, die sich an exotischen Gewächsen mit scheinbar muskelstrotzenden Wurzeln vorbeiwinden.

Das Wahrzeichen der V&A-Waterfront ist rot – der Clocktower. Dieser historische Uhrenturm sticht wie eine Landkartennadel hervor aus dem ab 1990 wieder prächtig herausgeputzten historischen Hafenareal von 1860 mit seinen zwei großen Becken, benannt nach Queen Victoria (für sie steht das V) und ihrem Sohn Prinz Alfred (kurz: A). Dazwischen bummelt man vorbei an einer Mini-Robbenstation, guten Restaurants und gehobenen afrikanischen Souvenirshops. Und steht plötzlich vorm heimlichen Wahrzeichen der V&A Waterfront – ebenfalls rot: Die Ikamva Marimba Band.

Montags, mittwochs und freitags spielt sie am Café Alfredo einen so mitreißenden Afro-Pop, dass Touristen, Schulklassen und Polizisten stehen bleiben und begeistert mitsingen. Sollte in Deutschland gerade jemand Geburtstag haben, einfach den Bandleader bitten, „Happy Birthday“ zu intonieren. Macht die Truppe prompt mit großer Hingabe. Das Ganze per Handy aufgezeichnet und in die Heimat geschickt –eine gelungene Überraschung!

Gleich um die Ecke: Kapstadts gelbe Attraktion: einer von vier Yellow Frames – metallene XXL-Bilderrahmen, jeweils mit dem echten Tafelberg drin – als imposante Hintergrundkulisse. Vor dem Rahmen wartet meist eine kleine Menschenschlange mit gezückten Kameras und Handys, bis die japanische Reisegruppe endlich ihr Erinnerungsfoto fertig inszeniert hat. Zweiter Standort eines gelben Foto-Rahmens ist der 300 Meter hohe Signal Hill. Gut per Auto erreichbar bietet er ein 180-Grad-Draufsicht-Panorama Kapstadts und allabendlich Sonnenuntergänge zum Niederknien, was viele Besucher auch tun – auf mitgebrachten Decken. Yellow Frame Nummer 3 und 4 stehen in Big Bay an der Westküste und auf dem Lookout Hill in Khayelitsha.

Teufels Tischtuch

Apropos Tafelberg – er liefert, je nach Wetterlage, mehrfach pro Woche sozusagen den Deckweiß-Farbtupfer der Stadt: Meist spätnachmittags, wenn die Strahlkraft der Sonne nachlässt, ist das 1087 Meter hohe, mitten in der Stadt gelegene Felsmassiv plötzlich weiß eingehüllt. „Teufels Tischtuch“, nennen Einheimische diese vom kräftigen Südwestwind auf den Tafelberg geblasenen Wolken. Wer’s oben erleben will, sollte erstens schon vorher mit der Tafelberg-Gondelbahn hochfahren und zweitens warme Kleidung mitnehmen, denn unter Teufels Tischtuch sind Temperaturstürze von 15 Grad und mehr binnen Minuten durchaus üblich. Das Schauspiel auf dem Gipfel aber lohnt: Minutenlang eingehüllt in die weiße Wolke, gibt sie dann wieder den Blick frei auf Kapstadt zu Füßen, auf seine Westküste mit Nobelvororten wie Camps Bay und Clifton sowie auf die Ostseite der Kaphalbinsel mit der sogenannten False Bay. Sie heißt so, weil holländische Seeleute sich hier einst am Ziel wähnten, dann aber merkten, dass sie in der falschen Bucht ankerten.

Vom Denkmalschutz gerettet

Braun ist in Kapstadt das beste und aufregendste afrikanische Restaurant: Mama Africa. Schon die reich verzierte, entfernt an alpenländische Lüftl-Malerei erinnernde, braune Fassade ist ein Hingucker. Drinnen sitzt man unter einem bräunlichen Bambus-Gewölbe. Der Bar-Tresen ist eine mehr als zehn Meter lange, bunte Stein-Schlange, beleuchtet von einem aus Cola- Flaschen gestalteten Kronleuchter. Kudu- oder Springbock-Steak, Straußen- oder Krokodil-Kebab sind unschlagbar lecker – sofern man zum Essen kommt. Denn eine von Mama Africas drei Hausbands sorgt jeden Abend dafür, dass die Gäste mit Messer und Gabel den treibenden Bongo-Rhythmus auf dem Tisch mittrommeln.

