Für andere schönste Zeit des Jahres planen

Ausbildung Feriengestaltung als Jobinhalt: Tourismuskaufleute machen den Urlaub anderer zu ihrem Beruf, indem sie umfassend zum Thema Reisen beraten. Knapp drei Viertel der Auszubildenden sind Frauen.
  • Foto: Peter Steffen/dpa-mag

Alina Bührmann plant die schönste Zeit des Jahres. Denn die 20-Jährige macht bei Tui in Hannover eine Ausbildung zur Tourismuskauffrau mit dem Schwerpunkt Reiseveranstaltung. „Andere Länder, Sitten und Kulturen sowie das Reisen allgemein haben mich schon immer begeistert“, sagt sie. Wichtigste Voraussetzung für den Job ist jedoch eine andere: „Man muss offen auf Menschen zugehen können sowie Freude und Geschick darin haben, mit Menschen zu arbeiten“, sagt Dorothea Busche, Referentin für Bildung beim Deutschen Reiseverband in Berlin. Toleranz, Feinfühligkeit, gute Umgangsformen und Freude an der Kommunikation muss daher jeder Auszubildende mitbringen.

Wichtig außerdem: Sprachkenntnisse. „Englisch sollte man gut sprechen können“, sagt Busche. Auch andere Sprachen sind im Lebenslauf gern gesehen. Vor allem Spanisch und Französisch stehen hoch im Kurs. Auch eigene Reisefreude der Bewerber sehen die Personaler gern in den Unterlagen, sagt Bettina Gläser-Krahn, Leiterin der Ausbildung bei Tui Deutschland. „Auslandserfahrung wie ein High-School-Jahr, eine Au-Pair-Tätigkeit oder Sprachkurse im Ausland sind ein klarer Vorteil.“

Die meisten Betriebe suchen Azubis mit mindestens mittlerem Schulabschluss, einige auch gezielt nach Fachabiturienten oder Abiturienten, sagt Nicole von Stockert, Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft. Wie in jedem kaufmännischen Beruf sollte man ein gutes mathematisches Verständnis mitbringen.

Die Reiseveranstalter sind nur einer von mehreren Bereichen, die Tourismuskaufleute ausbilden. Hinzu kommen zum Beispiel Fluggesellschaften, Reedereien, Bahnbetreiber oder Mietwagenunternehmen. Die meisten Azubis bereiten sich allerdings in einem der rund 10.000 Reisebüros in Deutschland auf ihren Wunschberuf direkt am Kunden vor.

Bei Reiseveranstaltern geht es in der Ausbildung vor allem darum, Produkte wie Pauschalreisen zusammenzustellen und buchbar zu machen. In einem Reisebüro stehen der Verkauf und der direkte Umgang mit Kunden im Mittelpunkt. „Dort lernt man, wie man eine passende Reise für die Kunden findet, zusammenstellt, bucht und abrechnet“, sagt Busche.

Man muss Freude und Geschick darin haben, mit Menschen zu arbeiten.

Dorothea Busche,
Deutscher Reiseverband

Einen Teil ihres Schulwissens konnte Alina Bührmann bei ihrer Ausbildung schon gut gebrauchen. „Aber viele Dinge waren für mich auch komplett neu“, sagt sie. „Das Arbeiten in einem Unternehmen allgemein unterscheidet sich sehr zum Berufsschulunterricht.“

Ein Muss ist die Ausbildung inzwischen nicht mehr, um Zugang zur Branche zu finden: Alternativ gibt es duale oder reguläre Studiengänge. Trotzdem ist die Tourismuskauffrau nach wie vor der Standardpfad, sagt von Stockert: Rund 5.000 junge Leute lernen den Beruf derzeit. Knapp drei Viertel von ihnen sind junge Frauen, sagt Busche. Je nach Ausbildungsjahr verdienen sie von 717 Euro monatlich im ersten Jahr bis knapp 1.000 Euro im dritten Lehrjahr.

Nach der Ausbildung gibt es Jobs im In- und Ausland, sagt Tui-Ausbildungschefin Gläser-Krahn. „Es gibt einige Absolventen, die eine Tätigkeit in einem unserer Reiseländer aufnehmen, etwa als Reiseleiter, in einem Hotel oder in einer Agentur.“ In der Regel arbeiten fertige Azubis aber in der Reisevermittlung und -veranstaltung sowie im Geschäftsreisebereich. dpa

© Schwäbische Post 29.12.2017 17:41
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