Eine Schule mitten im wilden Dschungel

Asien In der Yaowawit School & Lodge auf der Insel Phuket fanden nach dem Tsunami vor 13 Jahren Waisen ein neues Zuhause. Urlauber unterstützen das Projekt und lernen das ursprüngliche Land kennen.
  • Das Internat liegt im Dschungel, wo auch Strelitzien wachsen.
    Foto: C. Neubauer

Wie Noahs Arche auf dem Berg Ararat thront die Yaowawit School & Lodge auf einem Hügel mitten im Regenwald bei Kapong, einem Dorf im Süden Thailands. Gebaut hat die Schule und das Gästehaus der deutsche Unternehmer Philipp Graf von Hardenberg. Im Januar 2005, wenige Wochen nachdem an Weihnachten 2004 eine gigantische Flutwelle rund 230 000 Menschen in den Tod gerissen und ganze Landstriche in Indonesien, Thailand und auf Sri Lanka verwüstet hatte, war er auf die Insel Phuket gekommen, um in der größten Not zu helfen. „Trauer, Elend, Dreck – und dazwischen all die verwaisten Kinder, da konnte ich nicht einfach abreisen und so tun, als ob alles gut werden würde“, erinnert sich von Hardenberg. „Dann bot mir das Rote Kreuz in Karlsruhe eine halbe Million Euro an, um eine Schule zu bauen. Ich war unendlich dankbar.“

70 Kilometer nach Khao Lak

Rund 70 Kilometer von der Urlaubsregion Khao Lak entfernt kaufte er ein 27 Hektar großes Plantagengrundstück. 2006 wurde das Dschungelinternat eröffnet, in dem zunächst 80 Waisen ein neues Zuhause, Sicherheit und Geborgenheit fanden. Diese Kinder haben die Schule inzwischen verlassen. „90 Prozent unserer Schützlinge haben einen Abschluss gemacht, der mit dem deutschen Abitur vergleichbar ist“, sagt Schulleiterin Kru Tack stolz. „Viele studieren inzwischen.“ Derzeit leben 140 Kinder zwischen drei und 18 Jahren in Yaowawit. Nur wenige sind elternlos, die meisten aber sind mittellos – so wie Pim, deren Eltern sich nie um das Mädchen
gekümmert haben. Sie wuchs bei ihrer Großmutter auf, doch die war so bettelarm, dass sie den Schulbus für Pim nicht bezahlen konnte. Seit 2013 lebt die 13-Jährige, die davon träumt, einmal eine berühmte Sängerin zu werden, in Yaowawit. Hier wird sie von Lehrern, Hauseltern und Praktikanten aus dem Ausland versorgt und ausgebildet. „Der Kreislauf der Armut lässt sich nur mit Bildung durchbrechen“, sagt Schulleiterin Kru Tack. Neben der schulischen Ausbildung nach thailändischem Lehrplan werden den Kindern auch praktische Fähigkeiten vermittelt.

Mitarbeit auf Plantage

Ab der vierten Klasse arbeiten sie nach dem Unterricht auf der schuleigenen Plantage mit. Sie lernen, wie man Gemüse, Obst und Kräuter anbaut, erntet und verarbeitet. Sie kümmern sich um die Fischteiche, die Hühner und Ziegen. Lehrer einer benachbarten Hotelfachschule und Manager des nahe gelegenen Marriott Hotels unterrichten die Kinder zudem im Hotelfach – denn 13 Jahre nach der Flutkatastrophe boomt der Tourismus in Thailand wieder.

„Wer gut Englisch spricht und kompetent sowie selbstbewusst mit ausländischen Gästen umgehen kann, hat definitiv Chancen auf eine Zukunft ohne Armut“, sagt Philipp von Hardenberg. Auch ein kleines Hotel gehört zur Schule. Die sogenannte Yaowawit Lodge verfügt über 14 Zimmer, die einfach, aber komfortabel eingerichtet sind. So müssen Gäste weder auf Klimaanlage noch auf WLAN verzichten. Auch einen Pool und eine Lounge gibt es. Die Mahlzeiten nehmen die Gäste auf einer überdachten Terrasse in Höhe der Baumkronen ein – serviert von den Kindern, die ihren Aufgaben mit großer Gewissenhaftigkeit nachgehen. „Durch die Interaktion mit den Touristen wenden die Kinder ihr Englisch an und sammeln im Umgang mit Gästen wertvolle Erfahrungen“, erklärt Schulleiterin Kru Tack.

Urlauber, die das ländlich ursprüngliche Leben in Thailand abseits der Touristenzentren auf Phuket kennenlernen wollen, sind im Dschungelinternat willkommen und werden, wenn sie das wollen, in alle Aktivitäten eingebunden. Sie können mit den Kindern basteln, ihnen Geschichten vorlesen, mit ihnen über den Bauernhof schlendern, Eier einsammeln, die Ziegen füttern oder Fußball spielen.

Der Kreislauf der Armut lässt sich nur mit Bildung durchbrechen.

Kru Tack, Schulleiterin

Immergrüner Regenwald

Für Kurzweil außerhalb des Anwesens sorgen der nahe Khao LakLumru National Park mit seinem immergrünen Regenwald und Wasserfällen sowie der Sonntagsmarkt in Kapong. Vom Restaurant aus haben die Gäste einen Blick auf eine überdachte, aber sonst offene Aula. Hier beginnen die Kinder den Tag morgens mit einer Meditation, hier wird nachmittags getobt und gespielt, und auch bevor es ins Bett geht, versammeln sich alle Bewohner des Dschungelinternats hier, um gemeinsam zu singen und zu beten. Während sich die meisten Kinder danach in die Schlafsäle zurückziehen, darf Pim heute noch aufbleiben. Sie ist Sängerin in der schuleigenen Band. Momentan probt sie jeden Abend für einen Auftritt in einem Hotel in Phuket während der Weihnachtsfeiertage.

Ihre Augen leuchten, als sie davon erzählt. Auch Rudolf Schenker, Gitarrist und Chef der Hardrockband Scorpions, wird dabei sein wenn sie deren Ballade „Wind of Change“ vor einem großem Publikum singen wird.

Wind der Veränderung

Der Wind der Veränderung – für Pim hat er sich tatsächlich gedreht, seit sie nach Yaowawit kam. Er weht für sie inzwischen ganz in die Richtung einer erfüllten sowie auch einer sorgenfreien Zukunft.

© Schwäbische Post 22.12.2017 17:31
309 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.