Boas Festas do Brasil! mit Strand und Palmen

  • Da das Studium hauptsächlich online abläuft, reist Beate Lak viel in Brasilien. Foto: privat

Beate Lak

Zunächst einmal möchte ich dem Helden meiner Kindheit und der wichtigsten Person in meinem Leben noch einmal nachträglich alles, alles Liebe und Gute zu seinem 95. Geburtstag wünschen: Herzlichen Glückwunsch Opi, ich liebe und vermisse dich sehr!

Im Rahmen meines Masterstudiums bin ich seit Juli in Brasilien an der Universidade Federal de Minas Gerais in Belo Horizonte, der Hauptstadt des Bundesstaates Minas Gerais. Der Staat hat keinen Zugang zum Meer, weshalb hier meistens Wanderungen durch die Berge und Nationalparks zu Wasserfällen unternommen werden.

Mein Studium macht mir viel Freude und ich lerne jeden Tag viel Neues. Ich habe hier weniger Kurse als in Deutschland, doch der Arbeitsaufwand ist in etwa der gleiche, denn es gibt nicht nur eine Klausur am Ende des Semesters, sondern auch andere schriftliche Aufgaben, die man online einreichen muss.

Da hier beinahe alles online abgewickelt wird, hatte ich die Möglichkeit, zu reisen. Ich war unter anderem auf dem Vulkanarchipel Fernando de Noronha, im Bundesstaat Rio de Janeiro auf der Ilha Grande und in Paraty, einer historischen Hafenstadt. Auf entfernteren Inseln habe ich wilde und sehr seltene Äffchen und Warane gefüttert.

Arbeit in „deutscher Stadt“

Im Oktober dann wurde ich von der Uni frei gestellt, um für Sprachaufnahmen in den Süden des Landes, nach Pomerode zu reisen. Pomerode bezeichnet sich selbst als „deutscheste Stadt Brasiliens“ und für mich ist es einer der schönsten Orte hier. Es gibt dort Currywurst, Weißbier und Streuselkuchen und natürlich darf der Besuch im Schützenverein zum gemeinsamen Tanzen nicht fehlen. Zirka 70 Prozent der Einwohner Pomerodes stammen von deutschen Einwanderern ab, die ab 1860 aus Pommern das Land besiedelten, mitten im Urwald Fachwerkhäuser bauten und ihre Sprache und Gebräuche mitbrachten.

Ich habe dort, mit Hilfe vieler lieber Freunde, Interviews auf Plattdeutsch (dem Dialekt aus Pommern) geführt. Eines meiner Highlights waren meine Besuche auf dem zweitgrößten Oktoberfest der Welt in Blumenau, der Nachbarstadt, das (aus brasilianischer Sicht) stark an unsere Volksfeste in Deutschland angelehnt ist. Dort wurde zu „Marmor, Stein und Eisen bricht“ getanzt und Gulasch mit Spätzle und einem kühlen Bier serviert.

Natürlich ist alles schöner, wenn die Sonne scheint, doch auch hier fallen mir täglich viele Dinge auf, die mich traurig stimmen: Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist in Brasilien nach wie vor gravierend und durch die Wirtschaftskrise der letzten Jahre verschlimmert sich die Situation hier zunehmend. Es kommt fast täglich zu bewaffneten Überfällen, teilweise auch innerhalb des Unigeländes, weshalb ich das Haus nur ohne sichtbare Wertgegenstände und sehr oft mit Pfefferspray verlasse.

Was mein umwelt- und naturbewusstes Herz sehr schmerzt, ist der „Umweltschutz“. Dieser ist hier beinahe nicht vorhanden. Überall liegt Plastikmüll herum, Mülltrennung ist ein Fremdwort und eine Idee wie Flaschenpfand klingt für Brasilianer vollkommen utopisch.

Ehrenamtliche Lehrtätigkeit

Ich habe mich entschlossen, einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der Situation in Belo Horizonte zu leisten und vielleicht die Zukunft einiger Menschen hier positiv zu beeinflussen. Neben meinem Studium gebe ich jeden Samstag ehrenamtlich Englischkurse für sozial benachteiligte Brasilianer; die meisten meiner Schüler sind aus den Favelas und sehr motiviert. Es macht mir großen Spaß und ich wurde von allen im Projekt „Incluir“ sehr herzlich aufgenommen. Die Lernenden bekommen am Ende des Semesters ein Zertifikat und haben nach einigen absolvierten Kursen eine sehr viel höhere Chance, die Aufnahmeprüfung einer Universität zu bestehen. Es studieren tatsächlich schon ein paar ehemalige Teilnehmer des Projektes, was mich natürlich umso mehr freut und motiviert.

Ich möchte nun ganz besonders Opa Rudi, meine Mama, meinen Papa und meine Schwestern Susi und Johanna grüßen, ohne deren Hilfe und tägliche Unterstützung ich nicht hier sein könnte. Viele Grüße sende ich an Larissa und Angelika, die mir stets durch Nachrichten und Telefonate den Alltag versüßen und auf die ich mich immer verlassen kann. Ich grüße natürlich auch meine Röhling Stones, mit denen ich auch in der kommenden Faschingssaison wieder unvergessliche Auftritte erleben werde. Und last but not least das Team des Gasthaus Sonne in Röttingen, wo ich durch meine Kollegen und Chefs den besten Arbeitsplatz der Welt habe.

Ich werde ab dem 12. Dezember hier Ferien haben und die Feiertage in Chile am Strand verbringen.

Ich wünsche allen Freunden und Bekannten frohe und gesegnete Weihnachten und einen guten Start ins Jahr 2018. Wir sehen uns an Fasching! Eure Beate

© Schwäbische Post 23.12.2017 00:45
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