Die Zukunft der Medizin: Gehen wir bald nur noch virtuell zum Arzt?

Der Gang zum Arzt ist kein Sonntagsspaziergang. In einigen Fällen geht es nur um eine Krankschreibung bei einem grippalen Infekt, wobei das stundenlange Warten in Kombination mit einer langen Anfahrt zur echten Zerreißprobe wird. Liegt schweres Unwohlsein vor, trägt das ewige Sitzen im Wartezimmer gefolgt von einem enttäuschend kurzen Gespräch mit dem Arzt und einer für den Laien zu schnell abgehandelten Diagnose häufig zu Frustration und damit zu allem anderen als zur schnellen Genesung bei. Zu wenig Ärzte und Personal kommen auf zu viele Patienten. Das Problem ist altbekannt. Doch wie sieht die Arztpraxis der Zukunft aus? Was lässt sich ändern, um sowohl Patienten als auch Mediziner zu entlasten?

Der Fernarzt als mögliche Entlastung?

Digitale Patientenakten und Online-Terminvereinbarung – bezüglich digitaler Lösungen in der Medizin tut sich bereits einiges. Ein relativ neuer Ansatz, der langsam aber sicher Anklang findet, ist der digitale Arzttermin. Noch stehen die Hausbesuche der etwas anderen Art vor einigen gesetzlichen Hürden, in Deutschland ist das Ausstellen von Rezepten und auch die Diagnose online noch nicht gestattet. Auch wenn Arztbesuche nicht komplett durch Computer oder Tablet ersetzt werden können, liegen hier neue Möglichkeiten. Die Videosprechstunde hat dabei gegenüber dem Telefonat große Vorteile, denn der Blickkontakt kann für eine Diagnose wichtig sein. Heutzutage bietet die Behandlung per Fernarzt bei Online-Verschreibung der Pille oder Medikamenten gegen Haarausfall bereits eine große Entlastung für Patienten.

Die digitale Zukunft der Medizin

Noch scheint die digitale Revolution in der Medizin weit entfernt. Notizen werden oft noch handschriftlich verfasst, Briefe anstatt E-Mails versendet und auch die elektronische Patientenakte hat sich noch nicht überall durchgesetzt. Dabei tut sich auf dem Markt im Hintergrund bereits einiges: Neben computergestützter Patientenbetreuung erobern immer mehr Apps und Smartphonezubehör die Medizin. So gut wie jeder besitzt heutzutage ein Smartphone und das eignet sich ideal zum Tracking von Vitaldaten und für die Vorsorge. Die laufende Erhebung persönlicher Gesundheitsdaten wird langfristig bessere Behandlungen ermöglichen und Ärzte entlasten. Doch stellt die wissenschaftliche Absicherung noch eine große Herausforderung dar, denn es muss gewährleistet werden, dass die Angebote wirksam sind und Patienten nicht abgezockt werden.

Roboter im täglichen Einsatz

Während die kleinen Gadgets in privaten Haushalten den Markt erobern, werden auch immer komplexere Roboter entwickelt, die Behandlungen und OPs durchführen können. Die intelligenten, mitdenkenden Systeme können die Arbeit von medizinischen Fachkräften bereits erheblich entlasten und verbessern, gerade kleinere und komplexe Eingriffe stellen großes Potenzial für die Maschinen dar. Noch können die Roboter zwar nur eine begrenzte Anzahl der Aufgaben von Ärzten übernehmen, da der persönliche Kontakt unabdingbar bleibt – doch wer weiß, wie sich die Maschinen in Zukunft weiterentwickeln werden?

zurück
© Schwäbische Post 24.11.2017 11:41
Ist dieser Artikel lesenswert?
1834 Leser
Kommentar schreiben
nach oben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.