Erholung pur in einem Winterwunderland

Finnland Beim Eisangeln die Seele baumeln lassen oder beim Schneeschuhwandern den Alltagsstress vergessen? Wer auf der Suche nach Entspannung ist, wird in Finnisch-Lappland fündig.
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    Foto: Neubauer
Ins kalte Wasser springen“ ist eine Redewendung, die bedeutet, dass man eine unvertraute Aufgabe bewältigen muss oder ein Wagnis eingehen soll. Und so stehen die Teilnehmer des Eiswasserschwimmens auch eine ganze Weile unschlüssig am tief verschneiten Ufer des Flusses Kitkajoki. Wie Teletubbies sehen sie aus in ihren Kapuzenanzügen aus Gummi, die sie mühsam über mehrere Schichten ihrer Kleidung gezogen haben. Das Thermometer zeigt minus 16 Grad Celsius. „Das Wasser ist nur minus ein Grad kalt. Was gibt es da noch zu überlegen?“, ruft Teemu, der finnische Begleiter, den zaudernden Winterurlaubern zu und grinst breit. Und so waten sie in die Mitte des Flusses, wo ihnen Auftrieb und Strömung die Entscheidung abnehmen, ob sie sich tatsächlich vom eiskalten Wasser des Flusses mitreißen lassen sollen. Durch die viele Luft, die zwischen den Kleiderschichten unter dem Gummianzug steckt, treiben sie wie Luftmatratzen auf der Wasseroberfläche.

Entspannende Aktivität

Wer das Eiswasserschwimmen ausprobieren will, muss also nicht einmal schwimmen können, weshalb der deutsche Begriff auch eher irreführend ist. Der Anbieter Ruka Adventures verwendet das englische Wort „River Floating“, das man im Deutschen am besten mit „im Fluss treiben“ übersetzen würde – und das trifft es viel besser. Was auf den ersten Blick einfach wie ein idiotisches Outdoor-Abenteuer für einen Junggesellenabschied aussieht, ist in Wirklichkeit extrem entspannend. Es fühlt sich an, wie auf einem Wasserbett zu liegen.

Man treibt gemächlich den Fluss hinunter und wird dabei von der Strömung sanft geschaukelt. Der Blick ist nach oben zum Himmel gerichtet und auf die Spitzen der Nadelbäume, die so tief verschneit sind, dass es aussieht, als hätten sie dicke Mäntel aus Hermelin-Pelz an. Absolute Stille umgibt die „Eiswasserschwimmer“. Und wohlige Wärme. Lediglich links und rechts der Gummikapuze gluckert es manchmal leise. Einige Kilometer stromabwärts endet das Floating-Abenteuer. Leider, denn darin sind sich alle in der Gruppe einig: Sie wären gern noch ein wenig weiter „geschwommen“ durch das Winterwunderland.

Eldorado für Angler

Der Oulanka-Nationalpark bei Kuusamo ist einer der beliebtesten Nationalparks in Finnland und berühmt für seine Flüsse, aber auch für seine fischreichen Seen. Und die lassen nicht nur im Sommer Anglerherzen höherschlagen. Denn wer denkt: Angeln im Winter, das geht doch nicht, der liegt falsch. Eisfischen ist in Finnland eine beliebte Winterbeschäftigung und man braucht dazu noch nicht mal einen Angelschein. Dafür aber einen Eisbohrer, Angelzubehör, einen Hocker und idealerweise etwas zum Knabbern sowie eine Thermoskanne mit heißem Tee oder Kaffee.

„Manche Fischarten beißen in der dunklen Jahreszeit sogar besonders gut an – zum Beispiel die Aalquappen“, sagt Juha vom Veranstalter Isokenkäisten Klubi. Dann zeigt er den Besuchern aus Deutschland, wie sie den Eisbohrer bedienen müssen.

Finnischer Nationalfisch

Einige Fische beißen in der dunklen Jahreszeit besonders gut an.

Experte Juha,
vom Veranstalter Isokenkäisten Klubi

„Der finnische Nationalfisch ist der Barsch und der ist wegen seiner ausgeprägten Bereitschaft zum Anbeißen besonders sympathisch“, ulkt er, während er ein Loch in die rund 60 Zentimeter dicke Eisschicht des Sees Heikinjärvi kurbelt. Nun wird die Angel mit einem Köder bestückt und ins Eisloch gelassen.

Während man entspannt auf dem Höckerchen vor dem Eisloch sitzt, kann man seinen Gedanken wunderbar freien Lauf lassen und die milden Strahlen der Wintersonne auf dem Gesicht spüren. Gewöhnlich lassen die Fische nicht lange auf sich warten, da sie durch den Lichteinfall zum Eisloch gelockt werden. Selbst Ungeübten geht so ein Barsch, eine Renke oder sogar ein Hecht an den Haken. Naturbegeisterte, die das Eisfischen ausprobieren möchten, sind in der Region Kuusamo nahe der russischen Grenze besonders gut aufgehoben.

Hunderte Seen sind hier zu finden. Sie sind umgeben von Wäldern und Flüssen. Und so finden hier nicht nur Angler sehr gute Möglichkeiten, ihrem Hobby nachzugehen.

Neben dem Eisfischen gehören Schneeschuhwanderungen, Hundeschlitten- oder Rentiersafaris und Saunaaufenthalte zu den Aktivitäten, die Touristen in Finnisch-Lappland am meisten schätzen. Und: die nächtliche Jagd nach der berühmten Aurora borealis. Wem es vergönnt ist, die sogenannten Polar- oder Nordlichter am klirrend-kalten Nachthimmel zu beobachten, wird das zum Höhepunkt der Reise erklären. Eine Garantie gibt es aber nicht. Die besten Chancen, das beeindruckende Naturschauspiel zu beobachten, haben Reisende statistisch gesehen im Februar und März sowie im September und Oktober.

Wegen der geografischen Nähe zum Polarkreis gehört die Wintersaison in Finnisch-Lappland zu den längsten in Europa. Sie beginnt im Oktober und dauert fast neun Monate. Die Ski- und Safari-Saison geht bis April oder Mai, je nachdem wie viel Schnee liegt.

Schneegarantie als Trumpf

Die Skifahrer und Snowboarder kommen im Ski-Resort Ruka auf ihre Kosten. Es liegt am Fjell Rukatunturi, kurz Ruka. Dieser Berg ist allerdings nur 493 Meter hoch und kann deshalb mit Abfahrten, wie sie in den Alpen möglich sind, nicht mithalten. Das Skigebiet hat dennoch Trümpfe: So gibt es an 200 Tagen im Jahr garantiert natürlichen Schnee, die Liftanlagen laufen täglich bis 19 Uhr und die Pisten sind im Vergleich zu Skigebieten in den Alpen selbst in der Hochsaison nie überlaufen.

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© Schwäbische Post 15.12.2017 12:50
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