Nach so vielen Begegnungen mit kräftigen Farben mal ein Colour-Flash in Pastell? Den bietet das Bo-Kaap-Viertel: Quietschbunte, zum Teil über 200 Jahre alte Häuser in strahlendem Lindgrün, Brombeer-Lila oder Cyanblau sind hier der Blickfang – einst gerettet vom Denkmalschutzamt während des Apartheid-Regimes, das dieses muslimisch geprägte, von Sklaven-Nachfahren bewohnte Viertel abreißen lassen wollte, so wie viele Townships damals. Nach der Rettung renovierten Bewohner des Bo-Kaap-Viertels ihre Häuser und strichen sie in leuchtenden Farben, was immer mehr Touristen anlockt. Beste Fotoperspektiven bieten sich dank guten Sonnenlicht-Einfalls in den Morgenstunden bis zum Mittag. Männer in weißen Dishdasha- Gewändern huschen über die Straßen, der Muezzin ruft aus der nahen Moschee, und man hat für einen Moment das Gefühl, nicht in Kapstadt, sondern in einer arabischen Metropole zu sein.

Nicht Tuschkasten-, sondern Spraydosenfarben prägen Woodstock. Das lange heruntergekommene Viertel östlich von Kapstadts City ist heute ein Pilgerort für Fans von Graffiti und Street Art. Sprayer, Tagger und Painter haben viele Mauern mit bis zu dachhohen Bildern gestaltet und Woodstock so zu einer gut besuchten Open-Air-Galerie gemacht. Am besten erkundet man das Viertel im Rahmen einer der geführten Touren – idealerweise am Samstag. Denn dann findet der sehenswerte Neighbourgoods Market statt, rund um die Old Biscuit Mill, eine wieder hergerichtete Keksfabrik. Hier zeigen Designer, Köche und Bäcker, was sie können und wie es sich für Kapstadt gehört: nie grau, immer bunt!

Ab nach Kapstadt

Anreise
Direktflüge nach Kapstadt bietet Lufthansa ab Frankfurt an, www.lufthansa.com. Umsteigeverbindungen via Johannesburg mit South African Airways fliegt ab Frankfurt oder München (www.flysaa.com/de/de).

Unterkunft
Wer nicht nur High Tea im Mount Nelson erleben, sondern auch dort wohnen möchte, zahlt für ein Doppelzimmer pro Nacht ab ca. 350 Euro und kann dafür koloniales Grandhotel- Ambiente, den Park drumherum und einen kostenlosen Shuttle zur V&A Waterfront genießen (www.belmond.com/mount-nelson-hotel-cape-town/). Preiswert, stilvoll und zentral, aber ruhig liegt das Fritz Hotel, mit gelungener Mischung aus Art-déco-Style und moderner Einrichtung. Doppelzimmer ab 42 Euro (www.fritzhotel.co.za). Modern-luxuriös und etwas außerhalb im mondänen Vorort Camps Bay liegt das South Beach, ein Vier-Sterne- Apartmenthaus mit Tiefgarage und Pool. Es hat sehr geräumige Wohnungen mit kleiner Terrasse, voll eingerichteter Küche und Frühstücksservice. Preise pro Apartment/Nacht ab ca. 140 Euro (www.blueviews.com).

Essen und Trinken
Mama Africa offeriert nicht nur gutes Essen, sondern auch sehr freundliche Bedienung und einen kleinen Africa-Shop, www.mamaafricarestaurant.co.za. Das Harbour House an der V&A Waterfront ist ein schönes Fischlokal mit gutem Essen auf riesiger Terrasse und tollem Blick auf dümpelnde Jachten in den Hafenbecken, www.harbourhouse.co.za.

Allgemeine Infos
South African Tourism, www.dein-suedafrika.de.

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© Schwäbische Post 30.12.2016 15:50
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